Ab in die Kita!

Die letzten Wochen war es ja ganz schön still hier. Eigentlich wollte ich diesen Text auch schon längst geschrieben haben (wie soviele andere – meinen Senf zum Umgang mit der Sommersonne werde ich dann vielleicht passend zu Beginn der nächsten Saison abgeben…), aber die Ferien mit drei Kindern… PUH! Ich bin jetzt erstmal froh, dass meine Jüngste seit gestern nun auch in die Kita geht, morgen die Sommerferien für den Großen vorüber sind und ich ein paar Tage zumindest so halbwegs frei  habe, bevor ich mich in den Ausbau meiner Selbstständigkeit stürze. Moment – seit gestern? Und ich hab Zeit hier am Rechner zu sitzen und einen schlauen Kommentar über die Kitaeingewöhnung zu schreiben? Ja. Weil… vermutlich habe ich einfach Glück, dass ich mega entspannte Kinder habe. Aber, naja, so ein bißchen hab ich mit meiner entspannten Einstellung halt vielleicht auch dazu beigetragen. Und außerdem hatten wir einfach den unglaublich großen Vorteil, dass unsere beiden Jüngsten die Kita dann auch immer schon vom großen Geschwisterkind kannten und sich dementsprechend wohl und sicher fühlten. Und unsere Kita einfach die weltbeste Kita ist, die jeder Familie genau die Zeit und den Raum zur Eingewöhnung gibt, den sie für sich benötigt. Auch, wenn es mal ein paar Wochen dauert.

Wenn nichts hinhaut

Ich lese ja eine Menge Blogs. Meist liest man dann von den Eingewöhnungen, die nicht so gut klappen. Die Mütter berichten häufig davon, dass ihre Kinder sich nicht gut lösen können, viel weinen und sie den Eindruck haben, die Erzieher würden gar nicht richtig auf ihr Kind zugehen und ihm den nötigen Halt geben können, damit die Eingewöhnung gut klappt. Zwischen den Zeilen lese ich dann die Worte einer Mutter, der es schwer fällt, zu glauben, dass andere Menschen ihr Kind liebevoll behandeln und seine Bedürfnisse wahrnehmen werden. Ich lese die Worte von Müttern, die sagen, ihr Kind sei so speziell, dass sowieso nur sie ganz allein und mit Sicherheit niemals nie irgendjemand anders wüsste, wie man mit ihrem ganz speziellen High-Need-Kind umgehen muss. Uff. Ja. Natürlich ist jedes Kind ganz speziell. Meine Kinder sind auch ganz speziell. Und natürlich in meinen Augen sehr besonders und vollkommen anders als alle anderen Kinder. Aber, bei all ihrer Individualität,  müssen wir die Kirche auch mal im Dorf lassen. Denn natürlich machen Kinder ganz klassische Entwicklungsschritte durch, die bei ihnen allen ziemlich identisch ablaufen. Mal ganz abgesehen davon, dass natürlich jedes Kind seinen ganz eigenen Charakter hat, und sich – wie auch wir Erwachsene – besser oder schlechter in einer neuen Situation zurecht finden kann, und es leider auch noch immer Kitas gibt, wo tatsächlich nicht so auf die Kinder eingegangen wird, wie es nötig wäre, sind doch die allermeisten Erzieher/Innen und auch ein Großteil der Tagesmütter sehr gut ausgebildete, sehr engagierte, sehr liebevolle Menschen, die ziemlich genau wissen, wie sie (auch mit sehr speziellen) Kindern umgehen müssen. Und dann lese ich in diesen Blogs zwischen den Zeilen auch häufig noch etwas ganz anderes. Ich lese da die Worte einer Mutter, die eigentlich noch gar nicht so weit ist, sich von ihrem Kind zu trennen. Eine Mutter, die ihr Kind hergeben muss (weil sie z.B. wieder in den Job zurück muss oder möchte), es aber eigentlich noch gar nicht will. Ich lese Worte von Müttern, die nicht vertrauen.

Zum Glück – oder in diesem Falle leider – besitzen wir Menschen etwas, das nennt sich Spiegelneuronen. Und – in dieser Situation wieder leider – auch unsere Kinder besitzen diese Spiegelneuronen. Das sind diese feinen Antennen, mit denen wir spüren, dass unser Gegenüber glücklich oder unglücklich ist – oder uns irgendetwas vormacht. Und wenn Mama jetzt bei der Eingewöhnung in der Kita sitzt und dem Kind sagt, alles ist toll, sich aber selbst nicht so richtig wohl fühlt, was passiert dann wohl? Genau. Natürlich spürt das Kind: Hier läuft etwas falsch. Mama sagt das Eine, aber ihre Körpersprache sagt mir etwas ganz anderes. Und Kinder in dem Alter verstehen Mamas Körpersprache noch viel besser als die gesprochene Sprache.

Aber wie klappt’s denn nun eigentlich mit der Eingewöhung?!

Natürlich gibt es keine Patentrezepte. Jedes Kind ist anders, die Eltern sind anders, und auch jede Kita (oder Tagespflegestelle) und damit die Eingewöhnungssituation ist natürlich ganz individuell. Aber in den acht Jahren, in denen ich bisher schon viele Eingewöhnungen beobachten konnte und im Austausch mit den Eltern, Erzieherinnen und Tagesmüttern in meinem Bekanntenkreis, habe ich festgestellt, dass es ein paar Faktoren gibt, die das ganze Prozedere sehr erleichtern können.

Der allerwichtigste Faktor: Vertrauen!

Für dein Kind ist es am wichtigsten, sich sicher zu fühlen. Wenn es den Eindruck hat, dass Mama sich in der Einrichtung wohl fühlt, den Erzieher/Innen gegenüber offen und positiv eingestellt ist, so wird es ihm leichter fallen, sich auf die Situation einzulassen, als wenn du angespannt bist und jede Handlung der Erzieher/Innen mit Argusaugen beobachtest. Es weiß: Wem Mama vertraut, dem kann ich auch vertrauen. Umgekehrt funktioniert das leider genauso. Wenn du von dir selbst weißt, dass es dir schwer fällt, fremden Menschen zu vertrauen, sprich mit den Erzieher/Innen schon im Vorfeld über die Punkte, die dir Sorgen oder Unsicherheiten bereiten. Wenn du die Gelegenheit hast, besuche die Einrichtung schon vor der Eingewöhnung einige Mal mit deinem Kind. Manche Kitas bieten zum Kennenlernen Besuchstage vor Beginn des Kitajahres. Wenn sie es nicht von sich aus anbieten, frag ruhig danach. In bekanntem Umfeld, unter bekannten Gesichtern, fühlt man sich immer sicherer, als unter Fremden. O.K. – wenn ihr jetzt schon mitten in der Eingewöhnung seid, kommt dieser Tipp zu spät. Aber vielleicht steht euch die Eingewöhnung noch bevor und die Gelegenheit bietet sich euch noch. Nutzt sie!

Als nächstes: Loslassen!

Ich mag es kaum sagen. Manche Mütter sind bei dem nun folgenden Thema ein wenig… empfindlich. 😉 Nix für Ungut, aber: Besonders schwierig scheint die Eingewöhnung mir immer bei den Familien, wo die Mutter ihr Kind in allen Lebenslagen rund um die Uhr und ständig überwacht. Das ist natürlich völlig unwissenschaftlich und empirisch nicht belastbar. Aber wenn du dein Kind auf Schritt und Tritt verfolgst, und es nie allein spielen lässt, bei jedem Mucks gleich hinspringst, und auch den kleinsten Kratzer überschwänglich tröstest und du die Welt sowieso für den schlimmsten und gefährlichsten aller Orte hälst, und alle Menschen, die nicht zum engsten Familienkreis gehören, als eine katastrophale Bedrohung der Existenz deines Nachwuchses ansiehst, dann könnte es unter Umständen sein, dass dein Kind das Gefühl bekommt, dass es ohne dich niemals klarkommen wird.

Wenn du diesen Text schon liest, lange bevor dein Kind in die Kita kommt, dann vertrau einer erfahrenen Mutter und lass dein Kind in einer sicheren (!) Umgebung, innerhalb eurer Wohnung auch mal ein paar Minuten zumindest so allein, dass es sich unbeobachtet fühlt. Gönne deinem Kind, so früh du dich überwinden kannst, andere Bezugspersonen als dich selbst. Oma & Opa, Tante, gute Freundin, regelmäßiger Babysitter – all diese Leute helfen dem Kind zu lernen, dass es sich auch auf andere Menschen als seine Eltern verlassen kann. Und das erleichtert ihm die Eingewöhnung in die Kita enorm. Versprochen!

Andere machen lassen

Wenn ihr dann in der Eingewöhnung seid, suche dir einen bequemen Platz in der Einrichtung, von dem aus du und dein Kind einen guten Überblick über das Geschehen habt, möglichst ohne den Ablauf und die anderen großen und kleinen (!) Menschen zu stören. Setzt euch hin, beobachtet… und wenn dein Kind dann aufsteht, dann versuch ruhig sitzen zu bleiben und es ziehen zu lassen. Gib ihm die Chance, sich ohne dich ins Getümmel zu stürzen. Du schenkst ihm damit etwas unbezahlbares: Autonomie. Das Gefühl, es auch ohne dich zu schaffen. Es sind jede Menge tolle Menschen dort, die auf deinen Schatz aufpassen. Wenn es alleine nicht gehen mag, dann unterstütze es und gehe mit. Ermuntere es, ohne dich zu spielen. Wenn es schüchtern ist, auch allein und nicht gleich mit den anderen Kindern. Das kommt noch früh genug von selbst. Wenn du merkst, dass dir das alles schwer fällt, dass du nicht glaubst, dein Kind wäre schon so weit, stell dir vor allem eine Frage: Bist du denn schon so weit? Ich habe schon erlebt, dass ein Kind in der Eingewöhnung nach ein paar Tagen vor dem Heimweg zu seiner Mama sagte: „Mama, heute hast du es schon ganz gut geschafft. Du hast gar nicht mehr geweint!“ – Spiegelneuronen, weißt du noch?! Wenn du zu sehr haderst, spürt dein Kind das. Es wird bei dir bleiben wollen, damit du nicht traurig wirst.

Wenn du merkst, dass du dich in der Eingewöhnung total unwohl fühlst und dein Kind viel lieber noch bei dir behalten würdest, wenn du merkst, dass dir das Vertrauen fehlt, überleg mit deinem Partner, ob vielleicht die Möglichkeit besteht, dass er die Eingewöhnung übernimmt. Ob du es glaubst oder nicht: Tagesmütter und Kitas treffen die einhellige Aussage, dass es in solchen Situationen mit den Vätern oft besser klappt. Vielleicht fühlen sich die Papas nicht so unersetzbar wie wir Mütter. Keine Ahnung, woran das liegen könnte… 😉 Aber egal, wer von euch beiden die Eingewöhnung übernimmt, einer allein oder beide, nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, ihr und euer Kind. Ganz egal, was die Einrichtung davon halten mag. Es ist euer Kind und damit euer Weg. Und falls es trotz aller Bemühungen so gar nicht klappen will, schaut doch mal, ob es wirklich sein muss, dass das Kind schon in die Betreuung gegeben wird. Falls es finanziell nicht nötig ist, umso besser. Falls doch, schaut, ob der vielfach unbekannte Kinderzuschlag für euch in Frage kommt.

Und falls es dich tröstet: Selbst meine Nachbarin, eine wunderbare, tolle zugewandte Tagesmutter, erzählt, wie schwer es ihr gefallen ist, ihre Kinder zu anderen Menschen in die Betreuung zu geben. Das andere Extrem ist vielleicht einfacher, aber als Mutter hat es mich schon ein bißchen wehmütig gemacht, als beide meine Töchter, die eine vor zwei Jahren, die andere gestern, am ersten Tag der Eingewöhnung schon beim Ausziehen der Jacke zu mir sagten: „Tschüss Mama! Wann gehst du endlich?“

Aber mit jedem Kind wird es ein bißchen leichter.

Mein Körper! Meine Entscheidung! Gegen den 1000 Kreuze Marsch!

Als ich heute morgen beim Frühstück Radio hörte, kam eine Meldung, die mich erschreckte:

Ab Sommer wird es vorraussichtlich keinen Arzt mehr in Münster geben, der Abtreibungen durchführt.

Damit wird auch für die betroffenen Frauen unserer Region Realität, was in anderen Bereichen der Republik längst traurige Wahrheit ist. Eine Abtreibung in Wohnortnähe wird damit nicht mehr möglich sein und den Frauen, die diesen sowieso schon schweren und belastenden Weg gehen wollen oder müssen, wird zusätzlich ein weiterer Stein in den Weg gelegt.

Aber hey! Geht es hier nicht um Familie, Kinder, bedürfnisorientiert und so Zeug? Ganz genau. Und deshalb schreibe ich an dieser Stelle über dieses schwierige Thema. Weil ich zur letzten Generation gehöre, die die Auseinandersetzung um § 218 noch ganz aktuell wahrgenommen hat. Weil ich Frauen kenne, die damals über die Grenze in die Niederlande mussten, weil sie sich in einer für sie ausweglosen Situation befanden. Weil diese Frauen sich strafbar machten, als sie sich bedürfnisorientiert für ihr eigenes Leben, für ihre schon bestehende Familie und gegen ein weiteres Kind entschieden haben. Jahrzehnte (eigentlich Jahrtausende) lang haben Frauen um das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper kämpfen müssen, und müssen es auf moralischer Ebene noch immer. Für mich selbst wäre ein Schwangerschaftsabbruch nie in Frage gekommen. Jedes meiner Kinder ist sehnlichst gewünscht. Aber wer bin ich, meine Entscheidung über die Entscheidung einer anderen Frau zu stellen. Keine Frau trifft so eine Entscheidung leichtfällig, und jede Frau, die diesen Weg geht, muss ihr Leben lang mit den Konsequenzen leben. Als mündiger Mensch muss das das gute Recht einer jeden Frau sein und bleiben.

Noch immer ist Abtreibung nicht legal, sondern lediglich straffrei. Abtreibungsgegner imaginieren einen unkontrollierten Anstieg von Schwangerschaftsabbrüchen durch die aktuelle Gesetzeslage. Tatsächlich sind die Zahlen seit Jahrzehnten relativ konstant. Sie sind seit Einführung der Beratungspflicht sogar rückläufig (zumindest, wenn man den Zahlen glauben schenken kann, die ich auf die Schnelle ergoogeln konnte). Durch eine Rücknahme der Straffreiheit kann also kein Rückgang von Abbrüchen erwartet werden. Im Gegenteil. Wenn man der Statistik trauen kann, dann sorgt die derzeitige gesetzliche Regelung für einen größeren Schutz des ungeborenen Lebens, als ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen es tun würde. Es gab immer Gründe, warum eine Frau eine Schwangerschaft nicht austragen kann oder will, und es wird sie immer geben. Und diese Gründe sind stärker als ein Verbot und Strafen. Diese Gründe sind manchmal so stark, dass Frauen in der nicht allzu fernen Vergangenheit, und auch heutzutage, in nicht allzu fernen Ländern, ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, nur um ein Kind nicht austragen zu müssen. Es kann nicht sein, dass wir Frauen auch im 21. Jahrhundert noch immer bevormundet und gegängelt werden, wenn es um Entscheidungen geht, die wir im Zusammenhang mit unserem Körper, mit unserem Leben, treffen. Es kann nicht sein, dass Frauen unterstellt wird, sie würden ungeborenes Leben leichtfertig und aus Jux und Dollerei wegwerfen. Es kann nicht sein, dass Frauen, die sich entscheiden, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen, wenn man sie schon strafrechtlich nicht angehen kann, sie doch zumindest durch das unnötige Erschweren eines solchen Ganges, psychisch wie moralisch abstraft.

Am kommenden Samstag laufen ein paar ewig Gestrige durch diese Stadt, die genau das wollen. Menschen, die das von uns Frauen mühsam erkämpften Recht auf freiheitliche Selbstbestimmung, Mündigkeit und körperliche Integrität einschränken wollen. Menschen, denen es egal ist, dass Frauen bei nicht fachgerecht ausgeführten Schwangerschaftsabbrüchen ihr Leben aufs Spiel setzen. Menschen, die den Schutz des ungeborenen Lebens über den Schutz des Lebens der Frau stellen – um jeden Preis – und ihre Bewegung dabei „Pro Life“ – „Für das Leben“ nennen. An Zynismus und Menschenverachtung meiner Meinung nach kaum zu überbieten.

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Münster organisiert einen Gegenprotest am kommenden Samstag, den 17.März 2018, der um 13.30 Uhr mit einer Demo ab Hauptbahnhof startet und ab 14.30 Uhr auf dem Prinzipalmarkt weitergeht.

Wenn du nicht möchtest, dass der Drahtbügel wieder zum Symbol der Frauenbewegung wird: Sei dabei!

 

 

 

 

 

 

 

Hoch die Tassen!

Ist wirklich schon wieder Weiberfastnacht? Ich bin ja nicht so unbedingt der Karnevalsfan. Gar nicht mal, was das Verkleiden angeht. Aber diese Massenbesäufnisse, die gruseln mich schon ein bißchen. Karneval, Oktoberfest, Bullenball… Nee, nicht meins! Wobei ich auch ganz gerne feiern gehe. Aber als stillende Mama fragt man sich dann ja erstmal: Darf ich das jetzt überhaupt?

Beim Krieger stand das Thema Alkohol und Stillen gar nicht zur Debatte. Da ich ihn ja sowieso nur sehr kurz gestillt habe und in der Zeit auch nicht auf irgendwelche Parties wollte, habe ich mir da überhaupt keine Gedanken drum gemacht. Als beim Lüff dann aber ein Ende der Stillbeziehung nicht absehbar war, und ein Abstillen, selbst wenn ich gewollt hätte, gar nicht ohne weiteres möglich gewesen wäre, wollte ich trotzdem auch mal wieder ausgehen. Man ist ja auch noch Mensch, neben dem Mutterdasein. Ich gehöre jedenfalls nicht zu den Frauen, die im Betüdeln ihres Nachwuchses die totale Erfüllung finden. So ein bißchen was an sozialen Kontakten fernab der Familie darf es schon sein. Selbst wenn ich nicht mehr die Partyhummel von früher bin (gehöre ja auch schon nicht mehr zum jüngsten Semester, auch wenn mir diese Tatsache manchmal hart abgeht), so hin und wieder schwing ich doch ganz gerne mal das Tanzbein und lehne nicht jeden Grund zum Feiern gleich kategorisch ab. Und wenn ich auch durchaus ohne Alkohol in der Lage bin, meinen Spaß zu haben, finde ich eigentlich nicht, dass man sich selbst als Mutter zur absoluten Askese verdonnern muss.

Bei mir stellte sich die Frage, ob ich „das“ jetzt darf, vor ziemlich genau drei Jahren. Das Lüff hatte grade ihre ersten Geburtstag gefeiert, da stand schon die nächste Party an. Meine Freundin feierte ihren Geburtstag. Und weil Karneval war, und sie aus rheinischen Gefilden stammt – wie kann es anders sein – natürlich verkleidet. Und natürlich würde auch getrunken werden. Und ich fragte mich: Als was verkleide ich mich bloß? Uuuund habe ich Lust, als einzige nüchtern zu sein? Nein. Ich hatte Lust, auch was zu trinken! Aber deswegen Abstillen? Die damit zusammenhängende Problematik habe ich ja schon erwähnt.

Aber jetzt mal echt: Stillen und Alkohol – geht das überhaupt? Meine Freundin – selbst stillende Mama – meinte: „Klar! Wenn man nicht zu viel trinkt und gewisse Zeitabstände beachtet, dann sitzt auch mal ein Gläschen drin!“ Ich wäre nicht ich, wenn ich es jetzt nicht ganz genau hätte wissen wollen. Also fing ich an zu recherchieren. Und fand heraus, dass es tatsächlich geht. In einer Studie des Bundesinstitut für Risikobewertung steht sogar:

„Als Ergebnisse sind folgende Befunde festzuhalten: Nach Trinken eines Viertelliters Wein (12,5 Vol.-% Alkohol) über 30 Minuten ergibt sich etwa 40 Minuten nach Beginn des Trinkens eine maximale Blutalkoholkonzentration der stillenden Mutter von 0,63 g/l (entspricht 0,59 Promille). Wenn das Stillen unmittelbar im Anschluss an die Alkoholaufnahme erfolgt, beträgt die maximale Alkoholkonzentration im Neugeborenen 0,003 g/kg KG (entspricht 0,0028 Promille) nach der ersten und 0,0035 g/kg KG (entspricht 0,0033 Promille) nach der zweiten Stillmahlzeit (Stillvorgänge alle zwei Stunden). Bei dem drei Monate alten Säugling (Stillen alle drei Stunden: höheres Stillvolumen) lag die maximale Alkoholkonzentration nach der zweiten Stillmahlzeit bei 0,004 g/kg KG (entspricht 0,0038 Promille). Das Trinken von 0,1 l Sekt über 30 Minuten, von 0,5 l alkoholfreiem Bier (≤ 0,5 Vol.-% Alkohol), Saft (≤ 0,08 Vol.-% Alkohol) oder NullkommaNull-Bier (0,01 Vol.-% Alkohol) ergeben wegen der deutlich geringeren Alkoholmengen im Vergleich zu 0,25 l Wein niedrigere Spitzenkonzentrationen im Blut der Mutter.
[…]
Die Gabe eines pflanzlichen Arzneimittels in der vom Hersteller angegebenen Dosierung führt zu einer maximalen Alkoholkonzentration von 0,015 g/kg (0,014 Promille) beim Neugeborenen (3 x 5 Tropfen) und von 0,015 g/kg (0,014 Promille) beim drei Monate alten Säugling (3 x 10 Tropfen) und erreicht damit deutlich höhere Blut- und Gehirnkonzentrationen als bei Aufnahme von Alkohol über Muttermilch.“

Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn ich bereit bin, meinem Stillkind ein Medikament zu geben, das Alkohol enthält, ihm nach Beikoststart Banane, Milchschnitte (ja, meine Kinder dürfen, mögen sie aber nicht) oder Apfelsaft gebe, dann muss ich nicht zwingend auf Alkohol in der Stillzeit verzichten. Und theoretisch wären sogar ein-zwei Gläser mehr drin, wenn man mal die Blutalkoholwerte beim Kind zwischen beschwipster Mutter und Arzneimittel vergleicht. Um letzteren Wert zu erreichen, müsste ich mir schon ganz schön einen Ansäuseln. Wenn ich dann an den nächsten Morgen denke… Näh! Da halte ich mich nicht nur wegen des Stillens zurück, sondern es reicht der Gedanke, verkatert zwischen den Kinden sitzen zu müssen, die bestimmt keine Rücksicht auf Mamas Helm nehmen.

Und bevor irgendwelche Moralapostel jetzt meinen, das wäre meine Ausrede, mich ständig hemmungslos zu besaufen: Nein. Während der Schwangerschaft und mit voll gestilltem Kind (Achtung, Wortwitz: Voll gestilltes Kind *harr harr*) war Alkoholkonsum immer tabu. Aber ich habe für mich entschieden, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich mir hin und wieder mal einen Tropfen gönne.  Und Abstillen muss deshalb schon lange nicht sein. In diesem Sinne, ob Sekt oder Selters:

Hoch die Tassen!

Miau! Ich habe mich übrigens als Katze verkleidet. Kratzbürstig wie ich bin.

Aus den Federn, Vögelchen!

Gestern habe ich mich recht allgemein über die theoretische Kooperationswilligkeit unserer Kinder ausgelassen. Wie ich schon schrieb, klappt das bei uns immer fast immer nie so gut, wie wir uns das wünschen. Es gibt Situationen, da klappt es tatsächlich einfach gar nicht. Vor allem morgens ist das hier so eine Sache. Fast die ganze Familie bewegt sich zwischen ausgeprägtem Langschläfertum (der weibliche Teil der Gesellschaft) und morgenmuffelndem Frühaufsteherdasein (der Sohn – von mir hat er das nicht!), nur der Vater vons Janze ist eine regelrechte Lerche und springt schon morgens um sechs relativ beschwingt aus dem Bett, um als Erstes mal überall die Fenster aufzureißen.

Frischluft ist ja ungeheuer wichtig. Relativ betrachtet jedenfalls. Der Rest der Familie nimmt es eher nach dem Motto: „Es ist noch keiner erstunken, aber erfroren sind schon viele!“, was bei den Kindern dafür sorgt, dass sich die schlechte Laune entweder noch steigert, oder aber die Haltung in eine hartnäckige Weigerung das Bett zu verlassen übergeht. Inzwischen sind wir dazu übergegangen das Lüff noch im Bett anzuziehen und meine Andeutung dem Mann gegenüber, dass es vielleicht hilfreich wäre, die Fenster bis zum Vollzug des Anziehens geschlossen zu halten, um den Temperaturausgleich vom warmen Bett in die Morgenluft für die Kinder etwas angenehmer zu gestalten, hat den Rockstar doch tatsächlich auf die Idee gebracht, man könne den Temperaturausgleich doch auch andersherum gestalten. Kühlakkus unter die Bettdecke. Dann würden die Kinder sich an die Kälte der winterlichen Frischluftzufuhr gewöhnen und auch schneller aus den Betten kommen. Ich glaube, ich werde dieses Wochenende die Praktikabilität seines Vorschlages einmal testen und bin gespannt, ob er die Idee noch immer für gut befindet, wenn ich sie unter seiner Decke von der Theorie in die Praxis umsetze. Aber ich schweife mal wieder ab…

Wo war ich? Ach ja. Das Lüff und das Anziehen. Wenn es gar nicht klappt, darf sie auch mal im Schlafanzug in die Kita. Wenn diese Vorgehensweise auch dem Ordnungssinn des Rockstars sehr widerstrebt. Diskussion gestern früh in etwa: Ich zum Kind: „Dann gehst du halt im Schlafi in die Kita.“ Er zu mir: „Das geht aber nicht!“ Ich zu ihm: Warum nicht?“ Er: „Weil ich das nicht gut finde!“ Ich: „Und du findest das jetzt so blöd, dass du deshalb einen Kampf mit ihr austragen möchtest? Viel Spaß!“ Er: „…“ Ich: „Ich packe ihr schonmal Anziehsachen für die Kita in den Rucksack. Und heute Abend geht sie angezogen ins Bett.“ Diskussion beendet. Mal ehrlich: Solange das Kind nicht friert, ist es mir pupsegal, was es trägt. Der Lüff war es doch nicht so egal. Sie hat sich in der Kita dann doch als Erstes schnell umgezogen.

Beim Krieger ist es inzwischen etwas einfacher. Solange man unseren Großen morgens nicht unter Druck setzt („Beeil dich! In fünf Minuten müssen wir los!“), prüddelt er so vor sich hin. Manchmal vergisst er dabei leider das Anziehen, so dass das Druckmachen unsererseits leider nicht ausbleibt, was wüstes Gebrüll zur Folge hat. Mein mehrfach vorgebrachter Vorschlag, das Frühstück auf nach dem Anziehen zu verschieben, um die morgenlichen Abläufe etwas zu entspannen, schlug bisher bei meinen Männern auf wenig Gegenliebe. Pyjamajunkies!

Solange ich kein Kind anziehen muss, das dabei immer wegläuft oder rumhampelt, bin ich am Morgen jedenfalls die Liebenswürdigkeit in Person. Jetzt im Winter läuft es also ganz gut, weil der Rockstar die Kinder aus den Betten schmeißt. Ich sehne mich dahingehend nicht gerade nach dem Frühling, wenn er wieder längere Arbeitszeiten hat und das nicht mehr übernehmen kann. Noch kann ich mit dem Effchen zu Hause bleiben. Wenn ich dann mit drei Kindern allein aus dem Haus muss und davon noch zwei in Jacken und Schuhe zwängen, dann hört der Spaß für mich auf. Ich bewundere jeden Menschen, der dabei ruhig bleiben kann. Aber bis dahin habe ich ja noch ein bißchen Zeit…

 

Undank ist der Welten Lohn

Vor längerer Zeit berichtete eine Mutter in ihrem Blog über einen Tag, den sie für ihr Kind freigeschaufelt hatte, der dann aber gar nicht so wurde wie geplant. Ich weiß nicht mehr, wo ich diesen Beitrag aufgeschnappt hatte. Irgendwo im Gesichtsbuch wurde jedenfalls kräftig kommentiert, und einige Mütter ließen sich darüber aus, wie schrecklich undankbar Kinder oft seien , und wie anstrengend es wäre, dass ihre Kinder doch eigentlich nie und überhaupt so gar nicht kooperieren würden, und dass es da doch normal und verständlich sei, wenn man als Mutter mal so richtig ausrastet. Mir brennt schon seitdem ich meine Antwort dort verfasst habe ein Beitrag über die, in meinen Augen sehr große, Kooperationsbereitschaft unserer Kinder in den Fingern. Aber lies vielleicht zuerst bei Schnuppismama  und meinen Perspektivwechsel dazu. Denn „Knupsi“ würde den Tag vermutlich so resümieren (und wenn du keine Lust auf meine imaginierte Kindersicht hast, dann lies einfach am Ende des eingerückten Absatzes weiter):

„Heute hat Mama mich schon viel früher als sonst aus der Kita abgeholt. Das war was ganz besonderes und ich hab mich total gefreut, weil sie sonst immer erst viiiiel später kommt. Leider konnte ich ihr das gar nicht so zeigen, denn wir sind direkt weiter in den Buchladen. Eigentlich war ich ja ganz schön kaputt von meinem Vormittag, ich hab ja so viel neues erlebt in der Kita, aber im Buchladen war es so aufregend. Ich wusste gar nicht, wo ich zuerst gucken sollte und bin von einem Regal zum anderen. Ich durfte mir auch was aussuchen. Das war gar nicht so einfach, bei den vielen tollen Büchern. Schließlich habe ich mich für ein Malbuch entschieden. Wie gut, dass Mama mir beim Aussuchen geholfen hat. Ich will ja nicht, dass sie ungeduldig wird. Sie hat ja immer so viel zu tun. Danach sind wir dann ohne Pause direkt weiter in die Bibliothek. So langsam hätte ich zwar eine Pause gebrauchen können, aber Bücher sind ja so was tolles und ich durfte mir auch noch welche ausleihen. Das fand ich ganz prima und ich hab mich total drauf gefreut mir gleich zu Hause alles in Ruhe anzugucken, weil in der Kuschelecke in der Bücherei entspannen, das ging dann leider nicht mehr. Aber das Angucken zu Hause hat dann auch nicht geklappt, weil wir schon so spät dran waren und meine Schwester von der Schule abholen mussten. Ich wollte ihr dann auch am liebsten sofort die tollen Bücher zeigen, die ich für uns ausgesucht hatte, aber das ging ja leider auch nicht, weil ihre Freundin mitgekommen ist und die großen Mädchen finden dann immer, dass ich sie störe. Dabei möchte ich doch eigentlich nur mitspielen, weil es alleine echt manchmal langweilig ist. Durfte ich aber mal wieder nicht. Da war ich ganz schön enttäuscht. Ich habe es mir aber nicht anmerken lassen, weil ich ja auch noch mein Malbuch hatte und Mama mir dann gesagt hat, ich könnte ihr beim Backen helfen. Puh, da hatte ich ganz schön viel zu tun, den ganzen Tag, und war abends ganz schön kaputt. Und irgendwie klappte dann alles gar nicht mehr so, wie ich wollte und meine Bücher konnte ich auch nicht lesen und irgendwie war das alles ganz schön blöd. Und dann hat Mama mich auch noch angeschrien, dass ich undankbar wäre, weil sie heute so viel für mich gemacht hätte. Dabei habe ich mich den ganzen Tag über so angestrengt, alles gut mitzumachen. Ich glaube, manchmal vergessen die Großen, wie klein wir eigentlich noch sind. Und das ist ganz schön schwer, nach so einem anstrengenden Tag fit und gut gelaunt zu bleiben. Und meine schlechte Laune dann nicht zu zeigen, das muss ich erst noch lernen. Das ist aber so schwer, das Mama das auch nicht immer schafft. Ich verstehe nur nicht, warum es ok ist, dass Mama dann genervt ist, aber ich Ärger bekomme. Aber das lerne ich bestimmt auch noch.“

Wie oft beschweren wir uns, dass unsere Kinder nicht richtig mitmachen und stur ihr eigenes Ding durchziehen, ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen (also uns Eltern, ganz speziell) und wir immer erst laut werden müssten, bevor die lieben Kleinen (die wir in solchen Situationen oft gar nicht so lieb haben) parrieren kooperieren. Und wie oft endet so eine Situation in schrecklichem Gezanke, mit frustrierten Eltern auf der einen und weinenden Kindern auf der anderen Seite. Aber muss es denn wirklich immer so weit kommen?

Nicht, dass du jetzt denkst, ich bin hier der Übermensch mit erhobenem Zeigefinger. Nein, gar nicht. Ich bin eine hitzköpfige, ungeduldige, temperamentvolle Mutter und es gibt genug Situationen, die mich dazu bringen, zu explodieren wie ein Schnellkochtopf. *bähmm* Aber ich finde dieses Verhalten bei mir selbst so schrecklich, dass ich versuche, dem aus dem Weg zu gehen, indem ich mir bewusst mache, ob die Ansprüche, die ich an meine Kinder stelle, gerade gerecht und gerechtfertigt sind. Oftmals sind sie das nämlich so gar nicht. Was wir Erwachsenen in unserem Alltagstrott und unserer zementierten Erfahrungswelt jedoch gern übersehen. Termindruck, Eile, wichtige Verabredungen, Ladenöffnungszeiten… für all das haben kleine Kinder noch kein Bewusstsein. Sie leben im Hier und Jetzt und ihre Welt besteht aus dem, was gerade ist, und ein Zeitempfinden entwickelt sich erst im Grundschulalter. Das Spiel ist ihre Arbeit und hat in ihren Augen die gleiche Priorität, wie unsere Anliegen. Kinder agieren nach dem Lustprinzip (was übrigens auch wir Erwachsenen tun, wenn uns die Möglichkeit dazu gegeben ist) und können nicht erkennen, weshalb unser Vorhaben wichtiger ist, als das was sie tun oder tun wollen. Trotz allem wollen unsere Kinder eigentlich kooperieren – wenn wir ihnen denn die Möglichkeit dazu geben.

Ich selbst versuche deshalb stets, meinen Kindern meine Pläne rechtzeitig mitzuteilen. So dass ich etwa am Vorabend schon sage, wenn es morgens eilig werden könnte. Oder ich sage ihnen, dass sie noch einen gewissen Zeitrahmen zum spielen hätten, dass sie mich dann aber unterstützen müssten. Beim Lüff bin ich oft erfolgreich, wenn ich sie auffordere mir durch ihre Kooperation zu helfen (z.B. „Du musst mir helfen und dich schnell anziehen lassen. Danach kannst du noch ein paar Minuten spielen.“). Meistens ist sie dann sehr engagiert bei der Sache. Aber natürlich nicht immer. Natürlich gibt es auch bei uns Tage, an denen so gar nichts zu klappen scheint. Bei fünf dickköpfigen Menschen bleibt das nicht aus. Wenn es dann doch einmal laut wird, dann halte ich  zwei Dinge für unabdingbar:

1. Ich werde niemals beleidigend!
Ich bin authentisch. Ich bin ein lauter Mensch und ich kann mich nicht verbiegen. So wie ich es meinem Kind gestatte Ärger und Wut zu zeigen, so erlebt es das auch von mir. Trotz allem versuche ich achtsam zu sein und mein Kind nicht durch mein Tun zu verängstigen. Ich bin keine Übermutter, die niemals schreit und halte es auch für falsch, dies nicht zu tun, denn in meinen Augen ist es existenziell mit negativen Gefühlen umgehen zu lernen. Aber ich brülle nicht, bis mein Kind – überspitzt gesagt – heulend und zitternd in der Ecke sitzt.

2. Ich bitte mein Kind um Entschuldigung.
Auch wenn ich der Meinung bin, dass es menschlich ist, laut zu werden, so ist es trotzdem eine unangenehme Verhaltensweise. Ich muss als Mutter nicht unfehlbar sein. Trotzdem muss ich eingestehen können, wenn ich Fehler gemacht habe. Wenn ich in der Lage bin aufrichtig um Verzeihung zu bitten, so lernt es (hoffentlich) auch mein Kind.

Und mal ganz ehrlich: Meist sind wir doch eigentlich diejenigen, die unkooperativ sind. Wir stellen unsere Kinder vor vollendete Tatsachen, ohne dass sie die Wahl haben. Wir planen ihren kompletten Tagesablauf durch, ohne sie zu fragen und wundern uns, dass sie irgendwann nicht mehr mitspielen. Respektieren wir doch unsere Kinder als gleichwertige Familienmitglieder, statt über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden. Lassen wir sie dort mitentscheiden, wo die Möglichkeit dazu besteht. Und wenn wir genau hinschauen, und mit ganz viel Fantasie versuchen in die Köpfe unserer Kinder zu schlüpfen, dann merken wir schnell, wie sehr sie sich bemühen uns zufrieden zu stellen. Seitdem wir nicht mehr so starre Rahmen ziehen, ist vieles bei uns entspannter und unsere Kinder erscheinen uns gar nicht mehr so undankbar. Am Ende sind vermutlich wir es, die undankbar sind.

Diese Wut ist doch echt zum Kotzen!

Gerade eben habe ich in der Gesichtsbuch-Timeline meines Mannes einen Post gelesen… Ich war versucht, in seinem Namen zu antworten. Kannste na klar nicht bringen. Und bei dem sicherlich lustig gemeinten Post jetzt einen bösen Kommentar drunter zu hauen, ist vielleicht auch nicht unbedingt angebracht. Vielleicht war ja auch alles ganz anders als ich es mir vorstelle. Da es aber meist ziemlich gleich abläuft, mache ich mir jetzt öffentlich Luft, in der Hoffnung, vielleicht den Ein oder Anderen zu erreichen.

Aber, worum geht es eigentlich? Darum:

Da ist also ein Kind in höchster emotionaler Not, in der es vermutlich allein gelassen wurde (was nicht sein muss, ich aber unterstelle, weil ein Kind, das emotional aufgefangen wird, keine halbe Stunde so schreit, bis es sich übergeben muss), und nicht nur, dass der Vater sich über das Verhalten seines Kindes mit so einem Post lustig macht, nein. Es folgen *haha*-Smileys als Reaktion und bissige Kommentare. In unserer Gesellschaft eine ziemlich normale Reaktion, oder? Das Kind schreit rum. Als Eltern versteht man den Grund nicht. Eigentlich interessiert er auch nicht so richtig. Kinder regen sich ja schnell mal auf. Und dann dieses Geschrei. Das nervt aber auch echt abartig. Und dann hört das Kind noch nichtmal, wenn man ihm sagt, es soll sich jetzt mal wieder einkriegen. Vermutlich haben wir dieses elterliche Verhalten alle mehr oder weniger in unserer Sozialisation so erlebt und sehen deshalb gar keine Alternative dazu, als dem Kind das Gefühl zu geben, es sei falsch mit seinem Gefühl der Wut.

Mir tut sowas weh. Und es macht mich wütend. Warum? Weil ich so ein Verhalten schrecklich empathielos finde. Weil es auch anders geht und gar nicht erst soweit kommen muss.

Stell dir einmal vor, du ärgerst dich grade furchtbar über irgendetwas. Vielleicht hast du dich mit deinem Partner gestritten. Oder du warst gerade mit etwas Schönem beschäftigt, und ein Freund reißt dir die Sachen, die du gerade hälst, aus der Hand. Vielleicht ein Buch, das du gerade gelesen hast. Oder dir wird gesagt, du müsstest das, was du tust sofort beenden, weil das, was dein Partner machen will, wichtiger wäre und du erkennst aber nicht, wieso es wichtiger sein soll. Egal was. Stell dir einfach dieses Gefühl vor, das dabei in deinem Bauch entsteht. Bestimmt fällt es dir in so einer Situation schwer, ruhig zu bleiben und nicht zu schreien. Dabei die richtigen Worte zu finden. Ich schätze, auch als Erwachsener fällt es dir schwer, deine Emotionen zu kontrollieren. Du wirst wütend. Aber so richtig. Wie lange brauchst du, bis die Wut nachlässt? 5 Minuten? 10? Vielleicht trägst du sogar deine Wut den halben Tag mit dir herum. Und nun stell dir vor, dein Gegenüber macht dazu noch blöde Bemerkungen, nach dem Motto „Nun stell dich mal nicht so an!“ oder „Was du schon wieder hast!“ oder noch besser: „Wenn du jetzt nicht endlich aufhörst, dann gibt es gleich richtig Ärger!“ Kommen dir diese Sprüche bekannt vor? Würden sie dir helfen? Oder würdest du respektiert werden wollen? Schließlich bist du ja ein erwachsener Mensch, der Respekt verdient hat.

Zu einem Erwachsenen würden wir so etwas kaum sagen. Wie leicht fällt es uns aber, unseren Kindern gegenüber solche Äußerungen zu treffen. Meist aus reiner Hilflosigkeit. Und aus Wut – über deren Wut. Aber nun stell dir einmal vor, du hättest noch nicht gelernt, deine Emotionen zu kontrollieren. Weil dieses Gefühl der Wut noch ziemlich neu für dich ist, und dich ganz unmittelbar trifft und du noch gar nicht weißt, wie du damit umgehen sollst. Kannst du dir vorstellen, wie wütend du sein müsstest, um so zu brüllen, dass du dich übergeben musst? Kannst du dir vorstellen, wie du dich da fühlen würdest? Vermutlich im wahrsten Sinne des Wortes „zum Kotzen“.

Was glaubst du, würde dir helfen aus dieser Wut heraus zu kommen? Ein Gegenüber, das dir sagt, oder wohlmöglich brüllt, du sollst endlich still sein? Jemand, der dich in deiner Verzweiflung, deiner seelischen Not, deiner Ohnmacht allein am Boden liegen lässt? Oder vielleicht eher jemand, der sich neben dich setzt, und dir das Gefühl gibt, dass er dich ernst nimmt?!

Du musst nicht wissen, warum dein Kind wütend ist. Oftmals ist es schwer, zu erkennen, was diese kleinen Wesen gerade so sehr bewegt. Aber es hilft, da zu sein. Dem Kind zu signalisieren: Ich bin bei dir. du bist nicht allein. Ich nehme dich ernst. Hilf deinem Kind dabei, das Gefühl zu benennen. „Du bist wütend, ich weiß. Vielleicht hilft es dir, wenn ich dich in den Arm nehme / vielleicht kannst du mir sagen, worüber du dich so ärgerst / vielleicht kann ich dir helfen, damit es dir besser geht?“ Warum fällt es uns eigentlich so schwer, unseren Kindern den Respekt entgegen zu bringen, den wir für uns selbst ganz selbstverständlich fordern? Warum machen wir uns im Gegenteil noch lustig? Seit wann ist aus Wut kotzen eine Phase?

Wir nennen das kindliche Verhalten eine „Phase“ – die Trotzphase. Was für ein schrecklicher, antiquierter Begriff! Allein damit zementieren wir schon unsere negative Haltung gegenüber dem Verhalten unserer Kinder. Ich finde das Wort Autonomiephase viel passender. Kleinkinder entdecken, dass sich ihre eigenen Wünsche von denen anderer unterscheiden. Sie müssen lernen, für ihre eigene Integrität einzustehen. Ihre Wünsche von denen anderer abzugrenzen. Lernen, Prioritäten zu setzen und Kompromisse zu schließen. Autonom zu werden. All das tun unsere Kinder für sich, aber niemals gegen uns. Unterstützen wir sie dabei!