Vater, Mutter, Kind

Münstermama schrieb kürzlich vom Traum oder Alptraum der „klassischen“ Rollenverteilung in der Familie und da juckte es mir direkt in den Fingern zu antworten, denn zur Zeit ist es das Modell, das wir mehr oder weniger in unserer Familie leben.

Die klassische Rollenverteilung – gar nicht so unemanzipiert

Warum weniger? Weil ich das Glück habe, dass der Rockstar ein sehr emanzipierter Mann ist und die klassische Rollenverteilung in der Realität hier gar nicht so anti-feministisch ist, wie die Theorie vermuten lässt, denn unser Alltag sieht doch schon etwas anders aus, als die arbeitenden Mamas sich das vorstellen und uns „Hausmütterchen“ gerne unterstellen. Wie oft liest man in Zeitschriften, Blogs oder Diskussionen in sozialen Medien den unterschwelligen Vorwurf, wer als Mutter zu Hause bei den Kindern bleibt, wäre unemanzipiert, nur zu faul, arbeiten zu gehen, würde sich vom Mann abhängig machen oder sich aushalten lassen oder gar der Gesellschaft auf der Tasche liegen.

Ganz ehrlich: Ich bin es so leid! Es ist nicht etwa so, dass ich das Gefühl hätte, mich für unser Lebensmodell rechtfertigen zu müssen (in meinem Freundeskreis erfahre ich hierzu keine Kritik und die Meinung fremder Menschen kratzt mich persönlich herzlich wenig), aber es gibt so viele Faktoren, die dazu führen, dass Familien sich für dieses Modell entscheiden und ich finde es gegenüber den unzähligen Frauen, die sich tagtäglich zu Hause ihren Allerwertesten aufreißen, unsagbar unfair, dass es Frauen (sic!) gibt, die sich auf ein hohes Ross schwingen, weil sie Erwerbsarbeit nachgehen und glauben, sie würden deshalb ein feministischeres, wertvolleres Leben führen, als diejenigen, die das nicht tun. Meiner Ansicht nach kann ein Lebensmodell, für das ich mich frei entscheide, gar nicht unemanzipiert sein. Oder anders formuliert, ich bin nicht automatisch unemanzipiert (wer mich kennt, weiß, dass das extreme Gegenteil der Fall ist), weil ich mich dafür entschieden habe, während meine Kinder klein sind, keiner Erwerbsarbeit nachzugehen. Unemanzipiert sind da, wenn man es genau nimmt, unsere Gesellschaft und die Arbeitgeber, die es verhindern, oder doch zumindest erschweren, dass Männer sich für ein Leben als Hausmann entscheiden – sei es, weil diese Rolle gesellschaftlich doch noch sehr verpöhnt ist; sei es, weil die Gender-Pay-Gap dazu führt, dass es für das finanzielle Auskommen der Familie von Nachteil ist, wenn sie statt auf das Vollzeiteinkommen der Frau auf das des Mannes verzichtet.

Im Gegensatz zu meinem Mann bin ich selbst wenig klassisch aufgewachsen. Als Baby und Kleinkind hatte mein Vater die Rolle des Hausmannes übernommen. Während er sich darin versuchte, seinen Traum vom Leben als freischaffender Künstler zu verwirklichen, ging meine Mutter arbeiten und war, unter der Woche oft auf Montage, meist nur am Wochenende anwesend. Mit Beginn der Schulzeit trat auch mein Vater wieder in die Erwerbsarbeit ein. Erst halbtags, recht schnell dann aber auch Vollzeit und ich wurde schon früh zum Schlüsselkind. Obwohl meine Großeltern in der Nähe wohnten, war ich als Einzelkind nach der Schule oft allein und habe mich nach einer „richtigen“ Familie gesehnt. Deshalb war es mir schon in meiner Kindheit klar, dass ich als Hausfrau bei meinen Kindern bleiben wollte, sollte ich denn einmal Mutter werden.

„Sei die Person, die du gebraucht hättest, als du noch jünger warst.“

Wir leben in unserer Familie bedürfnisorientiert. Das bedeutet, dass auf die Bedürfnisse aller Familienmitglieder Rücksicht genommen wird. Allein diese Tatsache verhindert unserer Ansicht nach, dass wir beide vollzeit bzw. im Augenblick ich auch nur teilzeit Erwerbstätig sind. Denn eine Abwesenheit beider Elternteile widerspräche zum jetzigen Zeitpunkt und Entwicklungsstand unserer jüngsten Kinder ihrem Bedürfniss nach Nähe zu wenigstens einer ihrer engsten Bezugspersonen. In dieses Lebensmodell sind wir mit jedem Kind nach und nach hineingewachsen. Der Krieger ging schon mit anderthalb Jahren zur Tagesmutter und kam mit drei in die KiTa. Auch weil ich damals das Gefühl hatte, ich müsse mich selbst verwirklichen (inwiefern das möglich ist, wenn man für jemand anderen die Arbeit tut, sei mal dahin gestellt) und dürfe mich von meinem Mann nicht abhängig machen. Als das Lüff ein paar Jahre später zu uns kam, war mir klar, dass ich das so nicht nochmal wollte, denn dem Krieger war schon anzumerken, dass er das ein oder andere Mal massiv darunter litt, nicht bei mir sein zu dürfen. Eigentlich wollten wir unser großes Mädchen erst mit drei in die KiTa schicken, aber das Lüff ist ein ganz anderes Kaliber als ihr großer Bruder und so geht sie nun auch schon seit fast einem Jahr meist mit Begeisterung in ihre KiTa. Aber es gibt sie halt die Tage, an denen sie zu Hause bleiben möchte, an denen sie meine Nähe braucht und da ist es gut und wichtig, dass sie nicht das Gefühl hat, abgeschoben zu werden und bleiben darf, bei ihrer Mama und dem Effchen.

Klassisches Familienmodell aus sozialem Zwang

Wie oben schon erwähnt, war auch die finanzielle Frage ausschlaggebend für unsere Entscheidung, dass ich zu Hause bleibe und nicht der Rockstar. Mein Mann war schon lange in einer Vollzeitstelle engagiert, während ich noch meinem Langzeitstudium nachhing und dieses durch einen Halbtagsjob in der selben Firma finanzierte, als ich mit dem Krieger schwanger wurde. Natürlich blieb ich dann in Elternzeit zu Hause. Bei aller Emanzipation ist so eine Entscheidung schlichtweg logisch. Nachdem ich nach der Elternzeit wieder in meinen Halbtagsjob zurück gegangen war, bot unser Chef mir nach einiger Zeit eine Stelle als Key Account Managerin in seiner anderen Firma. Leider entsorgte er mich mit meiner zweiten Schwangerschaft ganz elegant aus diesem Betrieb und durch die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit mit meinem Arbeitgeber machte, stand für mich fest, dass ich nach Möglichkeit nie wieder in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis stehen wollte. Für mich ist unsere Familie zum jetzigen Zeitpunkt also auch ein tolles Sprungbrett in die Selbstständigkeit, die ich derzeit noch hobbymäßig betreibe, aber für die Zukunft auf jeden Fall weiter ausbauen möchte.

Ich fühle mich nicht abhängig von meinem Mann. Wenn es auch einige Zeit gebraucht hat, bis ich es so sehen konnte, da war er viel schneller als ich: Wir sind eine Gemeinschaft und nur weil er das Glück hat, für seine Arbeit bezahlt zu werden, heißt das nicht, dass meine Arbeit weniger wert wäre. Er käme niemals auf die Idee mir den Geldhahn abzudrehen (Wehe ihm!) und unsere Entscheidungen treffen wir natürlich völlig gleichberechtigt. Denn wäre die Ausgangslage eine Andere gewesen, so wäre es für den Rockstar und mich auch vorstellbar gewesen ein ganz anderes Modell zu leben. Er als Hausmann etwa, oder wir beide in Teilzeit. Wir verzichten dadurch, dass nur einer von uns Erwerbstätig ist auf viel. Vor allem finanziell ist es eine große Einschränkung und nicht umsonst heißt es, dass Kinder ein Garant für Armut in unserem Land sind. So haben wir zum Beispiel seit vier Jahren keinen Urlaub mehr machen können. Aber das ist unser Luxus. Wir haben vielleicht wenig Geld – dafür haben wir Zeit.

Immer zu Hause und doch nie Zeit

Obwohl… Nein, Zeit hat man mit drei Kindern nie. Die Arbeit hört nie auf, fast täglich muss der Rockstar, wenn er von der Arbeit kommt, auch noch einen Teil der Hausarbeit übernehmen, weil ich vor lauter Wäsche waschen, aufräumen, Kinder kutschieren und co. doch mal wieder den Einkauf nicht geschafft habe oder die Bude noch gesaugt werden muss. Die Hausfrau, die in der blitzblank geputzten Küche ihre Nägel lackiert, ist ein herer Traum, aber eben nur das – ein Traum. Und so streiten auch wir darüber, wie die Handtücher gefaltet werden, weil ich die Wäscheberge eben nicht allein bezwingen muss, und wir können abends nicht ständig kuschelnd auf dem Sofa liegen (schön wär’s). Und langweilig wird es uns übrigens auch nie. Zum Einen habe auch ich noch viele Interessen neben Haus und Kindern. Meistens fehlt uns aber einfach die Zeit.

Eine Antwort auf „Vater, Mutter, Kind“

  1. Toll geschrieben, liebe Anne👏🏼Zu 100% auch unsere Lebensform und ichbin auch aus denselben Beweggründen bei den Kindern geblieben. Meine Eltern hatten eine Landarztpraxis und somit in der Woche und auch an Wochenenden lange in ihrer Arbeit tätig und auch nach „Ladenschluss“ auf Abruf. Ein Glück habe ich noch einen älteren Bruder, somit war ich nicht ganz allein. Ja, man wird heutzutage schräg angeschaut, wenn man zuhause bleibt, um als Mutter für den Nachwuchs da zu sein und die geleistete Arbeit wird oft klein gemacht, dabei ist es eine Würdigung wert, das alles zu wuppen und sich dennoch entspannt den vielen Bedürfnissen unserer kleinen Menschen nachzukommen…

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