Eine riesen Matschastrophe!

Meine großen Kinder sind ja manchmal eher so Stubenhocker. Was ich grundsätzlich auch gut verstehen kann, aber so hin und wieder können sie ja ruhig doch mal vor die Tür, findet ihre Mama. Die kleine Schwester übrigens auch. Wie dem auch sei, nachdem es heute vormittag so schön geschneit hat, dachte ich mir, ich jage die Drei mal vor die Tür. Passenderweise wollten die liebsten Nachbarskumpel auch grad raus. Während ich die Mädels noch in  der Witterung angemessene Klamotten pfropfte, düste der Große schon los, um seinen Kumpel abzuholen.

Als ich mit den Mädels dann raus kam, war von den Jungs weit und breit nüscht zu sehen. Wir juckelten zum Siedlungsspielplatz, aber bis auf ein paar fremde Gesichter war dort niemand anzutreffen. Das Lüff naschte noch schnell ein bißchen Schnee von der Rutsche und düste dann auf ihrem Roller Richtung Reihenhäuser, um zu gucken wo ihr Best Buddy wohl stecken könnte. Ich schleppte das Effchen hinterher und hielt der großen Schwester einen Vortrag, warum Schnee von der Rutsche vielleicht nicht sooo lecker ist. Das Ganze scheinbar nur, damit sie sich vor Nachbars Haustür gleich die nächste Ladung Schnee aus von der Mutter mit großer Skepsis betrachteter Quelle in den Mund schaufeln konnte. Igitt! Aber, was einen nicht umbringt härtet nur ab, richtig?! Anyway, der Kumpel war schon mit den großen Jungs losgezogen und wir traten den Rückweg an, begleitet von Lüffs lautstarken Rufen nach ihm, die bis zum gewahr Werden der gesuchten Person konstant durch die Siedlung schallten. Spielplatz?! Fehlanzeige. Wiese?! Fehlanzeige. Ganz am Ende des matschigsten Weges der Siedlung?! Treffer!

Seit vorletztem Jahr gibt es in unserer Siedlung eine riesige Baustelle, die bei uns Bewohnern schon für einigen Unmut gesorgt hat, vor allem, weil die ursprünglich geplante Baustellenzufahrt nicht vollendet wurde. Bei der Planung der Baustraße wurden leider die zwischenzeitlich in der Nachbarschaft entstandenen Tiefgaragen übersehen und erst nach Aufschütten des halben Weges in Form eines riesigen Erdwalls, fiel den Verantwortlichen auf, dass der Weg leider doch mitten durch die Siedlung statt an ihr vorbei führen musste. Blöd für uns, aber für die Kinder ist dieser Erdhaufen natürlich ein mega Spielparadies. Und eben dort, am Ende des Weges, direkt vorm Bauzaun, hampelten die Jungs mit ihrem kleinen Bagger neben der Schaufel des großen Baggers rum.

Schwer begeistert, dass sie die vier aufgespürt hatte, machte Lüff sich, ihren Roller schiebend, auf den Weg zu ihnen. Ich wandte mich unterdessen dem Effchen zu, das noch hinter uns die Wiese erkundete und machte mir wenig Gedanken ob der Pfützen, die das Erdreich üppig zierten. Ich rief Lüff noch zu, sie könne ihren Roller auf halbem Wege stehen lassen und drehte mich zum Effchen zurück, bis ich das Lüff auf einmal laut lachen hörte. „Das Lüff ist in den Matsch gefallen!“, fielen die Jungs in ihr Lachen mit ein. „Haha! Mama, ich bin hingefallen!“, lachte auch sie. Noch. Versuchte aufzustehen. Batsch! Lag wieder im Schlamm. Strampelte sich hoch, rutschte wieder weg, ihr ehemals lila Schneeanzug von oben bis unten schlammig braun und klitschnass. Die Jungs standen daneben und lachten. Ich konnte das in dem Augenblick leider gar nicht ganz so komisch finden. Aber wenigstens das Lüff lachte noch. Ganz im Gegensatz zum Effchen, das unterdessen von mir unbemerkt auch den Weg des Matsches erobert hatte und prompt mit den Händen voran mitten in der größten Pfütze auf die Nase fiel. Bei mir an dieser Stelle ein noch recht trockenes Kind, das lautstark brüllte, am Ende des Weges ein klitschnassen Kind, das noch lachte. Und eine Mutter, die prompt in Stress geriet. Ich klemmte mir das Effchen unter den Arm (an normales Tragen war angesichts der Schlammmassen nicht zu denken) und stakste wie ein Storch durch den Matsch, um auch mein anderes Mädchen zu retten. Kurz vor dem Ziel schnell die Kleine auf die angrenzende Wiese abgestellt, zog ich das Lüff aus dem Schlamm und erklärte ihr, dass wir nun leider rein gehen müssten, weil ihr ziemlich schnell ziemlich kalt werden würde. Sie sah es noch nicht ganz ein und trat den Rückweg natürlich nicht über die Wiese an, weil sie wiederum ja noch ihren Roller retten musste. Patsch! lag sie wieder, weil sie mit den Stiefeln bis zu den Waden im Matsch versank. Ich hatte unterdessen das zappelnde und kreischende Effchen wieder unter den Arm geklemmt und befreite das Lüff erneut, nicht ohne meinen Sohn noch aufzufordern, er solle schnell nach Hause und den Vater schonmal an die Tür klingeln. Auf trockenen Pfaden angekommen, fing das Lüff dann auch schon an zu jammern: „Oh Mama, ich halte das nicht lange aus!“ Ich stellte sie auf ihren Roller und schickte sie los, schnell nach Hause zu fahren. Unterdessen war ihr Freund uns gefolgt und stand ebenfalls weinend neben mir. Ein Ast hatte das Vorderrad seines Rollers blockiert. Hektisch befreite ich das Ding, rief ihm zu, dass ich die Mädchen erstmal umziehen müsse und es bestimmt dauern würde, bis wir wieder auftauchen würden.

Zu Hause angekommen, sind die beiden dann aber erstmal untergetaucht. In der warmen Badewanne. Nachdem wir sie mit spitzen Fingern aus den verschlammten Sachen geschält hatten, was angesichts zappelnder, weil nasser und daher unleidlicher Kinder kein einfaches Unterfangen war. Und während die beiden Mädchen sich vom Rockstar bewacht in der Wanne vergnügten, verschwand ich mit Schneeanzug, Matschhose und Stiefeln in der Dusche und habe dort den halben Erdhügel durch unseren Abfluss gespült. Mindestens. Ich glaube, Stubenhocker sind mir manchmal doch lieber…

 

3 Antworten auf „Eine riesen Matschastrophe!“

  1. Zum Trost: der restliche Matsch der Siedlung landete in unserem Abfluss. Sohn 2 kam auf die glorreiche Idee, „Schneeengel“ zu machen. Und Sohn 1 sah am Ende genauso aus… aber scheinbar hat’s Spaß gemacht. Ein Hoch auf das Waschprogramm Intensiv Plus 😂

  2. 😂 Matschengel sind eh die schönsten! Als erfahrene Stoffwindelwäscherin ist man ja gottseidank Experte im Kampf gegen hartnäckigen Schmutz. 😜

  3. Das ist wohl wahr! Ohne die Stoffwindelreinigungsroutine hätte ich den Matsch sicher nicht so erfolgreich bezwungen.

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