Raindrops keep falling from my head…

In den letzten Wochen war es ja doch recht still hier am Blog. Ich habe zwar einige Texte angefangen, schaffe es aber im alltäglichen Wahnsinn kaum, für die ernsteren Themen seriöse Hintergründe zu recherchieren, und so liegen viele schöne Beiträge im Datennirvana in der Warteschleife, weil sich hier eine Semikatastrophe nach der anderen die Klinke in die Hand gibt. Und sobald ich mir Zeit erhoffe, mich wieder einmal in Ruhe an den Rechner zu setzen, passieren so Dinge, wie der Regen am letzten Freitag.

Wobei gegen Regen ja grundsätzlich nichts einzuwenden ist. Jedenfalls nach so heißen und trockenen Tagen, wie wir sie in den letzten Wochen hatten. Dumm allerdings, dass das Einsetzen des Regens am Freitag mit dem Ende der Schule zusammenfiel und ich ausgerechnet an diesem Tag mit meinem Sohn vereinbart hatte, dass er nach der Schule allein nach Hause fahren sollte – zum zweiten Mal und unter großem Argwohn seines Vaters. Während ich nun also kurz vor Eins, bei leichtem Nieselregen mit dem Effchen den nahegelegenen Supermarkt betrat, hatte ich um kurz nach Eins, beim Verlassen des Geschäftes, einen Ausblick auf blasenwerfende Pfützen und das Vergnügen, unter dem Vordach dem Streitgespräch zweier älterer Damen lauschen zu können, ob diese Blasen auf den Pfützen nun bedeuteten, dass der Regen zu- oder abnehmen würde. Ich dachte mir „sch…egal ob mehr oder weniger, nass wirste eh“ und trat den Heimweg an – natürlich ohne Regenschirm. Aber wenigstens die Plastikhaube für den Buggy hatte ich mitgenommen. Immerhin. Ich klopfte mir innerlich auf die Schulter und feierte die Absenz meiner Rabenmutterschaft, als mir siedend heiß einfiel, dass die Regenklamotte des Sohnes sich dummerweise nicht in seinem Schulrucksack befand. Und wieder einmal musste ich mich damit abfinden, dass meine Fürsorglichkeit doch kein so leuchtendes Bespiel abgeben würde. Ein leichtes Grummeln in der Ferne ließ mich hoffen, dass der Sohn seinen Heimweg zügig antreten und vor Eintreffen des Gewitters selbiges zu Hause täte. Also eintreffen. Wobei er zur Zeit auch oft ziemliche Gewitterlaune hat. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

Zu Hause angekommen jedenfalls legte ich das Effchen und mich erstmal trocken und warf einen besorgten Blick aus dem Fenster, der in der Zwischenzeit wahre Sturzbäche vom Himmel offenbarte. Als dann die ersten Blitze irgendwo in der Nachbarschaft niedergingen, wich das Mitleid für meinen Großen langsam einer leichten Sorge. Diese Sorge nun hatte im Zentrum der Stadt schon recht ausgeprägte Züge angenommen, und der Gatte rief mich aus dem Büro an, ob denn unser Sohn schon zu Hause angekommen wäre – gefolgt von einer ausgewachsenen Gardinenpredigt, als ich verneinte. Während der Rockstar die düstersten Bilder eines vor Angst schlotternden und zitternd in irgendeiner Ecke kauernden Kindes herauf beschwor, hielt ich dagegen, dass unser Sohnemann sich natürlich schlau irgendwo untergestellt haben und einfach das Ende dieses Schlechtwetterintermezzos abwarten würde. Der Mann der eigentlich bis zum frühen Nachmittag im Büro bleiben wollte, entschied sich angesichts meiner Kaltherzigkeit kurzerhand auf die Arbeitszeit zu… *ähem* ich formuliere anders: die Wochenarbeitszeit zu verletzen und im Rahmen der Gleitzeit die fehlenden Stunden in der Folgewoche nachzuarbeiten. Natürlich nicht, ohne nochmals in sehr strengem Ton auf meine vermeintliche Rabenmutterschaft hinzuweisen, was mich wiederum veranlasste, das Effchen bei der befreundeten Nachbarin und ihrer Tochter abzusetzen (wie gut, dass Letztgenannte derzeit bei unserer Jüngsten unschlagbar hoch im Kurs steht) und mich zu Fuß auf die Suche nach unserem Sohn zu machen, der inzwischen schon 30 Minuten überfällig war.

Kurze Checkliste in meinem Kopf: Gummistiefel? Im Schrebergarten. Regenjacke? Im Schrebergarten. Regenschirm? *peng* schlug irgendwo in der Nachbarschaft ein Blitz ein. Meine Aufmachung also: Anorak und FlipFlops – das einzige Schuhwerk, das bei diesem Mistwetter keinen Schaden nehmen würde… Ich entschied mich, den Weg zu laufen, den der Sohn auf dem Rad als autonomen Heimweg eingeübt hatte. Der Rockstar wollte mit dem Auto die Alternativstrecke abfahren, die Tante war instruiert, von der anderen Seite die Schule anzufahren, falls der Sohn sich schlauerweise sofort untergestellt hatte. Ich will ja nichts sagen, aber ich hatte ein bißchen das Gefühl, die Arschkarte gezogen zu haben. Vergoldet. Mit Glitzer. Und Spitzenrand. Aber wenn ich meinem Mann Glauben schenken durfte, war es die gerechte Strafe dafür, dass ich unseren Sohn so schändlich im Stich gelassen hatte. Oder so. Was er im Nachhinein natürlich vehement bestreitet. Während ich also tapfer durch den Regen stapfte, war der Anorak natürlich schon nach wenigen Minuten derart durchnässt, als hätte jemand eine ganze Wanne Wasser über meinem Kopf entleert. Das Wasser lief durch die Kapuze über meine Stirn in meine Augen, nicht ohne auf dem Weg dorthin eine gehörige Portion Make up mitzunehmen, die neben einem sachten Brennen auch einen Nebelschleier auf meinen Augäpfeln hinteließ, der mich noch den Rest des Tages erfreuen sollte. Hose nass, Shirt nass, selbst die Handtasche war durchnässt bis auf ihre nicht vorhandenen Knochen und jeglicher Versuch, Kontakt zu meinen Mitstreitern aufzunehmen, scheiterte kläglich an der Tatsache, dass einfach keine Stelle mehr zu finden war, an der ich meine Finger und den Touchscreen hätte abwischen können, um mein Telefon in Gang zu bringen (früher konnte man mit Nokia Handys sogar noch telefonieren, nachdem sie einem beim Kotzen ins Klo gefallen waren – behauptete jedenfalls mein ehemaliger WG-Mitbewohner nach einer Sauftour).

Die Hoffnung meinen Sohn in der Unterführung zu finden, bewahrheitete sich leider nicht. Also watete ich durchs wadentiefe Wasser, um drei Straßen weiter von einer entgegen kommenden Mutter von Sohnemanns Mitschülerin zu erfahren, dass dieser von einer Nachbarin aufgelesen und nach Hause begleitet wurde. Ziemlich zeitgleich erreichte mich der Anruf meines Mannes, den ich – oh Wunder! – annehmen konnte. Dass er den Sohn getroffen habe, dieser auf dem Weg nach Hause wäre und mein Mann mich deshalb nun einsammeln würde. Er wäre jetzt hier und dort, wo ich denn wäre. Kurz hinter der Kurve, sagte ich ihm, und dass ich ihm entgegen kommen würde, weil dort für das Stadtteilauto kein Durchkommen wäre. Es sei denn, er wolle einen kapitalen Motorschaden riskieren, wenn er die knietiefe Pfütze durchfahre. Ein letztes Mal stellte ich mich also den Fluten. Brauner Schmodder umspülte meine Beine, und insgeheim war ich ein bißchen froh, dass ich keine Gummistiefel an hatte, weil das Gefühl von über den Stiefelschaft laufendem Wasser irgendwie noch ekliger ist, als direkt durchnässt zu werden.

Um die Sache abzukürzen: Der Regen hörte quasi in dem Moment auf, in dem ich in den Wagen stieg. Der Sohn, zu Hause, wunderte sich, warum seine Mutter so nass sei. Ob er sich gefürchtet habe, fragte ich ihn. „Wovor?“ wollte er wissen. „Na, vor dem Gewitter!“ antworte ich. „Ach Mama“, schaute er mich mitleidig an, „es war doch nur ein bißchen Regen!“

Sowas sagt dir ja vorher auch kein Mensch!

Es gibt ja so Dinge, da bereitet dich keiner drauf vor, wenn du zum ersten Mal Mutter wirst. Im besten Falle schwebst du mit deiner Schwangerschaft auf Wolke Sieben (jedenfalls wenn du die Phase des frühschwangerschaftlichen Kotzens überwunden hast und von Rückenschmerzen und anderen Unannehmlichkeiten verschont bleibst) und es soll ja tatsächlich sogar Frauen geben, die allen Ernstes behaupten, die Schwangerschaft wäre die schönste Zeit in ihrem Leben. Ich halte das ja für eine dreiste Lüge, aber anderes Thema.  Ich habe ja in der ersten Schwangerschaft auch einen Geburtsvorbereitungskurs für völlig überflüssig gehalten, weil – naja, zum einen sind so regelmäßige Gruppendinger nicht so mein Ding, zum anderen lebte ich in dem festen Glauben, ich hätte in meiner Familie schon so viele Schwangerschaften mitbekommen, dass ich „sowas“ schlicht nicht nötig hätte. Hmmm… Schwerer Irrtum. Ich sag mal so: Das Erwachen wäre vielleicht nicht ganz so unsanft gewesen…

Als ich den Krieger nach fast 34 Stunden endlich glücklich und erschöpft in den Armen hatte, war eins der ersten Dinge, die die Hebamme mir sagte: „Kein Sex bis der Wochenfluss vorbei ist!“ Wie, Wochenfluss? „Ja, mindestens vier Wochen.“ Na toll. Vier Wochen bluten wie ein abgestochenes Schwein. Call me naive, aber ich hatte mir da nie Gedanken drüber gemacht, dass die riesige Plazenta ein ebenso großes Loch in meinem Uterus hinterlassen würde. Und in all den tollen Büchern und auf den einschlägigen Internetseiten, die ich gelesen hatte, wurde das auch nie thematisiert. Ebensowenig übrigens wie die Tatsache, dass nach der Geburt ein Rückbildungsgymnastikkurs nötig sein würde, damit mein Allerheiligstes, das nach 36 cm Babykopf zwar zum Glück nicht völlig zerfetzt, aber eben doch in Mitleidenschaft gezogen war, wieder einigermaßen elastisch und straff würde. Ich hoppelte also brav mit dem Krieger auf, neben und unter mir mit anderen Müttern auf Matten und Bällen herum und schwang die Beine durch die Luft und natürlich kam auch das zwangsläufige wir-müssen-uns-jetzt-auch-außerhalb-des-Kurses-verabreden-weil-wir-ja-alle-Babys-haben-und-uns-das-so-total-verbindet-deshalb-gründen-wir-jetzt-ne-Krabbelgruppe-Ding. Ach, was soll ich sagen. Die anderen Mütter waren zum Großteil echt nett, aber mal ehrlich: Die Tatsache Babys im gleichen Alter zu haben, ist einfach keine belastbare Grundlage, die zu ernstzunehmenden Freundschaften führt. Dementsprechend schnell verlief das natürlich auch im Sande. Aber ich schweife mal wieder ab.

In der zweiten Schwangerschaft war ich dann ganz unmotiviert, und war der Meinung, ich könnte den ganzen Turnkram auch allein rocken. Mit den Kenntnissen aus dem ja erst fast fünf Jahre zurückliegenden Kurs, einem Tischaufsteller von irgendeinem Babyproduktehersteller mit Übungen und der Unterstützung meiner zeitgleich schwangeren Freundin, die genauso unmotiviert war, einen Kurs zu besuchen wie ich, beschlossen wir, uns regelmäßig zu treffen und gemeinsam unseren Beckenboden wieder in Form zu bringen. Was soll ich sagen. Es blieb bei dem Entschluss. Aber immerhin kaufte ich mir diese hübschen, kleinen, bunten Kugeln aus der Drogerie. Vier unterschiedliche Gewichte, einfach einführen, und dann klappt es mit dem Beckenboden wie von selbst. Öhm… ja. Nachdem mein Kauf mit den Worten „Oh, die hab ich mir auch gekauft. Die sind mir direkt rausgefallen.“, kommentiert wurde, war ich ja etwas verunsichert. Dazu dann diese Anekdoten von Salami im Hausflur, die man im Laufe seines Lebens immer mal wieder hört. Aaah! Panik! Ja, nee. Also, die Dinger haben gehalten. Und mein Mann lobte mich auch nach kurzer Zeit wieder für meine Muskelspannung.

Quelle: Elanee/PR

Tut er übrigens auch jetzt noch, nachdem ich Kind Nummer drei auf die Welt gebracht habe. Ich war dieses Mal auch ganz brav wieder in so ’nem Turnkurs. Aber ganz ehrlich: Ich glaube, irgendwann nützt das fleißigste Training nix mehr. Ist halt nicht nur die Beckenbodenmuskulatur, die unter der Schwangerschaft und Entbindung leidet. Ist ja auch so, dass die inneren Organe mal lustig durch die Gegend geschoben werden, nach oben, nach unten und zur Seite wandern, um dem Wesen, dass sich da in deinem Bauch ausbreitet, Platz zu machen. Ich hab jedenfalls seitdem ich Kinder bekommen habe, dieses unglaublich tolle Phänomen, dass ich des Öfteren auch zweimal hintereinander zum Klo rennen kann. Gebärmutter mitsamt Blase gekippt. Ich schaukel, sehr zur Belustigung meines Mannes, auf dem Klo nun hin und her, um auch den letzten Tropfen rauszupressen.  Und wenn die Hektik des Alltags das nicht zulässt, dass schwappt es eben nach. Plitsch, platsch Pinguin… A propos plitsch, platsch: Meine besondere Dankbarkeit richtet sich ja an den Erfinder der modernen Slipeinlage. Modell extralang, mit Frischeduft. Während ich dieses Alltagshelferlein als junge Frau noch für überflüssige Spielerei hielt, kann ich als alter Hase nur noch wissend die Augenbraue heben und weiß inzwischen, dass „überflüssig“ auch ganz wortwörtlich genommen werden kann. Stichwort Ups-Momente. Lachen, husten, hüpfen, heben – eigentlich kannste nix mehr machen, ohne Gefahr zu laufen, dich minder bis mittelschwer zu blamieren, wenn dein Nachwuchs dein Becken erstmal passiert hat. Früher gab’s bei uns den Spruch „Ich hab vor Lachen Pipi in den Augen!“ Frau nickt da nur und lächelt milde: „Tja, nicht nur in den Augen!“

Nix beschreien!

Ich hab’s mal wieder getan. Meinen Mund zu weit aufgerissen. Letzten Sonntag auf dem Spielplatz, als die ersten Frühlingssonnenstrahlen mich dazu verleiteten den warmen Wintermantel am Haken hängen zu lassen und meine coole Lederjacke endlich wieder aus der Dunkelheit der letzten Ecke meines Kleiderschrankes zu befreien. Und ich war so verdammt cool. Und verwegen. Ich ging offen. Echt jetzt. Mit offener Jacke auf den Siedlungsspielplatz. Ich hab auch gar nicht gefroren. Solange ich in der Sonne stand. Und mich bewegt habe. Stark. Zitternd. Die Arme um den Oberkörper geschlungen. Na gut. Ich bin nach einer halben Stunde wieder rein und habe meinen Wintermantel geholt. Aber ohne Schal. Jedenfalls haben wir Mütter uns gefreut, dass es wieder wärmer wird. Und da ist es passiert. Ich habe es beschrieen. Ich war nämlich so doof auszusprechen, wie froh ich darüber wäre, dass ich diesen Winter ohne schwerere Erkältungen bezwungen hätte. Und da ist es passiert. Zack.

Montag morgen wurde ich wach und er war da. Der Husten der Saison. Schüttelfrost. Gelenkschmerzen. Das volle Brett. Und zum Glück konnte der Rocker den Krieger die Woche über zur Schule bringen. Aber ums Lüff zur Kita zu fahren, fehlt ihm ab jetzt wegen seiner gestaffelten Arbeitszeiten die Zeit. Während ich also bellend im Bett lag und überlegte, ob es anstrengender wäre unser wildes Mädchen zur Kita zu bringen oder mich selbst nicht nur ums Effchen, sondern auch um sie zu kümmern, erledigte sich die Frage von selbst. Auch das Lüff klagte über Unwohlsein. Na, prima. Nachmitttags habe ich mich sogar überwunden und meine Eltern um Hilfe gebeten. Du weißt ja, das Dorf, das man sich schaffen muss. Und mein Vater bot spontan auch an, am nächsten Vormittag die 120 km zu uns runter zu rocken und so lange zu bleiben, bis ich wieder einigermaßen auf dem Damm wäre. Juhuu! Daddy, I love you so!

Am Dienstag klingelte mein Telefon ziemlich früh. Am anderen Ende hustete und röchelte es ähnlich. „Ach nee, Papa“, entschied ich mich. „So darfst du dann doch lieber zu Hause bleiben.“ Wenn er auch motiviert war. Auf Bazillencocktail hatte ich dann aber keinen Bock. Es wäre ja auch zu schön gewesen, gleich vom neuen Lebensabschnitt meines Vaters als Rentner profitieren zu können. Der Rockstar konnte im Büro ein genervtes Seufzen kaum unterdrücken, den zweiten halben Urlaubstag zu opfern. Aber wat mott, dat mott (Hdt.: was muss, das muss)! Mittwoch bis Freitag war das Heimkommen des Kriegers geregelt. Wenigstens darum musste ich mir keine Sorgen machen. Im Laufe der Woche fing das Lüff an sich zu übergeben, wurde es besser, um dann wieder mit voller Wucht zurück zu kommen. Und kaum ging es bei ihr einigermaßen aufwärts, ging der ganze Mist beim Effchen auch los. BINGO! Wir drei Mädels haben also die ganze Woche gemeinsam krank vertrödelt. Erfahrungsgemäß haben kleinere Kinder ja durchaus auch mal hochenergetische Phasen, so, trotz Krankheit. Egal wie schlimm die nun ist. Ich hab mich mit Hilfe von Peppa Wutz und Kikaninchen einigermaßen durch die Woche geschleppt und mich gefreut, mich heute, am Wochenende, mit dem Rockstar daheim, endlich ins Bett packen zu können. Naja, hat so semi-gut geklappt. Ist mit drei Kindern irgendwie utopisch.

Oh, was vermisse ich die Tage, als ich als Single einsam und allein in meinem Bett im WG-Zimmer vor mich hinrotten konnte, umgeben von einem wachsenden Berg vollgerotzter Taschentücher, in die Küche schlurfte, mit chinesischer Nudelsuppe bewaffnet zurück ins Bett kroch, vor mich hinschniefen, -husten und -jammern konnte, ohne dass irgendjemand im fünfminuten Takt irgendwas von mir wollte und mich aus meiner Krankheits-Comfort-Zone aufscheuchte – hach, was waren das für Zeiten. Da konnte man seinen desolaten Zustand noch zelebrieren.

Heutzutage ist das ja eher so, dass ich verständnislose Blicke vom Rockstar ernte, als er beim Abendessen sagt, dass er dann nächste Woche bestimmt auch krank ist, wo wir doch jetzt bis auf ihn und den Krieger alle krank sind und ich ihm daraufhin versichere, er könne sich meines vollen Neides gewiss sein. „Warum denn, das?“, will er daraufhin wissen; aber sein Verstehen wird nicht größer, als ich antworte: „Weil du dich dann ins Bett legen und auskurieren kannst!“ Vielleicht sollte ich ihn im Fall der Fälle, wenn er dann zu Hause ist, mit den Kindern zu Hause allein lassen und ganz in Ruhe einkaufen gehen. Bestimmt versteht er dann.

Eine riesen Matschastrophe!

Meine großen Kinder sind ja manchmal eher so Stubenhocker. Was ich grundsätzlich auch gut verstehen kann, aber so hin und wieder können sie ja ruhig doch mal vor die Tür, findet ihre Mama. Die kleine Schwester übrigens auch. Wie dem auch sei, nachdem es heute vormittag so schön geschneit hat, dachte ich mir, ich jage die Drei mal vor die Tür. Passenderweise wollten die liebsten Nachbarskumpel auch grad raus. Während ich die Mädels noch in  der Witterung angemessene Klamotten pfropfte, düste der Große schon los, um seinen Kumpel abzuholen.

Als ich mit den Mädels dann raus kam, war von den Jungs weit und breit nüscht zu sehen. Wir juckelten zum Siedlungsspielplatz, aber bis auf ein paar fremde Gesichter war dort niemand anzutreffen. Das Lüff naschte noch schnell ein bißchen Schnee von der Rutsche und düste dann auf ihrem Roller Richtung Reihenhäuser, um zu gucken wo ihr Best Buddy wohl stecken könnte. Ich schleppte das Effchen hinterher und hielt der großen Schwester einen Vortrag, warum Schnee von der Rutsche vielleicht nicht sooo lecker ist. Das Ganze scheinbar nur, damit sie sich vor Nachbars Haustür gleich die nächste Ladung Schnee aus von der Mutter mit großer Skepsis betrachteter Quelle in den Mund schaufeln konnte. Igitt! Aber, was einen nicht umbringt härtet nur ab, richtig?! Anyway, der Kumpel war schon mit den großen Jungs losgezogen und wir traten den Rückweg an, begleitet von Lüffs lautstarken Rufen nach ihm, die bis zum gewahr Werden der gesuchten Person konstant durch die Siedlung schallten. Spielplatz?! Fehlanzeige. Wiese?! Fehlanzeige. Ganz am Ende des matschigsten Weges der Siedlung?! Treffer!

Seit vorletztem Jahr gibt es in unserer Siedlung eine riesige Baustelle, die bei uns Bewohnern schon für einigen Unmut gesorgt hat, vor allem, weil die ursprünglich geplante Baustellenzufahrt nicht vollendet wurde. Bei der Planung der Baustraße wurden leider die zwischenzeitlich in der Nachbarschaft entstandenen Tiefgaragen übersehen und erst nach Aufschütten des halben Weges in Form eines riesigen Erdwalls, fiel den Verantwortlichen auf, dass der Weg leider doch mitten durch die Siedlung statt an ihr vorbei führen musste. Blöd für uns, aber für die Kinder ist dieser Erdhaufen natürlich ein mega Spielparadies. Und eben dort, am Ende des Weges, direkt vorm Bauzaun, hampelten die Jungs mit ihrem kleinen Bagger neben der Schaufel des großen Baggers rum.

Schwer begeistert, dass sie die vier aufgespürt hatte, machte Lüff sich, ihren Roller schiebend, auf den Weg zu ihnen. Ich wandte mich unterdessen dem Effchen zu, das noch hinter uns die Wiese erkundete und machte mir wenig Gedanken ob der Pfützen, die das Erdreich üppig zierten. Ich rief Lüff noch zu, sie könne ihren Roller auf halbem Wege stehen lassen und drehte mich zum Effchen zurück, bis ich das Lüff auf einmal laut lachen hörte. „Das Lüff ist in den Matsch gefallen!“, fielen die Jungs in ihr Lachen mit ein. „Haha! Mama, ich bin hingefallen!“, lachte auch sie. Noch. Versuchte aufzustehen. Batsch! Lag wieder im Schlamm. Strampelte sich hoch, rutschte wieder weg, ihr ehemals lila Schneeanzug von oben bis unten schlammig braun und klitschnass. Die Jungs standen daneben und lachten. Ich konnte das in dem Augenblick leider gar nicht ganz so komisch finden. Aber wenigstens das Lüff lachte noch. Ganz im Gegensatz zum Effchen, das unterdessen von mir unbemerkt auch den Weg des Matsches erobert hatte und prompt mit den Händen voran mitten in der größten Pfütze auf die Nase fiel. Bei mir an dieser Stelle ein noch recht trockenes Kind, das lautstark brüllte, am Ende des Weges ein klitschnassen Kind, das noch lachte. Und eine Mutter, die prompt in Stress geriet. Ich klemmte mir das Effchen unter den Arm (an normales Tragen war angesichts der Schlammmassen nicht zu denken) und stakste wie ein Storch durch den Matsch, um auch mein anderes Mädchen zu retten. Kurz vor dem Ziel schnell die Kleine auf die angrenzende Wiese abgestellt, zog ich das Lüff aus dem Schlamm und erklärte ihr, dass wir nun leider rein gehen müssten, weil ihr ziemlich schnell ziemlich kalt werden würde. Sie sah es noch nicht ganz ein und trat den Rückweg natürlich nicht über die Wiese an, weil sie wiederum ja noch ihren Roller retten musste. Patsch! lag sie wieder, weil sie mit den Stiefeln bis zu den Waden im Matsch versank. Ich hatte unterdessen das zappelnde und kreischende Effchen wieder unter den Arm geklemmt und befreite das Lüff erneut, nicht ohne meinen Sohn noch aufzufordern, er solle schnell nach Hause und den Vater schonmal an die Tür klingeln. Auf trockenen Pfaden angekommen, fing das Lüff dann auch schon an zu jammern: „Oh Mama, ich halte das nicht lange aus!“ Ich stellte sie auf ihren Roller und schickte sie los, schnell nach Hause zu fahren. Unterdessen war ihr Freund uns gefolgt und stand ebenfalls weinend neben mir. Ein Ast hatte das Vorderrad seines Rollers blockiert. Hektisch befreite ich das Ding, rief ihm zu, dass ich die Mädchen erstmal umziehen müsse und es bestimmt dauern würde, bis wir wieder auftauchen würden.

Zu Hause angekommen, sind die beiden dann aber erstmal untergetaucht. In der warmen Badewanne. Nachdem wir sie mit spitzen Fingern aus den verschlammten Sachen geschält hatten, was angesichts zappelnder, weil nasser und daher unleidlicher Kinder kein einfaches Unterfangen war. Und während die beiden Mädchen sich vom Rockstar bewacht in der Wanne vergnügten, verschwand ich mit Schneeanzug, Matschhose und Stiefeln in der Dusche und habe dort den halben Erdhügel durch unseren Abfluss gespült. Mindestens. Ich glaube, Stubenhocker sind mir manchmal doch lieber…

 

Mein Mann, der LKW!

Jetzt hatte es uns mal wieder erwischt. Der total überflüssige Eltern-Ausnahmezustands-über-unwichtigen-Mist-mega-Streit. Irgendwie war in den letzten Wochen schon so ziemlich die Luft raus, die Energie und Leistungsfähigkeit beim Rockstar und mir wurde immer schwächer und schwächer und ungünstigerweise – ich weiß, du kennst das – ist in solchen Momenten dieses ganze Giraffensprech dann halt doch bloß graue Theorie und man mutiert ziemlich fix zum fiesen Wolf, weil irgend ein unbedeutender Mist einen grad aber mal so richtig anpisst nervt.

Bei uns war das gestern der von mir nicht eingeweichte Haferflockenkochtopf, und das totale Unverständnis meines Mannes, warum ich eine Handlung, die doch nur 10 Sekunden in Anspruch nähme, denn nicht eben ausgeführt habe. „Aus Gründen!“, sagte ich dem Rockstar, fand aber bei ihm kein Gehör. Als sich dann der Krieger unvorsichtigerweise in den Streit einmischte (dieses Kind hat Mamas Gerechtigkeitsempfinden geerbt) und dann vom beleidigten Papa auch noch eins über den Deckel bekam (verbal natürlich!), wars bei mir ganz aus. Blöderweise hatte der Rockstar aber gar keine Lust auf Streiten und ist ganz einfach mit dem Lüff ins Bett gegangen. Das hat mich dann echt fertig gemacht, weil es bis dahin bei uns in 13 Jahren Liebesglück und Beziehungsfrust eigentlich ungeschriebenes Gesetz war, niemals vor Klärung eines Disputs ins Bett zu gehen.

Am Morgen herrschte dann dementsprechend angesengte Stimmung und ich machte mir, während der Mann die Großen zu Kita und Schule brachte, so meine Gedanken, warum eigentlich mit dem Verschwinden der ersten Verliebtheit dieser so vollkommen perfekte Mensch, der einem da Gegenüber steht, zu so einem Imperfekt wird. Also ein vergangener Perfekter. Wieso nimmt eigentlich, mit zunehmender Liebe und äquivalent abnehmender Verliebtheit (dieses närrische Gaga-Herzbibber-Verhalten meine ich) auch das Ärgern über irgendwelchen Unsinn, den der andere so verzapft, zu? Ich hab dem Rockstar jedenfalls gesagt, dass ich das total doof finde und beschlossen habe, mich nur noch daran zu erfreuen, wie viel er im Haushalt erledigt, ohne dass ich ihn bitten muss (und er macht wirklich ungeheuer viel), statt mich über das zu ärgern, was er nicht oder in meinen Augen verkehrt macht. Um einfach mal ein bißchen mehr Wertschätzung in unseren Alltag zu bringen. Ich habe nämlich einen ziemlich großartigen Mann. Nicht nur Rockstar. Putzt auch noch gern. [An dieser Stelle pulsierendes Herz Emoticon einfügen.] Und all dieses Fehlergesuche offenbart am Ende nur meine eigene negative Einstellung und nicht seine. Die wird mit dem restlichen Chaos in Zukunft auch gleich mit an den Nagel gehängt. Das ist übrigens unser eigentliches Problem: wir sind beide völlig chaotisch, was unsere Arbeitsteilung angeht. Seit Jahren zanken wir uns darum, wer was wann zu machen hat, statt einfach mal einen Plan zu machen. Was wir jetzt getan haben. Und tatsächlich hat sich rausgestellt, dass das bei uns so ist, wie mit dem Brötchen. Und in Zukunft muss ich meine Wäschestapel nicht mehr mit Klauen und Zähnen verteidigen. Aber auch nie wieder das Klo putzen. Ich bin so begeistert.

Aber bevor wir auf diese glorreiche Idee kamen, mussten erst noch ein paar Metaphern herhalten, um uns auf den richtigen Weg zu bringen. Sagt doch der Rockstar zu mir: „Ich bin wie ein Motor der morgens meistens schnurrt wie ein Kätzchen… im Laufe des Tages senkt sich der Ölspiegel… und abends, wenn der Pegel sehr niedrig ist und man doch mal überholen muß, dann läuft er nicht mehr rund und fängt an zu stottern… Dadurch kommt man sich dann mit dem Gegenverkehr ins Gehege.“ „Nee, nee“, sag ich, „Du bist der große LKW mit Ladekran, der sich alles auflädt, auch dem anderen LKW von der Ladefläche runter, soviel, dass es dir an den Seiten runterpoltert, und allen die Straße versperrt. Wir machen jetzt einen Plan!“ „Oder“, meint er, „oder ich werde zu einem 30m Tieflader mit 500ps!?“ Erschrocken schaue ich ihn an. „Aber dann kommt ja keiner mehr an dir vorbei!“ „Auch wohl wahr…. dann bleiben wir eben die beiden klapprigen Pritschwagen und verteilen die Last… aber“, sagt er und grinst mich frech an, „zumindest habe ich einen Ladekran und du nicht!“

Aus den Federn, Vögelchen!

Gestern habe ich mich recht allgemein über die theoretische Kooperationswilligkeit unserer Kinder ausgelassen. Wie ich schon schrieb, klappt das bei uns immer fast immer nie so gut, wie wir uns das wünschen. Es gibt Situationen, da klappt es tatsächlich einfach gar nicht. Vor allem morgens ist das hier so eine Sache. Fast die ganze Familie bewegt sich zwischen ausgeprägtem Langschläfertum (der weibliche Teil der Gesellschaft) und morgenmuffelndem Frühaufsteherdasein (der Sohn – von mir hat er das nicht!), nur der Vater vons Janze ist eine regelrechte Lerche und springt schon morgens um sechs relativ beschwingt aus dem Bett, um als Erstes mal überall die Fenster aufzureißen.

Frischluft ist ja ungeheuer wichtig. Relativ betrachtet jedenfalls. Der Rest der Familie nimmt es eher nach dem Motto: „Es ist noch keiner erstunken, aber erfroren sind schon viele!“, was bei den Kindern dafür sorgt, dass sich die schlechte Laune entweder noch steigert, oder aber die Haltung in eine hartnäckige Weigerung das Bett zu verlassen übergeht. Inzwischen sind wir dazu übergegangen das Lüff noch im Bett anzuziehen und meine Andeutung dem Mann gegenüber, dass es vielleicht hilfreich wäre, die Fenster bis zum Vollzug des Anziehens geschlossen zu halten, um den Temperaturausgleich vom warmen Bett in die Morgenluft für die Kinder etwas angenehmer zu gestalten, hat den Rockstar doch tatsächlich auf die Idee gebracht, man könne den Temperaturausgleich doch auch andersherum gestalten. Kühlakkus unter die Bettdecke. Dann würden die Kinder sich an die Kälte der winterlichen Frischluftzufuhr gewöhnen und auch schneller aus den Betten kommen. Ich glaube, ich werde dieses Wochenende die Praktikabilität seines Vorschlages einmal testen und bin gespannt, ob er die Idee noch immer für gut befindet, wenn ich sie unter seiner Decke von der Theorie in die Praxis umsetze. Aber ich schweife mal wieder ab…

Wo war ich? Ach ja. Das Lüff und das Anziehen. Wenn es gar nicht klappt, darf sie auch mal im Schlafanzug in die Kita. Wenn diese Vorgehensweise auch dem Ordnungssinn des Rockstars sehr widerstrebt. Diskussion gestern früh in etwa: Ich zum Kind: „Dann gehst du halt im Schlafi in die Kita.“ Er zu mir: „Das geht aber nicht!“ Ich zu ihm: Warum nicht?“ Er: „Weil ich das nicht gut finde!“ Ich: „Und du findest das jetzt so blöd, dass du deshalb einen Kampf mit ihr austragen möchtest? Viel Spaß!“ Er: „…“ Ich: „Ich packe ihr schonmal Anziehsachen für die Kita in den Rucksack. Und heute Abend geht sie angezogen ins Bett.“ Diskussion beendet. Mal ehrlich: Solange das Kind nicht friert, ist es mir pupsegal, was es trägt. Der Lüff war es doch nicht so egal. Sie hat sich in der Kita dann doch als Erstes schnell umgezogen.

Beim Krieger ist es inzwischen etwas einfacher. Solange man unseren Großen morgens nicht unter Druck setzt („Beeil dich! In fünf Minuten müssen wir los!“), prüddelt er so vor sich hin. Manchmal vergisst er dabei leider das Anziehen, so dass das Druckmachen unsererseits leider nicht ausbleibt, was wüstes Gebrüll zur Folge hat. Mein mehrfach vorgebrachter Vorschlag, das Frühstück auf nach dem Anziehen zu verschieben, um die morgenlichen Abläufe etwas zu entspannen, schlug bisher bei meinen Männern auf wenig Gegenliebe. Pyjamajunkies!

Solange ich kein Kind anziehen muss, das dabei immer wegläuft oder rumhampelt, bin ich am Morgen jedenfalls die Liebenswürdigkeit in Person. Jetzt im Winter läuft es also ganz gut, weil der Rockstar die Kinder aus den Betten schmeißt. Ich sehne mich dahingehend nicht gerade nach dem Frühling, wenn er wieder längere Arbeitszeiten hat und das nicht mehr übernehmen kann. Noch kann ich mit dem Effchen zu Hause bleiben. Wenn ich dann mit drei Kindern allein aus dem Haus muss und davon noch zwei in Jacken und Schuhe zwängen, dann hört der Spaß für mich auf. Ich bewundere jeden Menschen, der dabei ruhig bleiben kann. Aber bis dahin habe ich ja noch ein bißchen Zeit…

 

Time to say Good bye!

Seit neuestem gibt es bei uns ein Lieblingswort. Also, nicht bei uns allen. Beim Effchen. Effchens Lieblingswort lautet „Kacka!“. „Kacka!“ begeistert sie enorm. „Kacka!“ dient der Bezeichnung fürs kleine und große Geschäft. „Kacka“ ist ihre Meldung für die volle Windel und für „Ich möchte aufs Töpfchen“. Außerdem ist „Kacka!“ so toll, dass es auch noch für alles andere herhalten muss. Gestern Abend saß sie zum Beispiel in der Schaukel und mühte sich mit dem Wort Schaukel ab. Was dann ungefähr so klang: “ ‚chaukel… kaukel… KACKA!“ Großes Gelächter folgte. Die Begeisterungsfähigkeit kleiner Menschen ist schon erstaunlich. Fast so toll wie „Kacka!“ ist der Gang aufs Töpfchen. Dazu nutzt sie jede Gelegenheit. Sobald jemand auf dem Klo sitzt, zerrt sie an ihrer eigenen Beinbekleidung und gibt energisch zu erkennen, dass man diese doch bitte so schnell wie möglich entfernen möge. Zeitgleich wird das Töpfchen aus der Ecke gezerrt. Wobei es aber nicht bleibt, denn sie zerrt dann lieber auch direkt den Toilettengänger vom entsprechenden Örtchen und schiebt diesem ihren Hocker über die Füße vor die Keramik. Reihenfolge variabel. Frei dem Motto: Platz da, jetzt komm ich! Mit „Kacka, da!“ wird dann noch die Sitzverkleinerung, die an der Wand hängt verlangt, und dann klettert das Effchen auf ihren Thron. Und wieder runter aufs Töpfchen. Und wieder aufs Klo. Sitzt da und freut sich und zerpflückt das Toilettenpapier. Deutet an, sich abzuwischen, schmeißt die Fitzel ins Klo, klettert – ansonsten unverrichteter Dinge – wieder runter und tappst mit hochgeklapptem Body zurück an den Ort, wo sie zuletzt gespielt hat. Manchmal hinterlässt sie dann noch hier und da ein Pfüzchen, wenn Mama nicht schnell genug hinterher kommt. Nun ist es also soweit. Das Kind will trocken werden. Das heißt für uns, mit Handtüchern bewaffnet hinter dem zumindest untenrum nackeligen Kind her zu sein, das Töpfchen anzubieten, jedes Pipi machen wohlwollend zu kommentieren (in etwa „Oh, schau mal, du hast Pipi gemacht. Vielleicht pieselst du ja beim nächsten Mal ins Töpfchen?“) und vor allem: Abschied von unseren geliebten Stoffwindeln.

Knapp daneben ist auch vorbei…

Wobei… leider sind wir seit einigen Wochen sowieso nur noch Teilzeitstoffwickler. Des Nächtens wurde Effchens bis dato eh schon schlechter Schlaf nämlich immer schlechter und schlechter, und irgendwann beschloss ich, einfach mal zu testen, ob es mit Wegwerfwindeln wohl besser gehen würde. Und was soll ich sagen? Ich mag es kaum laut aussprechen, aber tatsächlich hat es uns zumindest ein wenig Besserung gebracht. Offensichtlich ist das Effchen doch ein wenig empfindsamer als ihre Geschwister und wurde vom feuchten Klima in der Stoffwindeln immer wieder geweckt. Auch jetzt wacht sie vom Pinkeln auf, schläft aber mit den Wegwerfwindeln (die sich halt einfach schneller wieder trocken anfühlen, als jedes Trockenfleece in Stoffwindeln es ermöglicht) zum Glück schnell wieder ein. Falls du bisher darüber nachgedacht hast, Stoffwindeln zu verwenden, lass dich bitte, bitte von meinen Schilderungen nicht abschrecken! Unser Effchen ist wirklich extrem, was das angeht und ich kenne eine solche Empfindsamkeit von sonst keinem Kind. Da mein sowieso so geringer Nachtschlaf mir jedoch wichtiger ist, als dogmatisch auf die Nutzung von Stoffies zu bestehen, drücke ich beide Augen zu und hoffe, dass sie bald so gut schläft, dass sie doch wieder mit Stoffies schlafen kann. Denn ehrlich gesagt, sie sind schon ganz schön eklig, die Wegwerfwinkeln. Der Geruch ist einfach tausend mal schlimmer als der jeder schlecht gewaschenen Stoffwindel. Nach wie vor meldet sie sich ja immer noch nur nach dem Pinkeln, wodurch windelfrei leider nie eine Option für uns war. Obwohl ich das gerne probiert hätte. Aber wenn das so weiter geht, dann haben sich die Überlegungen zu diesem Thema wohl bald von selbst erledigt. Für unsere Stoffwindeln wird es auch Zeit. Nach vier Jahren im Dauereinsatz, zeitweise an zwei Kindern, sind die nämlich schon ziemlich abgerockt…

Müssen Kinder essen müssen?

Als ich Anfang der Woche den Krieger-Sohn von der Schule abholte, empfing mich ein gleichsam verstimmtes wie verstummtes Kind. Erster Schultag nach den Osterferien und gleich scheiße gelaufen – na, toll. Der Sohn faltete sich murrend zwischen seine Schwestern ins Lastenrad und gab, nachdem er seine Knie mit denen vom Lüff sortiert hatte, grimmig bekannt, am heutigen Tage schlechte Laune zu haben. Danach: Funkstille. Danke fürs Gespräch, mein Sohn. Aufklärung kam dann aber schnell über seine Freundin, die uns nach Hause begleitete: Erstens mal durfte er seine Geburtstagssüßigkeiten nicht verteilen, weil keine Zeit gewesen wäre. – Ja nu. Blöd gelaufen, aber morgen ist ja auch noch ein Tag, dachte ich mir. Aber dann. Dann folgte Zweitens auf dem Fuße: Der Krieger hätte keinen Nachtisch bekommen und würde deshalb schmollen. Wie jetzt? Naja, es hätte Burger zum selbst belegen gegeben (was ich, nebenbei bemerkt, ein tolles Schulessen finde), den der Krieger nicht aufgegessen hätte. Aber als er Vanillepudding wollte, hätte Frau L. gesagt, er müsse erst aufessen. Und das hätte dann so lange gedauert, dass für den Nachtisch keine Zeit mehr gewesen wäre. – Klar, da wäre ich auch sauer, sagte ich dem Krieger. Sogar mehr als das, dachte ich im Stillen und finde, dass man das Verhalten der Klassenbetreuerin mal wieder als typisch erzieherische Aktion von Erwachsenen sehen kann. Gut gemeint ist halt nicht immer gut gemacht.

Als ich dem Rockstar-Gatten am Abend davon berichtete, regte der sich furchtbar auf: Was der Frau einfallen würde?! Wenns ums Essen geht, würden immer noch die Eltern erziehen. Nicht die Schule. (Wir ja gerade auch nicht. Darum gehts doch, mein Schatz. 😉 ) „Du redest morgen mit der Klassenlehrerin!“ Ja, äh, nur wann? Zahnarzttermin in der Frühe… na, dann am Nachmittag, wenn ich sie noch erwische. Am nächsten morgen hatte Effchen mich dann dankenswerter Weise schon um fünf geweckt, und da das Thema mich umtrieb – zumal der Krieger auch noch das Abendessen verweigert hatte, weil er zu vollgefressen war – und ich sowieso nicht wieder in den Schlaf finden konnte, schrieb ich einen langen, langen Brief an Frau K. und Frau L., in dem ich meine Meinung über Bevormundung, körperliche Integrität, kindliche Autonomie und Fremdbestimmung durch autoritäre Erwachsene kundtat. So ganz allgemein und freundlich aber bestimmt, wie das so meine Art ist. Weil der Rockstar dann aber meinte, persönlich besprochen wäre das vielleicht doch besser, versuchte ich beim nachmittäglichen Abholen, leider erfolglos, noch einen der beiden Protagonisten zu erwischen.

Eingestellt auf eine beleidigte Lehrerschaft, überraschte mich des Kriegers Klassenlehrerin am Abend mit einem Anruf, bei dem sie sich tatsächlich für meinen Einsatz in Form dieses Briefes bedankte, weil sie jetzt endlich auch von Elternseite etwas in der Hand hätte, mit dem sie dieser Unsitte bei den Kollegen in der Klasse (Sozialpädagogen, Lehrern, BUT-Kräften und Co.) endlich einmal beikommen könnte. Sie berichtete mir noch von Diskussionen in der Vergangenheit, in der diese typischen Argumentationen kamen: Ich musste damals auch immer aufessen, etc. pp blabla. Und dass Frau L. ganz zerknirscht gewesen wäre, weil sie hätte ja gar nicht gesagt, der Krieger müsse aufessen. Sie hätte ja nur gesagt: „Na, wenn du satt bist, magst du ja sicher auch keinen Nachtisch mehr!“ *seufz*…ich spare mir an dieser Stelle Ausführungen über manipulatives Verhalten. Wem das nicht ins Auge springt, dem empfehle ich die verlinkten Seiten am Schluss. Auch für die, denen sich bei solchen Sätzen ebenfalls die Zehennägel kringeln, tolle und lohnenswerte Lektüre zum Thema essen müssen und Fremdbestimmung ganz allgemein.

Auf jeden Fall waren des Kriegers Klassenlehrerin und ich uns einig: Satt ist satt und Nachtisch geht immer!

Das und das sagt der Juul!

Geborgen wachsen hat auch einzwei schlaue Worte dazu.

Hier und dort etwas von Elternmorphose.

Und zu guter Letzt auch noch was richtig Wissenschaftliches.

 

 

 

 

 

 

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