Aus den Federn, Vögelchen!

Gestern habe ich mich recht allgemein über die theoretische Kooperationswilligkeit unserer Kinder ausgelassen. Wie ich schon schrieb, klappt das bei uns immer fast immer nie so gut, wie wir uns das wünschen. Es gibt Situationen, da klappt es tatsächlich einfach gar nicht. Vor allem morgens ist das hier so eine Sache. Fast die ganze Familie bewegt sich zwischen ausgeprägtem Langschläfertum (der weibliche Teil der Gesellschaft) und morgenmuffelndem Frühaufsteherdasein (der Sohn – von mir hat er das nicht!), nur der Vater vons Janze ist eine regelrechte Lerche und springt schon morgens um sechs relativ beschwingt aus dem Bett, um als Erstes mal überall die Fenster aufzureißen.

Frischluft ist ja ungeheuer wichtig. Relativ betrachtet jedenfalls. Der Rest der Familie nimmt es eher nach dem Motto: „Es ist noch keiner erstunken, aber erfroren sind schon viele!“, was bei den Kindern dafür sorgt, dass sich die schlechte Laune entweder noch steigert, oder aber die Haltung in eine hartnäckige Weigerung das Bett zu verlassen übergeht. Inzwischen sind wir dazu übergegangen das Lüff noch im Bett anzuziehen und meine Andeutung dem Mann gegenüber, dass es vielleicht hilfreich wäre, die Fenster bis zum Vollzug des Anziehens geschlossen zu halten, um den Temperaturausgleich vom warmen Bett in die Morgenluft für die Kinder etwas angenehmer zu gestalten, hat den Rockstar doch tatsächlich auf die Idee gebracht, man könne den Temperaturausgleich doch auch andersherum gestalten. Kühlakkus unter die Bettdecke. Dann würden die Kinder sich an die Kälte der winterlichen Frischluftzufuhr gewöhnen und auch schneller aus den Betten kommen. Ich glaube, ich werde dieses Wochenende die Praktikabilität seines Vorschlages einmal testen und bin gespannt, ob er die Idee noch immer für gut befindet, wenn ich sie unter seiner Decke von der Theorie in die Praxis umsetze. Aber ich schweife mal wieder ab…

Wo war ich? Ach ja. Das Lüff und das Anziehen. Wenn es gar nicht klappt, darf sie auch mal im Schlafanzug in die Kita. Wenn diese Vorgehensweise auch dem Ordnungssinn des Rockstars sehr widerstrebt. Diskussion gestern früh in etwa: Ich zum Kind: „Dann gehst du halt im Schlafi in die Kita.“ Er zu mir: „Das geht aber nicht!“ Ich zu ihm: Warum nicht?“ Er: „Weil ich das nicht gut finde!“ Ich: „Und du findest das jetzt so blöd, dass du deshalb einen Kampf mit ihr austragen möchtest? Viel Spaß!“ Er: „…“ Ich: „Ich packe ihr schonmal Anziehsachen für die Kita in den Rucksack. Und heute Abend geht sie angezogen ins Bett.“ Diskussion beendet. Mal ehrlich: Solange das Kind nicht friert, ist es mir pupsegal, was es trägt. Der Lüff war es doch nicht so egal. Sie hat sich in der Kita dann doch als Erstes schnell umgezogen.

Beim Krieger ist es inzwischen etwas einfacher. Solange man unseren Großen morgens nicht unter Druck setzt („Beeil dich! In fünf Minuten müssen wir los!“), prüddelt er so vor sich hin. Manchmal vergisst er dabei leider das Anziehen, so dass das Druckmachen unsererseits leider nicht ausbleibt, was wüstes Gebrüll zur Folge hat. Mein mehrfach vorgebrachter Vorschlag, das Frühstück auf nach dem Anziehen zu verschieben, um die morgenlichen Abläufe etwas zu entspannen, schlug bisher bei meinen Männern auf wenig Gegenliebe. Pyjamajunkies!

Solange ich kein Kind anziehen muss, das dabei immer wegläuft oder rumhampelt, bin ich am Morgen jedenfalls die Liebenswürdigkeit in Person. Jetzt im Winter läuft es also ganz gut, weil der Rockstar die Kinder aus den Betten schmeißt. Ich sehne mich dahingehend nicht gerade nach dem Frühling, wenn er wieder längere Arbeitszeiten hat und das nicht mehr übernehmen kann. Noch kann ich mit dem Effchen zu Hause bleiben. Wenn ich dann mit drei Kindern allein aus dem Haus muss und davon noch zwei in Jacken und Schuhe zwängen, dann hört der Spaß für mich auf. Ich bewundere jeden Menschen, der dabei ruhig bleiben kann. Aber bis dahin habe ich ja noch ein bißchen Zeit…

 

Undank ist der Welten Lohn

Vor längerer Zeit berichtete eine Mutter in ihrem Blog über einen Tag, den sie für ihr Kind freigeschaufelt hatte, der dann aber gar nicht so wurde wie geplant. Ich weiß nicht mehr, wo ich diesen Beitrag aufgeschnappt hatte. Irgendwo im Gesichtsbuch wurde jedenfalls kräftig kommentiert, und einige Mütter ließen sich darüber aus, wie schrecklich undankbar Kinder oft seien , und wie anstrengend es wäre, dass ihre Kinder doch eigentlich nie und überhaupt so gar nicht kooperieren würden, und dass es da doch normal und verständlich sei, wenn man als Mutter mal so richtig ausrastet. Mir brennt schon seitdem ich meine Antwort dort verfasst habe ein Beitrag über die, in meinen Augen sehr große, Kooperationsbereitschaft unserer Kinder in den Fingern. Aber lies vielleicht zuerst bei Schnuppismama  und meinen Perspektivwechsel dazu. Denn „Knupsi“ würde den Tag vermutlich so resümieren (und wenn du keine Lust auf meine imaginierte Kindersicht hast, dann lies einfach am Ende des eingerückten Absatzes weiter):

„Heute hat Mama mich schon viel früher als sonst aus der Kita abgeholt. Das war was ganz besonderes und ich hab mich total gefreut, weil sie sonst immer erst viiiiel später kommt. Leider konnte ich ihr das gar nicht so zeigen, denn wir sind direkt weiter in den Buchladen. Eigentlich war ich ja ganz schön kaputt von meinem Vormittag, ich hab ja so viel neues erlebt in der Kita, aber im Buchladen war es so aufregend. Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst gucken sollte und bin von einem Regal zum anderen. Ich durfte mir auch was aussuchen. Das war gar nicht so einfach, bei den vielen tollen Büchern. Schließlich habe ich mich für ein Malbuch entschieden. Wie gut, dass Mama mir beim Aussuchen geholfen hat. Ich will ja nicht, dass sie ungeduldig wird. Sie hat ja immer so viel zu tun. Danach sind wir dann ohne Pause direkt weiter in die Bibliothek. So langsam hätte ich zwar eine Pause gebrauchen können, aber Bücher sind ja so was tolles und ich durfte mir auch noch welche ausleihen. Das fand ich ganz prima und ich hab mich total drauf gefreut mir gleich zu Hause alles in Ruhe anzugucken, weil in der Kuschelecke in der Bücherei entspannen, das ging dann leider nicht mehr. Aber das Angucken zu Hause hat dann auch nicht geklappt, weil wir schon so spät dran waren und meine Schwester von der Schule abholen mussten. Ich wollte ihr dann auch am liebsten sofort die tollen Bücher zeigen, die ich für uns ausgesucht hatte, aber das ging ja leider auch nicht, weil ihre Freundin mitgekommen ist und die großen Mädchen finden dann immer, dass ich sie störe. Dabei möchte ich doch eigentlich nur mitspielen, weil es alleine echt manchmal langweilig ist. Durfte ich aber mal wieder nicht. Da war ich ganz schön enttäuscht. Ich habe es mir aber nicht anmerken lassen, weil ich ja auch noch mein Malbuch hatte und Mama mir dann gesagt hat, ich könnte ihr beim Backen helfen. Puh, da hatte ich ganz schön viel zu tun, den ganzen Tag, und war abends ganz schön kaputt. Und irgendwie klappte dann alles gar nicht mehr so, wie ich wollte und meine Bücher konnte ich auch nicht lesen und irgendwie war das alles ganz schön blöd. Und dann hat Mama mich auch noch angeschrien, dass ich undankbar wäre, weil sie heute so viel für mich gemacht hätte. Dabei habe ich mich den ganzen Tag über so angestrengt, alles gut mitzumachen. Ich glaube, manchmal vergessen die Großen, wie klein wir eigentlich noch sind. Und das ist ganz schön schwer, nach so einem anstrengenden Tag fit und gut gelaunt zu bleiben. Und meine schlechte Laune dann nicht zu zeigen, das muss ich erst noch lernen. Das ist aber so schwer, das Mama das auch nicht immer schafft. Ich verstehe nur nicht, warum es ok ist, dass Mama dann genervt ist, aber ich Ärger bekomme. Aber das lerne ich bestimmt auch noch.“

Wie oft beschweren wir uns, dass unsere Kinder nicht richtig mitmachen und stur ihr eigenes Ding durchziehen, ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen (also uns Eltern, ganz speziell) und wir immer erst laut werden müssten, bevor die lieben Kleinen (die wir in solchen Situationen oft gar nicht so lieb haben) parrieren kooperieren. Und wie oft endet so eine Situation in schrecklichem Gezanke, mit frustrierten Eltern auf der einen und weinenden Kindern auf der anderen Seite. Aber muss es denn wirklich immer so weit kommen?

Nicht, dass du jetzt denkst, ich bin hier der Übermensch mit erhobenem Zeigefinger. Nein, gar nicht. Ich bin eine hitzköpfige, ungeduldige, temperamentvolle Mutter und es gibt genug Situationen, die mich dazu bringen, zu explodieren wie ein Schnellkochtopf. *bähmm* Aber ich finde dieses Verhalten bei mir selbst so schrecklich, dass ich versuche, dem aus dem Weg zu gehen, indem ich mir bewusst mache, ob die Ansprüche, die ich an meine Kinder stelle, gerade gerecht und gerechtfertigt sind. Oftmals sind sie das nämlich so gar nicht. Was wir Erwachsenen in unserem Alltagstrott und unserer zementierten Erfahrungswelt jedoch gern übersehen. Termindruck, Eile, wichtige Verabredungen, Ladenöffnungszeiten… für all das haben kleine Kinder noch kein Bewusstsein. Sie leben im Hier und Jetzt und ihre Welt besteht aus dem, was gerade ist, und ein Zeitempfinden entwickelt sich erst im Grundschulalter. Das Spiel ist ihre Arbeit und hat in ihren Augen die gleiche Priorität, wie unsere Anliegen. Kinder agieren nach dem Lustprinzip (was übrigens auch wir Erwachsenen tun, wenn uns die Möglichkeit dazu gegeben ist) und können nicht erkennen, weshalb unser Vorhaben wichtiger ist, als das was sie tun oder tun wollen. Trotz allem wollen unsere Kinder eigentlich kooperieren – wenn wir ihnen denn die Möglichkeit dazu geben.

Ich selbst versuche deshalb stets, meinen Kindern meine Pläne rechtzeitig mitzuteilen. So dass ich etwa am Vorabend schon sage, wenn es morgens eilig werden könnte. Oder ich sage ihnen, dass sie noch einen gewissen Zeitrahmen zum spielen hätten, dass sie mich dann aber unterstützen müssten. Beim Lüff bin ich oft erfolgreich, wenn ich sie auffordere mir durch ihre Kooperation zu helfen (z.B. „Du musst mir helfen und dich schnell anziehen lassen. Danach kannst du noch ein paar Minuten spielen.“). Meistens ist sie dann sehr engagiert bei der Sache. Aber natürlich nicht immer. Natürlich gibt es auch bei uns Tage, an denen so gar nichts zu klappen scheint. Bei fünf dickköpfigen Menschen bleibt das nicht aus. Wenn es dann doch einmal laut wird, dann halte ich  zwei Dinge für unabdingbar:

1. Ich werde niemals beleidigend!
Ich bin authentisch. Ich bin ein lauter Mensch und ich kann mich nicht verbiegen. So wie ich es meinem Kind gestatte Ärger und Wut zu zeigen, so erlebt es das auch von mir. Trotz allem versuche ich achtsam zu sein und mein Kind nicht durch mein Tun zu verängstigen. Ich bin keine Übermutter, die niemals schreit und halte es auch für falsch, dies nicht zu tun, denn in meinen Augen ist es existenziell mit negativen Gefühlen umgehen zu lernen. Aber ich brülle nicht, bis mein Kind – überspitzt gesagt – heulend und zitternd in der Ecke sitzt.

2. Ich bitte mein Kind um Entschuldigung.
Auch wenn ich der Meinung bin, dass es menschlich ist, laut zu werden, so ist es trotzdem eine unangenehme Verhaltensweise. Ich muss als Mutter nicht unfehlbar sein. Trotzdem muss ich eingestehen können, wenn ich Fehler gemacht habe. Wenn ich in der Lage bin aufrichtig um Verzeihung zu bitten, so lernt es (hoffentlich) auch mein Kind.

Und mal ganz ehrlich: Meist sind wir doch eigentlich diejenigen, die unkooperativ sind. Wir stellen unsere Kinder vor vollendete Tatsachen, ohne dass sie die Wahl haben. Wir planen ihren kompletten Tagesablauf durch, ohne sie zu fragen und wundern uns, dass sie irgendwann nicht mehr mitspielen. Respektieren wir doch unsere Kinder als gleichwertige Familienmitglieder, statt über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden. Lassen wir sie dort mitentscheiden, wo die Möglichkeit dazu besteht. Und wenn wir genau hinschauen, und mit ganz viel Fantasie versuchen in die Köpfe unserer Kinder zu schlüpfen, dann merken wir schnell, wie sehr sie sich bemühen uns zufrieden zu stellen. Seitdem wir nicht mehr so starre Rahmen ziehen, ist vieles bei uns entspannter und unsere Kinder erscheinen uns gar nicht mehr so undankbar. Am Ende sind vermutlich wir es, die undankbar sind.

Ich hatte eine Freundin

Ich hatte eine Freundin
wild, unbeugsam und frei
wir tanzten, sangen, lachten
so ging die Zeit vorbei
Das Band der Freundschaft eng geknüpft
so hab ich es geseh’n
Sie sah nur Konkurrenz in mir
und ließ mich einfach stehn.

Ich hatte eine Freundin
niemals war ich allein
mein Herz schlug für sie aufrichtig
bis tief hinab ins Bein
„Du bist zwar meine Freundin ja“
das sagte sie zu mir
„doch bist nicht so wie ich es will,
drum bleib ich nicht bei dir!“

Ich hatte eine Freundin
nein – eigentlich waren’s drei
und jedes, wirklich jedes Mal
da brach mein Herz entzwei.

Diese Wut ist doch echt zum Kotzen!

Gerade eben habe ich in der Gesichtsbuch-Timeline meines Mannes einen Post gelesen… Ich war versucht, in seinem Namen zu antworten. Kannste na klar nicht bringen. Und bei dem sicherlich lustig gemeinten Post jetzt einen bösen Kommentar drunter zu hauen, ist vielleicht auch nicht unbedingt angebracht. Vielleicht war ja auch alles ganz anders als ich es mir vorstelle. Da es aber meist ziemlich gleich abläuft, mache ich mir jetzt öffentlich Luft, in der Hoffnung, vielleicht den Ein oder Anderen zu erreichen.

Aber, worum geht es eigentlich? Darum:

Da ist also ein Kind in höchster emotionaler Not, in der es vermutlich allein gelassen wurde (was nicht sein muss, ich aber unterstelle, weil ein Kind, das emotional aufgefangen wird, keine halbe Stunde so schreit, bis es sich übergeben muss), und nicht nur, dass der Vater sich über das Verhalten seines Kindes mit so einem Post lustig macht, nein. Es folgen *haha*-Smileys als Reaktion und bissige Kommentare. In unserer Gesellschaft eine ziemlich normale Reaktion, oder? Das Kind schreit rum. Als Eltern versteht man den Grund nicht. Eigentlich interessiert er auch nicht so richtig. Kinder regen sich ja schnell mal auf. Und dann dieses Geschrei. Das nervt aber auch echt abartig. Und dann hört das Kind noch nichtmal, wenn man ihm sagt, es soll sich jetzt mal wieder einkriegen. Vermutlich haben wir dieses elterliche Verhalten alle mehr oder weniger in unserer Sozialisation so erlebt und sehen deshalb gar keine Alternative dazu, als dem Kind das Gefühl zu geben, es sei falsch mit seinem Gefühl der Wut.

Mir tut sowas weh. Und es macht mich wütend. Warum? Weil ich so ein Verhalten schrecklich empathielos finde. Weil es auch anders geht und gar nicht erst soweit kommen muss.

Stell dir einmal vor, du ärgerst dich grade furchtbar über irgendetwas. Vielleicht hast du dich mit deinem Partner gestritten. Oder du warst gerade mit etwas Schönem beschäftigt, und ein Freund reißt dir die Sachen, die du gerade hälst, aus der Hand. Vielleicht ein Buch, das du gerade gelesen hast. Oder dir wird gesagt, du müsstest das, was du tust sofort beenden, weil das, was dein Partner machen will, wichtiger wäre und du erkennst aber nicht, wieso es wichtiger sein soll. Egal was. Stell dir einfach dieses Gefühl vor, das dabei in deinem Bauch entsteht. Bestimmt fällt es dir in so einer Situation schwer, ruhig zu bleiben und nicht zu schreien. Dabei die richtigen Worte zu finden. Ich schätze, auch als Erwachsener fällt es dir schwer, deine Emotionen zu kontrollieren. Du wirst wütend. Aber so richtig. Wie lange brauchst du, bis die Wut nachlässt? 5 Minuten? 10? Vielleicht trägst du sogar deine Wut den halben Tag mit dir herum. Und nun stell dir vor, dein Gegenüber macht dazu noch blöde Bemerkungen, nach dem Motto „Nun stell dich mal nicht so an!“ oder „Was du schon wieder hast!“ oder noch besser: „Wenn du jetzt nicht endlich aufhörst, dann gibt es gleich richtig Ärger!“ Kommen dir diese Sprüche bekannt vor? Würden sie dir helfen? Oder würdest du respektiert werden wollen? Schließlich bist du ja ein erwachsener Mensch, der Respekt verdient hat.

Zu einem Erwachsenen würden wir so etwas kaum sagen. Wie leicht fällt es uns aber, unseren Kindern gegenüber solche Äußerungen zu treffen. Meist aus reiner Hilflosigkeit. Und aus Wut – über deren Wut. Aber nun stell dir einmal vor, du hättest noch nicht gelernt, deine Emotionen zu kontrollieren. Weil dieses Gefühl der Wut noch ziemlich neu für dich ist, und dich ganz unmittelbar trifft und du noch gar nicht weißt, wie du damit umgehen sollst. Kannst du dir vorstellen, wie wütend du sein müsstest, um so zu brüllen, dass du dich übergeben musst? Kannst du dir vorstellen, wie du dich da fühlen würdest? Vermutlich im wahrsten Sinne des Wortes „zum Kotzen“.

Was glaubst du, würde dir helfen aus dieser Wut heraus zu kommen? Ein Gegenüber, das dir sagt, oder wohlmöglich brüllt, du sollst endlich still sein? Jemand, der dich in deiner Verzweiflung, deiner seelischen Not, deiner Ohnmacht allein am Boden liegen lässt? Oder vielleicht eher jemand, der sich neben dich setzt, und dir das Gefühl gibt, dass er dich ernst nimmt?!

Du musst nicht wissen, warum dein Kind wütend ist. Oftmals ist es schwer, zu erkennen, was diese kleinen Wesen gerade so sehr bewegt. Aber es hilft, da zu sein. Dem Kind zu signalisieren: Ich bin bei dir. du bist nicht allein. Ich nehme dich ernst. Hilf deinem Kind dabei, das Gefühl zu benennen. „Du bist wütend, ich weiß. Vielleicht hilft es dir, wenn ich dich in den Arm nehme / vielleicht kannst du mir sagen, worüber du dich so ärgerst / vielleicht kann ich dir helfen, damit es dir besser geht?“ Warum fällt es uns eigentlich so schwer, unseren Kindern den Respekt entgegen zu bringen, den wir für uns selbst ganz selbstverständlich fordern? Warum machen wir uns im Gegenteil noch lustig? Seit wann ist aus Wut kotzen eine Phase?

Wir nennen das kindliche Verhalten eine „Phase“ – die Trotzphase. Was für ein schrecklicher, antiquierter Begriff! Allein damit zementieren wir schon unsere negative Haltung gegenüber dem Verhalten unserer Kinder. Ich finde das Wort Autonomiephase viel passender. Kleinkinder entdecken, dass sich ihre eigenen Wünsche von denen anderer unterscheiden. Sie müssen lernen, für ihre eigene Integrität einzustehen. Ihre Wünsche von denen anderer abzugrenzen. Lernen, Prioritäten zu setzen und Kompromisse zu schließen. Autonom zu werden. All das tun unsere Kinder für sich, aber niemals gegen uns. Unterstützen wir sie dabei!

Time to say Good bye!

Seit neuestem gibt es bei uns ein Lieblingswort. Also, nicht bei uns allen. Beim Effchen. Effchens Lieblingswort lautet „Kacka!“. „Kacka!“ begeistert sie enorm. „Kacka!“ dient der Bezeichnung fürs kleine und große Geschäft. „Kacka“ ist ihre Meldung für die volle Windel und für „Ich möchte aufs Töpfchen“. Außerdem ist „Kacka!“ so toll, dass es auch noch für alles andere herhalten muss. Gestern Abend saß sie zum Beispiel in der Schaukel und mühte sich mit dem Wort Schaukel ab. Was dann ungefähr so klang: “ ‚chaukel… kaukel… KACKA!“ Großes Gelächter folgte. Die Begeisterungsfähigkeit kleiner Menschen ist schon erstaunlich. Fast so toll wie „Kacka!“ ist der Gang aufs Töpfchen. Dazu nutzt sie jede Gelegenheit. Sobald jemand auf dem Klo sitzt, zerrt sie an ihrer eigenen Beinbekleidung und gibt energisch zu erkennen, dass man diese doch bitte so schnell wie möglich entfernen möge. Zeitgleich wird das Töpfchen aus der Ecke gezerrt. Wobei es aber nicht bleibt, denn sie zerrt dann lieber auch direkt den Toilettengänger vom entsprechenden Örtchen und schiebt diesem ihren Hocker über die Füße vor die Keramik. Reihenfolge variabel. Frei dem Motto: Platz da, jetzt komm ich! Mit „Kacka, da!“ wird dann noch die Sitzverkleinerung, die an der Wand hängt verlangt, und dann klettert das Effchen auf ihren Thron. Und wieder runter aufs Töpfchen. Und wieder aufs Klo. Sitzt da und freut sich und zerpflückt das Toilettenpapier. Deutet an, sich abzuwischen, schmeißt die Fitzel ins Klo, klettert – ansonsten unverrichteter Dinge – wieder runter und tappst mit hochgeklapptem Body zurück an den Ort, wo sie zuletzt gespielt hat. Manchmal hinterlässt sie dann noch hier und da ein Pfüzchen, wenn Mama nicht schnell genug hinterher kommt. Nun ist es also soweit. Das Kind will trocken werden. Das heißt für uns, mit Handtüchern bewaffnet hinter dem zumindest untenrum nackeligen Kind her zu sein, das Töpfchen anzubieten, jedes Pipi machen wohlwollend zu kommentieren (in etwa „Oh, schau mal, du hast Pipi gemacht. Vielleicht pieselst du ja beim nächsten Mal ins Töpfchen?“) und vor allem: Abschied von unseren geliebten Stoffwindeln.

Knapp daneben ist auch vorbei…

Wobei… leider sind wir seit einigen Wochen sowieso nur noch Teilzeitstoffwickler. Des Nächtens wurde Effchens bis dato eh schon schlechter Schlaf nämlich immer schlechter und schlechter, und irgendwann beschloss ich, einfach mal zu testen, ob es mit Wegwerfwindeln wohl besser gehen würde. Und was soll ich sagen? Ich mag es kaum laut aussprechen, aber tatsächlich hat es uns zumindest ein wenig Besserung gebracht. Offensichtlich ist das Effchen doch ein wenig empfindsamer als ihre Geschwister und wurde vom feuchten Klima in der Stoffwindeln immer wieder geweckt. Auch jetzt wacht sie vom Pinkeln auf, schläft aber mit den Wegwerfwindeln (die sich halt einfach schneller wieder trocken anfühlen, als jedes Trockenfleece in Stoffwindeln es ermöglicht) zum Glück schnell wieder ein. Falls du bisher darüber nachgedacht hast, Stoffwindeln zu verwenden, lass dich bitte, bitte von meinen Schilderungen nicht abschrecken! Unser Effchen ist wirklich extrem, was das angeht und ich kenne eine solche Empfindsamkeit von sonst keinem Kind. Da mein sowieso so geringer Nachtschlaf mir jedoch wichtiger ist, als dogmatisch auf die Nutzung von Stoffies zu bestehen, drücke ich beide Augen zu und hoffe, dass sie bald so gut schläft, dass sie doch wieder mit Stoffies schlafen kann. Denn ehrlich gesagt, sie sind schon ganz schön eklig, die Wegwerfwinkeln. Der Geruch ist einfach tausend mal schlimmer als der jeder schlecht gewaschenen Stoffwindel. Nach wie vor meldet sie sich ja immer noch nur nach dem Pinkeln, wodurch windelfrei leider nie eine Option für uns war. Obwohl ich das gerne probiert hätte. Aber wenn das so weiter geht, dann haben sich die Überlegungen zu diesem Thema wohl bald von selbst erledigt. Für unsere Stoffwindeln wird es auch Zeit. Nach vier Jahren im Dauereinsatz, zeitweise an zwei Kindern, sind die nämlich schon ziemlich abgerockt…

Stillen die Dritte! Still, still, still, weils Kindlein schlafen will

Kennst du dieses Weihnachtslied „Still, still, still, weils Kindlein schlafen will“!? Mehr als diese eine Zeile und eine bruchstückhafte Melodie schwirren mir ehrlich gesagt auch nicht im Kopf herum. Das dafür aber sehr konstant und jetzt schon seit ziemlich genau 18 Monaten. Jetzt ist das Effchen anderthalb Jahre und ein paar Tage auf der Welt und ein wahrer Weltmeister im Stillen. Und ich bin mir absolut sicher, dass der Liedtext keine auditive, sondern eine Laktationsaufforderung ist. Unser jüngster Spross jedenfalls hat in den letzten Monaten jeglichen Versuch ohne Brust im Mund zu schlafen – und ich meine nicht einschlafen, sondern durchschlafen! – komplett verweigert. Und wenn ich dann auf der ein oder anderen einschlägigen AP-Seite irgendwas las, vonwegen …auch deine Bedürfnisse zählen… Mamas Schlaf ist so wichtig… das Kind kann ab dem zehnten Monat lernen, ohne Brust zu schlafen… nachts geht es auch 6 Stunden ungestillt… Ächz! Ich wusste ehrlich gesagt so manches Mal nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Mein Kind hält Mamas Schlaf auf alle Fälle für komplett überbewertet. Egal wieviele Stunden Stillpause – sie mutierten bei uns bis vor ein paar Tagen jedenfalls immer! grundsätzlich! ausnahmslos! innerhalb von Sekunden in eine Schreiphase der gleichen Länge. Ich habe mich bei allen gestarteten Versuchen des nächtlichen Abstillens jedesmal dazu entschieden, dass meine Ohren schmerzempfindlicher sind als meine Nippel und oberflächliches Schlummern um Längen besser ist, als gar keinen Schlaf zu bekommen.  Kind frustriert, Mutter frustriert, danke fürs Gespräch.

Fast könnte man meinen, Effchens Handhaltung wäre eine Prophezeiung hinsichtlich unserer künftigen Stillbeziehung…

Aber seit ein paar Tagen ist – Gott seis getrommelt und gepfiffen – endlich Ruhe eingekehrt. Fast erscheint es mir ein bißchen gruselig, dass ich nicht mehr im anderthalb-Stundentakt brüllend ins Schlafzimmer zitiert werde, wenn ich abends mit dem Gatten noch auf dem Sofa sitze. Oder ich mich ins Bett legen kann, dann dem Kinde zwar früher oder später doch der Duft der mütterlichen Milchbar in die Nase steigt und nach der Brust verlangt wird, aber das Effchen nach einiger Zeit wirklich wieder loslässt und sich zufrieden umdreht und weiter schläft. Die ersten beiden Nächte habe ich mich doch tatsächlich dabei erwischt zu gucken, obs Kind überhaupt noch lebt. Selbst der Rockstar fragte mich gestern beim zu Bett gehen, ob ich sicher sei, dass das Effchen nicht sein Leben quittiert hätte, angesichts der ungewohnten Stille. Aber nein, scheinbar hat unser „Baby“ den nötigen Entwicklungsschritt geschafft, um endlich besser schlafen zu können (überhaupt passiert beim Effchen grad unglaublich viel, und ich glaube, dass es auch nicht mehr all zu lange dauern wird, bis wir uns von den Windeln verabschieden *seufz*). Ich finde, der richtige Zeitpunkt, um einen Blick zurück auf mein Leben als stillenden Mama zu werfen.

Um ehrlich zu sein, gehöre ich nicht gerade zu den Müttern, die beim Thema Stillen in Begeisterungsstürme ausbrechen oder zu emotionalen Hochtouren auflaufen. Man kann meine Einstellung dem Stillen gegenüber wohl getrost als ambivalent und ziemlich pragmatisch bezeichnen. So sehr ich die Augenblicke liebe, in denen wir entspannt auf dem Sofa sitzen und kuscheln und ich dieses kleine Wesen dabei beobachte, wie es wohlig entspannt in die Welt der Träume hinüberdriftet, so sehr habe ich so manche Nacht zum Teufel gewünscht, in der ich keinen oder zumindest kaum Schlaf bekommen habe, weil mir die Schulter und die Hüften so ungeheuer wehtaten, nachdem ich stundenlang regungslos neben meinem stillenden Kind liegen musste. Wenn die Wut dann besonders groß wurde, war mein Mantra mein ständiger Begleiter: Es ist das Beste für dein Kind, die günstigste Nahrungsquelle und die gesündeste dazu, sie braucht die Nähe… bababa… und all die anderen bekannten Vorzüge des Stillens. Aber ja – manchmal, ganz selten zwar, aber doch, war die Wut so groß, dass ich das arme kleine Wesen, dass einfach nur kuscheln und meine Liebe wollte, angeschnauzt habe, dass es doch bitte, bitte endlich schlafen solle. Und ich habe Momente erlebt, in denen ich Verständnis aufbringen konnte für Eltern, die tatsächlich darüber nachdenken, Schlaflernprogramme in Erwägung zu ziehen. Nein! Bullshit! Ich habe kein Verständnis dafür, wie man Schlaflernprogramme in Erwägung ziehen kann. Ich schlafe seit bald sechs Jahren kaum eine Nacht über fünf Stunden. Manchmal sind es nur drei oder vier. Und das meist unterbrochen. Ich kenne die Wut und die Verzweiflung, die Schlafmangel auslöst. Aber Schlaflernprogramme sind verdammt nochmal keine Lösung. Aber bevor ich mich jetzt darüber auslasse… Ich wollte ja übers Stillen schreiben.

Insgesamt habe ich es bisher auf sage und schreibe 50 Stillmonate gebracht. Ein Ende nicht in Sicht. Dafür, dass ich eigentlich mit keinem meiner Kinder eine unbelastete Stillbeziehung hatte, finde ich das recht ansehnlich. Ich klopfe mir grade mal selbst auf die Schulter und finde mich echt tapfer. 😉

Stillen die Zweite! Von Milchvampiren und Brustkrämpfen.

Auch beim zweiten Kind war klar, dass ich wieder stillen würde. Nach den Anfangsschwierigkeiten mit unserem Großen besorgte ich vorsorglich schonmal ein paar Fläschchen. Was sich als ziemlich kompliziert heraus stellte, da es zum damaligen Zeitpunkt in ganz Münster keine Glasfläschchen gab und ich wegen der Schadstoffbelastung nicht auf Plastik zurückgreifen wollte. Schließlich habe ich welche bestellt, was sich aber als absolut unnötige Geldausgabe herausstellen sollte.

Auch beim zweiten Anlauf hatten wir die gleichen Schwierigkeiten, wie beim ersten Mal. Wieder dauerte es geschlagene fünf Tage, bis meine Milch einschoss. In den ersten zwei – drei Tagen hatte ich noch Hoffnung, dass es schneller gehen würde und sperrte mich gegen ein Zufüttern, aber schließlich musste ich mich geschlagen geben und meiner hungrigen Maus am dritten Tag einen kräftigen Schluck aus der Flasche gewähren. Die war unterdessen nicht zimperlich. Das kleine Wesen saugte mit einer derartigen Hartnäckigkeit und Kraft an meiner Brust, dass die Spitzen meiner Brustwarzen von dunkelvioletten, fast schwarzen Blutergüssen gekrönt waren. Auch das ein Grund, weshalb ich ihr hungriges Wüten lieber mit einer Flasche besänftigte und meiner geschundenen Brust eine Auszeit gönnte. Doch nach den paar Tagen schoss endlich die Milch ein und alles lief super. Zumindest aus Lüffs Sicht. Für mich ergaben sich da ein paar klitzekleine Unannehmlichkeiten, die mich über die Inanspruchnahme einer Stillberatung nachdenken ließen. Denn das Lüff hatte die Kraft, mit der sie stillte, für lange Zeit nicht abgelegt. Das hatte zur Folge, dass zwar meine Brustwarzen nicht mehr violett wurden, weil die Milch ja floss, ich aber immer wieder von Vasospasmen und Schmerzen beim Milchspendereflex gequält wurde. Außerdem hat das Lüff ein sehr kurzes Lippenbändchen, was dazu führt, dass beim Anlegen die Oberlippe zwischen Kauleiste und Brustwarze rutscht. Zum Glück blieb ich von wunden Brustwarzen verschont, aber es erforderte ständiges Lösen und neu Anlegen, bis halbwegs angenehmes Stillen möglich war. Das mag erklären, warum mich das Stillen nie mit dieser Glückseligkeit erfüllt hat, von der so viele Mütter berichten. Ich empfand es manchmal mehr als notwendiges Übel. Aber auch ein geringeres, als ständig Fläschchen machen zu müssen. Was sowieso nicht ging. Denn die Fläschchen mit der mühsam durch Ausstreichen oder Abpumpen errungenen Milch hat das Lüff kategorisch verweigert. Ebenso wie den Gebrauch eines Schnullers. So dass wir halt viel und ausgiebig gestillt haben. Und das ganze acht Monate im Vollstillmodus. Denn genauso wenig wie sich unsere Tochter für Flaschen oder Schnuller interessierte, interessierte sie sich für jegliche Art von Nahrungsquelle, die nicht mit meiner Brust zu tun hatte. Sehr fixiert, dieses Kind.

26 Monate lang der schönste Platz der Welt fürs Lüff.

Mit acht Monaten fing sie dann an, Nahrung für sich zu entdecken. An Füttern war allerdings nicht zu denken. In den Mund stecken lies sie sich nichts. Auch alles Breiartige war lange Zeit verpönt. Nur wenn sie selbst matschen konnte, war sie ein zufriedener Esser. Auf diese Art kamen wir zum baby led weaning, ohne die Bezeichnung damals überhaupt zu kennen. Das Stillen blieb lange Zeit aber ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags und  unserer Nächte. Mindestens zwei Mal in der Nacht wurde getrunken und vor allem ausgiebig genuckelt. Versuchte ich sie von der Brust zu lösen, bevor sie wieder in den Tiefschlaf gefallen war, erntete ich empörtes Geschrei, und das Ganze dauerte noch länger. Eine ziemlich nervige und Kräfte zehrende Angelegenheit (dass es noch schlimmer kommen könnte, lag damals außerhalb meines Vorstellungsbereichs). Ich startete einige halbherzige, nächtliche Abstillversuche, die mit einem derartigen Gebrüll quittiert wurden, dass ich beschloss, dass Stillen das kleinere Übel sei und gerade auch im Familienbett sowieso bequemer, als zweimal in der Nacht eine Flasche bereiten zu müssen, wie bei unserem Großen. Und so machten wir weiter, über den Beginn meiner dritten Schwangerschaft hinaus. Erst im sechsten Schwangerschaftsmonat, als meine Brustwarzen immer empfindlicher wurden und das Stillen nur noch weh tat und ich dem Ganzen so gar nichts Schönes mehr abgewinnen konnte, stillten wir dann ab. Geklappt hat das aber nur, weil wir beide von einem derart heftigen Magen-Darm-Virus getroffen wurden, dass sowohl ich als auch das Lüff zu schwach zum Stillen waren und sich das Ganze in der Woche danach dann irgendwie von selbst erledigt hatte.

Ein paar Wochen später flüsterte das Lüff mir beim ins Bett bringen ins Ohr:
„Mama, ich würde so gerne nochmal Busi probieren! Darf ich?“ Natürlich ließ ich sie. Aber offensichtlich hatte die kurze Zeit gereicht, um die Technik zu verlernen. Mit enttäuschtem Blick sagte sie zu mir:
„Geht nicht mehr. Ist kaputt.“

Stillen die Erste! Von Pilos und Milchkotze.

Stillen ist ja immer wieder Thema.  Stillste nicht, isses verkehrt. Stillste zu lange, isses auch verkehrt. Eigentlich kann man es als Mutter ja nur verkehrt machen. 😉 Ich bin zum Glück weitestgehend von irgendwelchen Kommentaren verschont geblieben und konnte es immer so machen, wie es für mich und meine Kinder passte. Und das ist doch auch, worauf es ankommt. Mach es so, wie es für euch passt!

Schon in der Schwangerschaft mit dem Krieger war ich sicher, dass ich stillen wollte. Bis zum ersten Geburtstag. Und dann sollte es genug sein. Die Jüngste Tochter meiner Tante ist so alt wie unser Großer und sie und ihre vier älteren Geschwister wurden alle das erste Lebensjahr gestillt. Das war bei meinem ersten Kind irgendwie Vorbild für mich. Bald neun Jahre ist das jetzt her.

Der Krieger an der mütterlichen Brust. Im Rückblick die entspannteste Stillbeziehung von allen.

Damals war es in der Klinik, in der ich alle meine drei Kinder entbunden habe, noch üblich, dass die Kinder direkt zugefüttert wurden, wenn die Schwestern den Eindruck hatten, sie würden nicht genug aus der Brust bekommen. Tatsächlich hat es bei meinen ersten beiden Kindern jedesmal geschlagene 5 Tage gedauert, bis die Milch eingeschossen war. Dann klappte es aber eigentlich ganz gut mit dem Stillen. Trotzdem hatte ich mir aus unerfindlichen Gründen von meiner Hebamme einreden lassen, dass ich nicht genug Milch hätte und habe in den ersten Wochen zugefüttert. Trotz Flasche und Schnuller wurden wir von der berüchtigten Saugverwirrung verschont, und als ich dann nach kurzer Zeit anfing, meine Milch ins Waschbecken auszustreichen, um einen Milchstau zu verhindern, habe ich das Milchpulver dann doch recht schnell in die hinterste Schrankecke verbannt. Da ich nie abpumpen konnte und meine Milchbar auch beim Ausstreichen keine nennenswerte Menge produziert hat, war ich aber ganz froh darum, dass mein Mann auch mal eine Flasche Pulvermilch geben konnte, wenn ich unterwegs war. Es lief super. Wir stillten nach Bedarf, der Krieger trank schnell und effizient. Nach 10 Minuten maximal waren wir fertig und nach nochmal zehn Minuten konnte ich mich und das Kind umziehen, weil die Hälfte der Milch auf ihm und meiner Schulter landete. Und im Haar. Und auf dem Boden. In hohem Bogen und in meinen Augen ungeheuren Mengen. Er war ein klassisches Speikind, und ich konnte mir nicht vorstellen, dass überhaupt noch etwas in dem kleinen Bauch geblieben war. Der Kleine nahm trotzdem gut zu; alles war toll und entspannt und hätte ewig so weiter gehen können. Wenn, ja wenn nicht die dummen Zähne uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten. Pünktlich mit sechs Monaten begann das Zahnen und damit endete das Stillen durch ziemlich schmerzhafte Art und Weise. Bei jedem Stillen biss der Krieger fest zu, zog den Nippel länger und länger und drehte den Kopf dabei herum. Der klassische Pilo – auch bekannt als Dreh-Zieh-Flopp. Ich versuchte es nett. Ich versuchte es bestimmt. Ich versuchte es leise. Meistens versuchte ich es laut. Ich versuchte es vierzehn Tage. Dann gab ich mich geschlagen und dem Sohn die Flasche. Zum Glück war das abrupte Abstillen bei ihm durch das anfängliche Zufüttern problemlos möglich und er hat sich eigentlich widerstandslos in sein Schicksal ergeben.

Im Nachhinein hätte ich ihn gerne länger gestillt. Damals war es unvorstellbar für mich. Trotzdem war es eine tolle Zeit und wenn ich den großen, wilden Kerl vor mir sehe, denke ich so manches Mal an das kleine, duftende Würmchen zurück, das sich schmatzend an mich schmiegte.

Ganz schön unverfroren!

Leute, ich bin geschafft. 14 Tage Geburtstagsvorbereitung liegen hinter mir. Und eine fette Sause für meine jetzt 4-jährige. Aber als das Lüff mir vorhin im Bett ins Ohr flüsterte, dass sie ihre Party sooo toll fand, wusste ich, dass sich der ganze Wahnsinn gelohnt hat. Und um ehrlich zu sein, hat es mir sogar ziemlichen Spaß gemacht, mal so richtig fett aufzufahren und alles durchzuplanen. Und am Ende war die Party an sich wesentlich stressfreier, als bei den Spontanaktionen, die wir auf den vergangenen Kindergeburtstagen gebracht haben.

Weihnachten war grade vorbei, und damit alle winterliche Deko aus den Geschäften verschwunden, da fiel meiner großen Maus ein, dass sie zu ihrem Geburtstag eine Eisköniginnen-Party veranstalten wollte. Mit Eisschloss. Und Elsa-Kleid. *Chrrrr* Ach ja? Wenns weiter nichts ist?! Disney for Wetlherrschaft!! Ich fing direkt an, nach einem passenden Kleid zu suchen. Aber die Kostüme, die es zu kaufen gibt, fand ich irgendwie nicht so… naja. Fürs gleiche Geld kann ich das selbst machen, dachte ich mir und habe ein paar Shops aufgetan, wo ich passende Stoffe für eine Eisprinzessinnenrobe erwerben konnte. Nebenbei habe ich bei Pinterest so ziemlich jede Idee abgegriffen, die ich zum Thema Frozen-Party finden konnte. Mein Gott, bin ich glücklich, dass jemand dieses Format erfunden hat! Vor allem tolle Motivtorten gab es dort, die mich sehr inspiriert haben, auch etwas herum zu experimentieren. Ich weiß jetzt zum Beispiel, wie man Kandisstangen herstellt (mindestens eine Woche vorher beginnen – die Dinger müssen wachsen), wie wichtig es ist, bei der Zuckerglasherstellung die richtige Temperatur zu erreichen (zu heiß wirds braun, zu kalt nicht hart und ohne die richtigen Zutaten leider wieder trüb – aber trotzdem hübsch anzusehen, oder?!), und dass man sich viel Arbeit sparen kann, wenn man Marshmallowfondant mit weniger als der angegebenen Puderzuckermenge zubereitet. Vielleicht schreibe ich in einer müßigen Stunde nochmal über das Tohuwabohu bei der Tortenbackaktion.

Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen, und ich bin ehrlich gesagt mehr als ein kleines bißchen stolz auf meine erste Motivtorte.

Nachdem ich bei Pinterest auch einen einigermaßen brauchbaren Schnitt für ein Elsa-Kleid finden konnte und vor zwei Wochen die Stoffe bei mir eintrudelten, habe ich so ziemlich jede freie Minute an der Nähmaschine verbracht. Und das waren nicht besonders viele… Nebenbei ein fettes Dankeschön an unseren unglaublich netten Paketboten, der mir das Päckchen noch nach Feierabend vorbei brachte, weil es wegen einer Tourenänderung erst am folgenden Tag ausgeliefert werden sollte! Und dann bin ich noch durch gefühlt jeden Laden Münsters gedüst, um die letzte, passende Weihnachtsdeko zu ergattern. Das wäre zwar ein bißchen einfacher gewesen, wenn das Lüff vielleicht ein paar Tage früher ihre Idee geäußert hätte, aber nach diversen Radtouren konnte ich dann doch noch das ein oder andere passende Teilchen mein Eigen nennen – Action,Tedi und meiner Mutter, die mich sowohl beim Shopping als auch mit allen anderen kurzfristigen Vorbereitungen unterstützt hat, sei Dank. Ohne die tolle Hilfe meiner Mutter wäre ich in den letzten zwei Tagen vermutlich ziemlich in Stress geraten.

Neben Schwiegermutters Häkeluntersetzern in Schneeflockenoptik habe ich auch noch altes Barkeeperwissen ausgegraben. Zitronensaft und Zucker sorgen für eisige Optik am Glasrand.

Wie der Geburtstag ablaufen sollte, hatte ich dieses Mal ziemlich engmaschig durchgeplant. Nachdem wir in den letzten Jahren bei des Kriegers Geburtstagspartys ziemlich negative Erfahrungen damit machen mussten, was passiert, wenn man einem Haufen wilder Kerle nicht genug zu tun gibt, und dabei nicht nur das grade erst zum Geburtstag erhaltene Spielzeug, sondern sogar so manches Möbelstück zu Bruch gegangen war, wollte ich diesmal kein Risiko eingehen. Das Eisköniginnen-Motto bot uns eine schöne Möglichkeit für ein paar nette Spiele und Basteleien, die alle im Rahmen einer Olaf-Ralley stattfanden.

Bei jeder Aktivität haben die Kinder einen Teil von Olaf gefunden. Der Rockstar hilft der Geburtstagslüff am Schluss beim Zusammenbasteln.

Besonders gut hat mir persönlich die Idee gefallen, die Kinder zur Geschenkeübergabe eine Runde Flaschendrehen spielen zu lassen. Unsere Gastgeberin durfte die Flasche drehen und das Kind, auf das die Flasche zeigte, durfte sein Geschenk übergeben. So wurde das Überreichen der Geschenke für alle Kinder ein spannendes Erlebnis an Stelle von unübersichtlichem Chaos. Das war unser erstes Spiel, nachdem ich eine kurze  Geschichte vorgelesen hatte, in der ich den Kindern erzählte, warum Olaf auseinander geflogen war, und dass sie unserer Eiskönigin helfen sollten, alle Teile wieder zu finden. Danach bastelten wir Zauberstäbe, mit deren Hilfe unsere kleinen Gäste Olafs Teile zu einem Ganzen zusammenzaubern sollten. Bei der Planung hatte ich natürlich nicht bedacht, dass flüssiger Bastelleim und 4-jährige eine unkalkulierbare Mischung darstellen. Am Ende waren die Zauberstäbe nicht rechtzeitig trocken und meine Mutter stand wacker mit dem Fön bewaffnet im Bad, um den Kleber wenigstens zum Heimweg einigermaßen trocken zu bekommen.

Aus Mandala-Malbüchern hatten wir paarweise „Schneeflocken“ ausgeschnitten, die die Kinder mit Perlen und Flitter bekleben konnten und von uns Eltern schließlich mit einigen Satinbändern als Zauberstäbe an Stöcke geklebt wurden.

Neben den geplanten Spielen, dass die Kinder auf Eisschollen (Handtüchern) einen Fluss überqueren, durch einen Eis-(Kriech-)tunnel kriechen und beim Stopptanz einfrieren und so die nächsten Olafteile ergattern konnten, ließen wir ihnen immer auch Zeit zum freien Spiel und die Möglichkeit, sich aus den Spielen auszuklinken. Ich erinnere mich mit Grausen an den ersten Kindergeburtstag, zu dem unser ältester eingeladen war, der derart strikt durchgetakten war, dass mein armer, damals dreijähriger, auf dem Heimweg im Auto heulend zu mir sagte, wie doof er alles fand, weil es viel zu viel für ihn war und er niiiie wieder zu einem Geburtstag gehen wollte. Was sich zum Glück natürlich schnell erledigt hatte, aber dennoch war das ein Beispiel dafür, dass man als Eltern bei einem Kindergeburtstag auch nicht zu viele Ambitionen und Perfektionismus an den Tag legen sollte.

Das Lüff strahlt beim Anblick des sehnlich gewünschten Eisschlossen in Form einer Torte. Die angebotenen Süßigkeiten passten farblich oder von der Form zum Thema.

Ich glaube, dass uns heute die richtige Mischung gelungen ist. Die Gäste waren toll, die Stimmung war toll. Unser Mobiliar ist heil geblieben…

Für unsere Maus war der Tag perfekt und obwohl ich wirklich viel zu tun hatte, war ich dieses Mal wesentlich entspannter als sonst. Ich denke, dass ich keine Party mehr veranstalten werde, ohne sie gut durchzuplanen. Der Krieger wünscht sich übrigens „Harry Potter“…