Ab in die Kita!

Die letzten Wochen war es ja ganz schön still hier. Eigentlich wollte ich diesen Text auch schon längst geschrieben haben (wie soviele andere – meinen Senf zum Umgang mit der Sommersonne werde ich dann vielleicht passend zu Beginn der nächsten Saison abgeben…), aber die Ferien mit drei Kindern… PUH! Ich bin jetzt erstmal froh, dass meine Jüngste seit gestern nun auch in die Kita geht, morgen die Sommerferien für den Großen vorüber sind und ich ein paar Tage zumindest so halbwegs frei  habe, bevor ich mich in den Ausbau meiner Selbstständigkeit stürze. Moment – seit gestern? Und ich hab Zeit hier am Rechner zu sitzen und einen schlauen Kommentar über die Kitaeingewöhnung zu schreiben? Ja. Weil… vermutlich habe ich einfach Glück, dass ich mega entspannte Kinder habe. Aber, naja, so ein bißchen hab ich mit meiner entspannten Einstellung halt vielleicht auch dazu beigetragen. Und außerdem hatten wir einfach den unglaublich großen Vorteil, dass unsere beiden Jüngsten die Kita dann auch immer schon vom großen Geschwisterkind kannten und sich dementsprechend wohl und sicher fühlten. Und unsere Kita einfach die weltbeste Kita ist, die jeder Familie genau die Zeit und den Raum zur Eingewöhnung gibt, den sie für sich benötigt. Auch, wenn es mal ein paar Wochen dauert.

Wenn nichts hinhaut

Ich lese ja eine Menge Blogs. Meist liest man dann von den Eingewöhnungen, die nicht so gut klappen. Die Mütter berichten häufig davon, dass ihre Kinder sich nicht gut lösen können, viel weinen und sie den Eindruck haben, die Erzieher würden gar nicht richtig auf ihr Kind zugehen und ihm den nötigen Halt geben können, damit die Eingewöhnung gut klappt. Zwischen den Zeilen lese ich dann die Worte einer Mutter, der es schwer fällt, zu glauben, dass andere Menschen ihr Kind liebevoll behandeln und seine Bedürfnisse wahrnehmen werden. Ich lese die Worte von Müttern, die sagen, ihr Kind sei so speziell, dass sowieso nur sie ganz allein und mit Sicherheit niemals nie irgendjemand anders wüsste, wie man mit ihrem ganz speziellen High-Need-Kind umgehen muss. Uff. Ja. Natürlich ist jedes Kind ganz speziell. Meine Kinder sind auch ganz speziell. Und natürlich in meinen Augen sehr besonders und vollkommen anders als alle anderen Kinder. Aber, bei all ihrer Individualität,  müssen wir die Kirche auch mal im Dorf lassen. Denn natürlich machen Kinder ganz klassische Entwicklungsschritte durch, die bei ihnen allen ziemlich identisch ablaufen. Mal ganz abgesehen davon, dass natürlich jedes Kind seinen ganz eigenen Charakter hat, und sich – wie auch wir Erwachsene – besser oder schlechter in einer neuen Situation zurecht finden kann, und es leider auch noch immer Kitas gibt, wo tatsächlich nicht so auf die Kinder eingegangen wird, wie es nötig wäre, sind doch die allermeisten Erzieher/Innen und auch ein Großteil der Tagesmütter sehr gut ausgebildete, sehr engagierte, sehr liebevolle Menschen, die ziemlich genau wissen, wie sie (auch mit sehr speziellen) Kindern umgehen müssen. Und dann lese ich in diesen Blogs zwischen den Zeilen auch häufig noch etwas ganz anderes. Ich lese da die Worte einer Mutter, die eigentlich noch gar nicht so weit ist, sich von ihrem Kind zu trennen. Eine Mutter, die ihr Kind hergeben muss (weil sie z.B. wieder in den Job zurück muss oder möchte), es aber eigentlich noch gar nicht will. Ich lese Worte von Müttern, die nicht vertrauen.

Zum Glück – oder in diesem Falle leider – besitzen wir Menschen etwas, das nennt sich Spiegelneuronen. Und – in dieser Situation wieder leider – auch unsere Kinder besitzen diese Spiegelneuronen. Das sind diese feinen Antennen, mit denen wir spüren, dass unser Gegenüber glücklich oder unglücklich ist – oder uns irgendetwas vormacht. Und wenn Mama jetzt bei der Eingewöhnung in der Kita sitzt und dem Kind sagt, alles ist toll, sich aber selbst nicht so richtig wohl fühlt, was passiert dann wohl? Genau. Natürlich spürt das Kind: Hier läuft etwas falsch. Mama sagt das Eine, aber ihre Körpersprache sagt mir etwas ganz anderes. Und Kinder in dem Alter verstehen Mamas Körpersprache noch viel besser als die gesprochene Sprache.

Aber wie klappt’s denn nun eigentlich mit der Eingewöhung?!

Natürlich gibt es keine Patentrezepte. Jedes Kind ist anders, die Eltern sind anders, und auch jede Kita (oder Tagespflegestelle) und damit die Eingewöhnungssituation ist natürlich ganz individuell. Aber in den acht Jahren, in denen ich bisher schon viele Eingewöhnungen beobachten konnte und im Austausch mit den Eltern, Erzieherinnen und Tagesmüttern in meinem Bekanntenkreis, habe ich festgestellt, dass es ein paar Faktoren gibt, die das ganze Prozedere sehr erleichtern können.

Der allerwichtigste Faktor: Vertrauen!

Für dein Kind ist es am wichtigsten, sich sicher zu fühlen. Wenn es den Eindruck hat, dass Mama sich in der Einrichtung wohl fühlt, den Erzieher/Innen gegenüber offen und positiv eingestellt ist, so wird es ihm leichter fallen, sich auf die Situation einzulassen, als wenn du angespannt bist und jede Handlung der Erzieher/Innen mit Argusaugen beobachtest. Es weiß: Wem Mama vertraut, dem kann ich auch vertrauen. Umgekehrt funktioniert das leider genauso. Wenn du von dir selbst weißt, dass es dir schwer fällt, fremden Menschen zu vertrauen, sprich mit den Erzieher/Innen schon im Vorfeld über die Punkte, die dir Sorgen oder Unsicherheiten bereiten. Wenn du die Gelegenheit hast, besuche die Einrichtung schon vor der Eingewöhnung einige Mal mit deinem Kind. Manche Kitas bieten zum Kennenlernen Besuchstage vor Beginn des Kitajahres. Wenn sie es nicht von sich aus anbieten, frag ruhig danach. In bekanntem Umfeld, unter bekannten Gesichtern, fühlt man sich immer sicherer, als unter Fremden. O.K. – wenn ihr jetzt schon mitten in der Eingewöhnung seid, kommt dieser Tipp zu spät. Aber vielleicht steht euch die Eingewöhnung noch bevor und die Gelegenheit bietet sich euch noch. Nutzt sie!

Als nächstes: Loslassen!

Ich mag es kaum sagen. Manche Mütter sind bei dem nun folgenden Thema ein wenig… empfindlich. 😉 Nix für Ungut, aber: Besonders schwierig scheint die Eingewöhnung mir immer bei den Familien, wo die Mutter ihr Kind in allen Lebenslagen rund um die Uhr und ständig überwacht. Das ist natürlich völlig unwissenschaftlich und empirisch nicht belastbar. Aber wenn du dein Kind auf Schritt und Tritt verfolgst, und es nie allein spielen lässt, bei jedem Mucks gleich hinspringst, und auch den kleinsten Kratzer überschwänglich tröstest und du die Welt sowieso für den schlimmsten und gefährlichsten aller Orte hälst, und alle Menschen, die nicht zum engsten Familienkreis gehören, als eine katastrophale Bedrohung der Existenz deines Nachwuchses ansiehst, dann könnte es unter Umständen sein, dass dein Kind das Gefühl bekommt, dass es ohne dich niemals klarkommen wird.

Wenn du diesen Text schon liest, lange bevor dein Kind in die Kita kommt, dann vertrau einer erfahrenen Mutter und lass dein Kind in einer sicheren (!) Umgebung, innerhalb eurer Wohnung auch mal ein paar Minuten zumindest so allein, dass es sich unbeobachtet fühlt. Gönne deinem Kind, so früh du dich überwinden kannst, andere Bezugspersonen als dich selbst. Oma & Opa, Tante, gute Freundin, regelmäßiger Babysitter – all diese Leute helfen dem Kind zu lernen, dass es sich auch auf andere Menschen als seine Eltern verlassen kann. Und das erleichtert ihm die Eingewöhnung in die Kita enorm. Versprochen!

Andere machen lassen

Wenn ihr dann in der Eingewöhnung seid, suche dir einen bequemen Platz in der Einrichtung, von dem aus du und dein Kind einen guten Überblick über das Geschehen habt, möglichst ohne den Ablauf und die anderen großen und kleinen (!) Menschen zu stören. Setzt euch hin, beobachtet… und wenn dein Kind dann aufsteht, dann versuch ruhig sitzen zu bleiben und es ziehen zu lassen. Gib ihm die Chance, sich ohne dich ins Getümmel zu stürzen. Du schenkst ihm damit etwas unbezahlbares: Autonomie. Das Gefühl, es auch ohne dich zu schaffen. Es sind jede Menge tolle Menschen dort, die auf deinen Schatz aufpassen. Wenn es alleine nicht gehen mag, dann unterstütze es und gehe mit. Ermuntere es, ohne dich zu spielen. Wenn es schüchtern ist, auch allein und nicht gleich mit den anderen Kindern. Das kommt noch früh genug von selbst. Wenn du merkst, dass dir das alles schwer fällt, dass du nicht glaubst, dein Kind wäre schon so weit, stell dir vor allem eine Frage: Bist du denn schon so weit? Ich habe schon erlebt, dass ein Kind in der Eingewöhnung nach ein paar Tagen vor dem Heimweg zu seiner Mama sagte: „Mama, heute hast du es schon ganz gut geschafft. Du hast gar nicht mehr geweint!“ – Spiegelneuronen, weißt du noch?! Wenn du zu sehr haderst, spürt dein Kind das. Es wird bei dir bleiben wollen, damit du nicht traurig wirst.

Wenn du merkst, dass du dich in der Eingewöhnung total unwohl fühlst und dein Kind viel lieber noch bei dir behalten würdest, wenn du merkst, dass dir das Vertrauen fehlt, überleg mit deinem Partner, ob vielleicht die Möglichkeit besteht, dass er die Eingewöhnung übernimmt. Ob du es glaubst oder nicht: Tagesmütter und Kitas treffen die einhellige Aussage, dass es in solchen Situationen mit den Vätern oft besser klappt. Vielleicht fühlen sich die Papas nicht so unersetzbar wie wir Mütter. Keine Ahnung, woran das liegen könnte… 😉 Aber egal, wer von euch beiden die Eingewöhnung übernimmt, einer allein oder beide, nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, ihr und euer Kind. Ganz egal, was die Einrichtung davon halten mag. Es ist euer Kind und damit euer Weg. Und falls es trotz aller Bemühungen so gar nicht klappen will, schaut doch mal, ob es wirklich sein muss, dass das Kind schon in die Betreuung gegeben wird. Falls es finanziell nicht nötig ist, umso besser. Falls doch, schaut, ob der vielfach unbekannte Kinderzuschlag für euch in Frage kommt.

Und falls es dich tröstet: Selbst meine Nachbarin, eine wunderbare, tolle zugewandte Tagesmutter, erzählt, wie schwer es ihr gefallen ist, ihre Kinder zu anderen Menschen in die Betreuung zu geben. Das andere Extrem ist vielleicht einfacher, aber als Mutter hat es mich schon ein bißchen wehmütig gemacht, als beide meine Töchter, die eine vor zwei Jahren, die andere gestern, am ersten Tag der Eingewöhnung schon beim Ausziehen der Jacke zu mir sagten: „Tschüss Mama! Wann gehst du endlich?“

Aber mit jedem Kind wird es ein bißchen leichter.