Mein Mann, der LKW!

Jetzt hatte es uns mal wieder erwischt. Der total überflüssige Eltern-Ausnahmezustands-über-unwichtigen-Mist-mega-Streit. Irgendwie war in den letzten Wochen schon so ziemlich die Luft raus, die Energie und Leistungsfähigkeit beim Rockstar und mir wurde immer schwächer und schwächer und ungünstigerweise – ich weiß, du kennst das – ist in solchen Momenten dieses ganze Giraffensprech dann halt doch bloß graue Theorie und man mutiert ziemlich fix zum fiesen Wolf, weil irgend ein unbedeutender Mist einen grad aber mal so richtig anpisst nervt.

Bei uns war das gestern der von mir nicht eingeweichte Haferflockenkochtopf, und das totale Unverständnis meines Mannes, warum ich eine Handlung, die doch nur 10 Sekunden in Anspruch nähme, denn nicht eben ausgeführt habe. „Aus Gründen!“, sagte ich dem Rockstar, fand aber bei ihm kein Gehör. Als sich dann der Krieger unvorsichtigerweise in den Streit einmischte (dieses Kind hat Mamas Gerechtigkeitsempfinden geerbt) und dann vom beleidigten Papa auch noch eins über den Deckel bekam (verbal natürlich!), wars bei mir ganz aus. Blöderweise hatte der Rockstar aber gar keine Lust auf Streiten und ist ganz einfach mit dem Lüff ins Bett gegangen. Das hat mich dann echt fertig gemacht, weil es bis dahin bei uns in 13 Jahren Liebesglück und Beziehungsfrust eigentlich ungeschriebenes Gesetz war, niemals vor Klärung eines Disputs ins Bett zu gehen.

Am Morgen herrschte dann dementsprechend angesengte Stimmung und ich machte mir, während der Mann die Großen zu Kita und Schule brachte, so meine Gedanken, warum eigentlich mit dem Verschwinden der ersten Verliebtheit dieser so vollkommen perfekte Mensch, der einem da Gegenüber steht, zu so einem Imperfekt wird. Also ein vergangener Perfekter. Wieso nimmt eigentlich, mit zunehmender Liebe und äquivalent abnehmender Verliebtheit (dieses närrische Gaga-Herzbibber-Verhalten meine ich) auch das Ärgern über irgendwelchen Unsinn, den der andere so verzapft, zu? Ich hab dem Rockstar jedenfalls gesagt, dass ich das total doof finde und beschlossen habe, mich nur noch daran zu erfreuen, wie viel er im Haushalt erledigt, ohne dass ich ihn bitten muss (und er macht wirklich ungeheuer viel), statt mich über das zu ärgern, was er nicht oder in meinen Augen verkehrt macht. Um einfach mal ein bißchen mehr Wertschätzung in unseren Alltag zu bringen. Ich habe nämlich einen ziemlich großartigen Mann. Nicht nur Rockstar. Putzt auch noch gern. [An dieser Stelle pulsierendes Herz Emoticon einfügen.] Und all dieses Fehlergesuche offenbart am Ende nur meine eigene negative Einstellung und nicht seine. Die wird mit dem restlichen Chaos in Zukunft auch gleich mit an den Nagel gehängt. Das ist übrigens unser eigentliches Problem: wir sind beide völlig chaotisch, was unsere Arbeitsteilung angeht. Seit Jahren zanken wir uns darum, wer was wann zu machen hat, statt einfach mal einen Plan zu machen. Was wir jetzt getan haben. Und tatsächlich hat sich rausgestellt, dass das bei uns so ist, wie mit dem Brötchen. Und in Zukunft muss ich meine Wäschestapel nicht mehr mit Klauen und Zähnen verteidigen. Aber auch nie wieder das Klo putzen. Ich bin so begeistert.

Aber bevor wir auf diese glorreiche Idee kamen, mussten erst noch ein paar Metaphern herhalten, um uns auf den richtigen Weg zu bringen. Sagt doch der Rockstar zu mir: „Ich bin wie ein Motor der morgens meistens schnurrt wie ein Kätzchen… im Laufe des Tages senkt sich der Ölspiegel… und abends, wenn der Pegel sehr niedrig ist und man doch mal überholen muß, dann läuft er nicht mehr rund und fängt an zu stottern… Dadurch kommt man sich dann mit dem Gegenverkehr ins Gehege.“ „Nee, nee“, sag ich, „Du bist der große LKW mit Ladekran, der sich alles auflädt, auch dem anderen LKW von der Ladefläche runter, soviel, dass es dir an den Seiten runterpoltert, und allen die Straße versperrt. Wir machen jetzt einen Plan!“ „Oder“, meint er, „oder ich werde zu einem 30m Tieflader mit 500ps!?“ Erschrocken schaue ich ihn an. „Aber dann kommt ja keiner mehr an dir vorbei!“ „Auch wohl wahr…. dann bleiben wir eben die beiden klapprigen Pritschwagen und verteilen die Last… aber“, sagt er und grinst mich frech an, „zumindest habe ich einen Ladekran und du nicht!“

Was meinst du?