Stillen die Dritte! Still, still, still, weils Kindlein schlafen will

Kennst du dieses Weihnachtslied „Still, still, still, weils Kindlein schlafen will“!? Mehr als diese eine Zeile und eine bruchstückhafte Melodie schwirren mir ehrlich gesagt auch nicht im Kopf herum. Das dafür aber sehr konstant und jetzt schon seit ziemlich genau 18 Monaten. Jetzt ist das Effchen anderthalb Jahre und ein paar Tage auf der Welt und ein wahrer Weltmeister im Stillen. Und ich bin mir absolut sicher, dass der Liedtext keine auditive, sondern eine Laktationsaufforderung ist. Unser jüngster Spross jedenfalls hat in den letzten Monaten jeglichen Versuch ohne Brust im Mund zu schlafen – und ich meine nicht einschlafen, sondern durchschlafen! – komplett verweigert. Und wenn ich dann auf der ein oder anderen einschlägigen AP-Seite irgendwas las, vonwegen …auch deine Bedürfnisse zählen… Mamas Schlaf ist so wichtig… das Kind kann ab dem zehnten Monat lernen, ohne Brust zu schlafen… nachts geht es auch 6 Stunden ungestillt… Ächz! Ich wusste ehrlich gesagt so manches Mal nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Mein Kind hält Mamas Schlaf auf alle Fälle für komplett überbewertet. Egal wieviele Stunden Stillpause – sie mutierten bei uns bis vor ein paar Tagen jedenfalls immer! grundsätzlich! ausnahmslos! innerhalb von Sekunden in eine Schreiphase der gleichen Länge. Ich habe mich bei allen gestarteten Versuchen des nächtlichen Abstillens jedesmal dazu entschieden, dass meine Ohren schmerzempfindlicher sind als meine Nippel und oberflächliches Schlummern um Längen besser ist, als gar keinen Schlaf zu bekommen.  Kind frustriert, Mutter frustriert, danke fürs Gespräch.

Fast könnte man meinen, Effchens Handhaltung wäre eine Prophezeiung hinsichtlich unserer künftigen Stillbeziehung…

Aber seit ein paar Tagen ist – Gott seis getrommelt und gepfiffen – endlich Ruhe eingekehrt. Fast erscheint es mir ein bißchen gruselig, dass ich nicht mehr im anderthalb-Stundentakt brüllend ins Schlafzimmer zitiert werde, wenn ich abends mit dem Gatten noch auf dem Sofa sitze. Oder ich mich ins Bett legen kann, dann dem Kinde zwar früher oder später doch der Duft der mütterlichen Milchbar in die Nase steigt und nach der Brust verlangt wird, aber das Effchen nach einiger Zeit wirklich wieder loslässt und sich zufrieden umdreht und weiter schläft. Die ersten beiden Nächte habe ich mich doch tatsächlich dabei erwischt zu gucken, obs Kind überhaupt noch lebt. Selbst der Rockstar fragte mich gestern beim zu Bett gehen, ob ich sicher sei, dass das Effchen nicht sein Leben quittiert hätte, angesichts der ungewohnten Stille. Aber nein, scheinbar hat unser „Baby“ den nötigen Entwicklungsschritt geschafft, um endlich besser schlafen zu können (überhaupt passiert beim Effchen grad unglaublich viel, und ich glaube, dass es auch nicht mehr all zu lange dauern wird, bis wir uns von den Windeln verabschieden *seufz*). Ich finde, der richtige Zeitpunkt, um einen Blick zurück auf mein Leben als stillenden Mama zu werfen.

Um ehrlich zu sein, gehöre ich nicht gerade zu den Müttern, die beim Thema Stillen in Begeisterungsstürme ausbrechen oder zu emotionalen Hochtouren auflaufen. Man kann meine Einstellung dem Stillen gegenüber wohl getrost als ambivalent und ziemlich pragmatisch bezeichnen. So sehr ich die Augenblicke liebe, in denen wir entspannt auf dem Sofa sitzen und kuscheln und ich dieses kleine Wesen dabei beobachte, wie es wohlig entspannt in die Welt der Träume hinüberdriftet, so sehr habe ich so manche Nacht zum Teufel gewünscht, in der ich keinen oder zumindest kaum Schlaf bekommen habe, weil mir die Schulter und die Hüften so ungeheuer wehtaten, nachdem ich stundenlang regungslos neben meinem stillenden Kind liegen musste. Wenn die Wut dann besonders groß wurde, war mein Mantra mein ständiger Begleiter: Es ist das Beste für dein Kind, die günstigste Nahrungsquelle und die gesündeste dazu, sie braucht die Nähe… bababa… und all die anderen bekannten Vorzüge des Stillens. Aber ja – manchmal, ganz selten zwar, aber doch, war die Wut so groß, dass ich das arme kleine Wesen, dass einfach nur kuscheln und meine Liebe wollte, angeschnauzt habe, dass es doch bitte, bitte endlich schlafen solle. Und ich habe Momente erlebt, in denen ich Verständnis aufbringen konnte für Eltern, die tatsächlich darüber nachdenken, Schlaflernprogramme in Erwägung zu ziehen. Nein! Bullshit! Ich habe kein Verständnis dafür, wie man Schlaflernprogramme in Erwägung ziehen kann. Ich schlafe seit bald sechs Jahren kaum eine Nacht über fünf Stunden. Manchmal sind es nur drei oder vier. Und das meist unterbrochen. Ich kenne die Wut und die Verzweiflung, die Schlafmangel auslöst. Aber Schlaflernprogramme sind verdammt nochmal keine Lösung. Aber bevor ich mich jetzt darüber auslasse… Ich wollte ja übers Stillen schreiben.

Insgesamt habe ich es bisher auf sage und schreibe 50 Stillmonate gebracht. Ein Ende nicht in Sicht. Dafür, dass ich eigentlich mit keinem meiner Kinder eine unbelastete Stillbeziehung hatte, finde ich das recht ansehnlich. Ich klopfe mir grade mal selbst auf die Schulter und finde mich echt tapfer. 😉

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