Nix beschreien!

Ich hab’s mal wieder getan. Meinen Mund zu weit aufgerissen. Letzten Sonntag auf dem Spielplatz, als die ersten Frühlingssonnenstrahlen mich dazu verleiteten den warmen Wintermantel am Haken hängen zu lassen und meine coole Lederjacke endlich wieder aus der Dunkelheit der letzten Ecke meines Kleiderschrankes zu befreien. Und ich war so verdammt cool. Und verwegen. Ich ging offen. Echt jetzt. Mit offener Jacke auf den Siedlungsspielplatz. Ich hab auch gar nicht gefroren. Solange ich in der Sonne stand. Und mich bewegt habe. Stark. Zitternd. Die Arme um den Oberkörper geschlungen. Na gut. Ich bin nach einer halben Stunde wieder rein und habe meinen Wintermantel geholt. Aber ohne Schal. Jedenfalls haben wir Mütter uns gefreut, dass es wieder wärmer wird. Und da ist es passiert. Ich habe es beschrieen. Ich war nämlich so doof auszusprechen, wie froh ich darüber wäre, dass ich diesen Winter ohne schwerere Erkältungen bezwungen hätte. Und da ist es passiert. Zack.

Montag morgen wurde ich wach und er war da. Der Husten der Saison. Schüttelfrost. Gelenkschmerzen. Das volle Brett. Und zum Glück konnte der Rocker den Krieger die Woche über zur Schule bringen. Aber ums Lüff zur Kita zu fahren, fehlt ihm ab jetzt wegen seiner gestaffelten Arbeitszeiten die Zeit. Während ich also bellend im Bett lag und überlegte, ob es anstrengender wäre unser wildes Mädchen zur Kita zu bringen oder mich selbst nicht nur ums Effchen, sondern auch um sie zu kümmern, erledigte sich die Frage von selbst. Auch das Lüff klagte über Unwohlsein. Na, prima. Nachmitttags habe ich mich sogar überwunden und meine Eltern um Hilfe gebeten. Du weißt ja, das Dorf, das man sich schaffen muss. Und mein Vater bot spontan auch an, am nächsten Vormittag die 120 km zu uns runter zu rocken und so lange zu bleiben, bis ich wieder einigermaßen auf dem Damm wäre. Juhuu! Daddy, I love you so!

Am Dienstag klingelte mein Telefon ziemlich früh. Am anderen Ende hustete und röchelte es ähnlich. „Ach nee, Papa“, entschied ich mich. „So darfst du dann doch lieber zu Hause bleiben.“ Wenn er auch motiviert war. Auf Bazillencocktail hatte ich dann aber keinen Bock. Es wäre ja auch zu schön gewesen, gleich vom neuen Lebensabschnitt meines Vaters als Rentner profitieren zu können. Der Rockstar konnte im Büro ein genervtes Seufzen kaum unterdrücken, den zweiten halben Urlaubstag zu opfern. Aber wat mott, dat mott (Hdt.: was muss, das muss)! Mittwoch bis Freitag war das Heimkommen des Kriegers geregelt. Wenigstens darum musste ich mir keine Sorgen machen. Im Laufe der Woche fing das Lüff an sich zu übergeben, wurde es besser, um dann wieder mit voller Wucht zurück zu kommen. Und kaum ging es bei ihr einigermaßen aufwärts, ging der ganze Mist beim Effchen auch los. BINGO! Wir drei Mädels haben also die ganze Woche gemeinsam krank vertrödelt. Erfahrungsgemäß haben kleinere Kinder ja durchaus auch mal hochenergetische Phasen, so, trotz Krankheit. Egal wie schlimm die nun ist. Ich hab mich mit Hilfe von Peppa Wutz und Kikaninchen einigermaßen durch die Woche geschleppt und mich gefreut, mich heute, am Wochenende, mit dem Rockstar daheim, endlich ins Bett packen zu können. Naja, hat so semi-gut geklappt. Ist mit drei Kindern irgendwie utopisch.

Oh, was vermisse ich die Tage, als ich als Single einsam und allein in meinem Bett im WG-Zimmer vor mich hinrotten konnte, umgeben von einem wachsenden Berg vollgerotzter Taschentücher, in die Küche schlurfte, mit chinesischer Nudelsuppe bewaffnet zurück ins Bett kroch, vor mich hinschniefen, -husten und -jammern konnte, ohne dass irgendjemand im fünfminuten Takt irgendwas von mir wollte und mich aus meiner Krankheits-Comfort-Zone aufscheuchte – hach, was waren das für Zeiten. Da konnte man seinen desolaten Zustand noch zelebrieren.

Heutzutage ist das ja eher so, dass ich verständnislose Blicke vom Rockstar ernte, als er beim Abendessen sagt, dass er dann nächste Woche bestimmt auch krank ist, wo wir doch jetzt bis auf ihn und den Krieger alle krank sind und ich ihm daraufhin versichere, er könne sich meines vollen Neides gewiss sein. „Warum denn, das?“, will er daraufhin wissen; aber sein Verstehen wird nicht größer, als ich antworte: „Weil du dich dann ins Bett legen und auskurieren kannst!“ Vielleicht sollte ich ihn im Fall der Fälle, wenn er dann zu Hause ist, mit den Kindern zu Hause allein lassen und ganz in Ruhe einkaufen gehen. Bestimmt versteht er dann.

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