Sowas sagt dir ja vorher auch kein Mensch!

Es gibt ja so Dinge, da bereitet dich keiner drauf vor, wenn du zum ersten Mal Mutter wirst. Im besten Falle schwebst du mit deiner Schwangerschaft auf Wolke Sieben (jedenfalls wenn du die Phase des frühschwangerschaftlichen Kotzens überwunden hast und von Rückenschmerzen und anderen Unannehmlichkeiten verschont bleibst) und es soll ja tatsächlich sogar Frauen geben, die allen Ernstes behaupten, die Schwangerschaft wäre die schönste Zeit in ihrem Leben. Ich halte das ja für eine dreiste Lüge, aber anderes Thema.  Ich habe ja in der ersten Schwangerschaft auch einen Geburtsvorbereitungskurs für völlig überflüssig gehalten, weil – naja, zum einen sind so regelmäßige Gruppendinger nicht so mein Ding, zum anderen lebte ich in dem festen Glauben, ich hätte in meiner Familie schon so viele Schwangerschaften mitbekommen, dass ich „sowas“ schlicht nicht nötig hätte. Hmmm… Schwerer Irrtum. Ich sag mal so: Das Erwachen wäre vielleicht nicht ganz so unsanft gewesen…

Als ich den Krieger nach fast 34 Stunden endlich glücklich und erschöpft in den Armen hatte, war eins der ersten Dinge, die die Hebamme mir sagte: „Kein Sex bis der Wochenfluss vorbei ist!“ Wie, Wochenfluss? „Ja, mindestens vier Wochen.“ Na toll. Vier Wochen bluten wie ein abgestochenes Schwein. Call me naive, aber ich hatte mir da nie Gedanken drüber gemacht, dass die riesige Plazenta ein ebenso großes Loch in meinem Uterus hinterlassen würde. Und in all den tollen Büchern und auf den einschlägigen Internetseiten, die ich gelesen hatte, wurde das auch nie thematisiert. Ebensowenig übrigens wie die Tatsache, dass nach der Geburt ein Rückbildungsgymnastikkurs nötig sein würde, damit mein Allerheiligstes, das nach 36 cm Babykopf zwar zum Glück nicht völlig zerfetzt, aber eben doch in Mitleidenschaft gezogen war, wieder einigermaßen elastisch und straff würde. Ich hoppelte also brav mit dem Krieger auf, neben und unter mir mit anderen Müttern auf Matten und Bällen herum und schwang die Beine durch die Luft und natürlich kam auch das zwangsläufige wir-müssen-uns-jetzt-auch-außerhalb-des-Kurses-verabreden-weil-wir-ja-alle-Babys-haben-und-uns-das-so-total-verbindet-deshalb-gründen-wir-jetzt-ne-Krabbelgruppe-Ding. Ach, was soll ich sagen. Die anderen Mütter waren zum Großteil echt nett, aber mal ehrlich: Die Tatsache Babys im gleichen Alter zu haben, ist einfach keine belastbare Grundlage, die zu ernstzunehmenden Freundschaften führt. Dementsprechend schnell verlief das natürlich auch im Sande. Aber ich schweife mal wieder ab.

In der zweiten Schwangerschaft war ich dann ganz unmotiviert, und war der Meinung, ich könnte den ganzen Turnkram auch allein rocken. Mit den Kenntnissen aus dem ja erst fast fünf Jahre zurückliegenden Kurs, einem Tischaufsteller von irgendeinem Babyproduktehersteller mit Übungen und der Unterstützung meiner zeitgleich schwangeren Freundin, die genauso unmotiviert war, einen Kurs zu besuchen wie ich, beschlossen wir, uns regelmäßig zu treffen und gemeinsam unseren Beckenboden wieder in Form zu bringen. Was soll ich sagen. Es blieb bei dem Entschluss. Aber immerhin kaufte ich mir diese hübschen, kleinen, bunten Kugeln aus der Drogerie. Vier unterschiedliche Gewichte, einfach einführen, und dann klappt es mit dem Beckenboden wie von selbst. Öhm… ja. Nachdem mein Kauf mit den Worten „Oh, die hab ich mir auch gekauft. Die sind mir direkt rausgefallen.“, kommentiert wurde, war ich ja etwas verunsichert. Dazu dann diese Anekdoten von Salami im Hausflur, die man im Laufe seines Lebens immer mal wieder hört. Aaah! Panik! Ja, nee. Also, die Dinger haben gehalten. Und mein Mann lobte mich auch nach kurzer Zeit wieder für meine Muskelspannung.

Quelle: Elanee/PR

Tut er übrigens auch jetzt noch, nachdem ich Kind Nummer drei auf die Welt gebracht habe. Ich war dieses Mal auch ganz brav wieder in so ’nem Turnkurs. Aber ganz ehrlich: Ich glaube, irgendwann nützt das fleißigste Training nix mehr. Ist halt nicht nur die Beckenbodenmuskulatur, die unter der Schwangerschaft und Entbindung leidet. Ist ja auch so, dass die inneren Organe mal lustig durch die Gegend geschoben werden, nach oben, nach unten und zur Seite wandern, um dem Wesen, dass sich da in deinem Bauch ausbreitet, Platz zu machen. Ich hab jedenfalls seitdem ich Kinder bekommen habe, dieses unglaublich tolle Phänomen, dass ich des Öfteren auch zweimal hintereinander zum Klo rennen kann. Gebärmutter mitsamt Blase gekippt. Ich schaukel, sehr zur Belustigung meines Mannes, auf dem Klo nun hin und her, um auch den letzten Tropfen rauszupressen.  Und wenn die Hektik des Alltags das nicht zulässt, dass schwappt es eben nach. Plitsch, platsch Pinguin… A propos plitsch, platsch: Meine besondere Dankbarkeit richtet sich ja an den Erfinder der modernen Slipeinlage. Modell extralang, mit Frischeduft. Während ich dieses Alltagshelferlein als junge Frau noch für überflüssige Spielerei hielt, kann ich als alter Hase nur noch wissend die Augenbraue heben und weiß inzwischen, dass „überflüssig“ auch ganz wortwörtlich genommen werden kann. Stichwort Ups-Momente. Lachen, husten, hüpfen, heben – eigentlich kannste nix mehr machen, ohne Gefahr zu laufen, dich minder bis mittelschwer zu blamieren, wenn dein Nachwuchs dein Becken erstmal passiert hat. Früher gab’s bei uns den Spruch „Ich hab vor Lachen Pipi in den Augen!“ Frau nickt da nur und lächelt milde: „Tja, nicht nur in den Augen!“

Nix beschreien!

Ich hab’s mal wieder getan. Meinen Mund zu weit aufgerissen. Letzten Sonntag auf dem Spielplatz, als die ersten Frühlingssonnenstrahlen mich dazu verleiteten den warmen Wintermantel am Haken hängen zu lassen und meine coole Lederjacke endlich wieder aus der Dunkelheit der letzten Ecke meines Kleiderschrankes zu befreien. Und ich war so verdammt cool. Und verwegen. Ich ging offen. Echt jetzt. Mit offener Jacke auf den Siedlungsspielplatz. Ich hab auch gar nicht gefroren. Solange ich in der Sonne stand. Und mich bewegt habe. Stark. Zitternd. Die Arme um den Oberkörper geschlungen. Na gut. Ich bin nach einer halben Stunde wieder rein und habe meinen Wintermantel geholt. Aber ohne Schal. Jedenfalls haben wir Mütter uns gefreut, dass es wieder wärmer wird. Und da ist es passiert. Ich habe es beschrieen. Ich war nämlich so doof auszusprechen, wie froh ich darüber wäre, dass ich diesen Winter ohne schwerere Erkältungen bezwungen hätte. Und da ist es passiert. Zack.

Montag morgen wurde ich wach und er war da. Der Husten der Saison. Schüttelfrost. Gelenkschmerzen. Das volle Brett. Und zum Glück konnte der Rocker den Krieger die Woche über zur Schule bringen. Aber ums Lüff zur Kita zu fahren, fehlt ihm ab jetzt wegen seiner gestaffelten Arbeitszeiten die Zeit. Während ich also bellend im Bett lag und überlegte, ob es anstrengender wäre unser wildes Mädchen zur Kita zu bringen oder mich selbst nicht nur ums Effchen, sondern auch um sie zu kümmern, erledigte sich die Frage von selbst. Auch das Lüff klagte über Unwohlsein. Na, prima. Nachmitttags habe ich mich sogar überwunden und meine Eltern um Hilfe gebeten. Du weißt ja, das Dorf, das man sich schaffen muss. Und mein Vater bot spontan auch an, am nächsten Vormittag die 120 km zu uns runter zu rocken und so lange zu bleiben, bis ich wieder einigermaßen auf dem Damm wäre. Juhuu! Daddy, I love you so!

Am Dienstag klingelte mein Telefon ziemlich früh. Am anderen Ende hustete und röchelte es ähnlich. „Ach nee, Papa“, entschied ich mich. „So darfst du dann doch lieber zu Hause bleiben.“ Wenn er auch motiviert war. Auf Bazillencocktail hatte ich dann aber keinen Bock. Es wäre ja auch zu schön gewesen, gleich vom neuen Lebensabschnitt meines Vaters als Rentner profitieren zu können. Der Rockstar konnte im Büro ein genervtes Seufzen kaum unterdrücken, den zweiten halben Urlaubstag zu opfern. Aber wat mott, dat mott (Hdt.: was muss, das muss)! Mittwoch bis Freitag war das Heimkommen des Kriegers geregelt. Wenigstens darum musste ich mir keine Sorgen machen. Im Laufe der Woche fing das Lüff an sich zu übergeben, wurde es besser, um dann wieder mit voller Wucht zurück zu kommen. Und kaum ging es bei ihr einigermaßen aufwärts, ging der ganze Mist beim Effchen auch los. BINGO! Wir drei Mädels haben also die ganze Woche gemeinsam krank vertrödelt. Erfahrungsgemäß haben kleinere Kinder ja durchaus auch mal hochenergetische Phasen, so, trotz Krankheit. Egal wie schlimm die nun ist. Ich hab mich mit Hilfe von Peppa Wutz und Kikaninchen einigermaßen durch die Woche geschleppt und mich gefreut, mich heute, am Wochenende, mit dem Rockstar daheim, endlich ins Bett packen zu können. Naja, hat so semi-gut geklappt. Ist mit drei Kindern irgendwie utopisch.

Oh, was vermisse ich die Tage, als ich als Single einsam und allein in meinem Bett im WG-Zimmer vor mich hinrotten konnte, umgeben von einem wachsenden Berg vollgerotzter Taschentücher, in die Küche schlurfte, mit chinesischer Nudelsuppe bewaffnet zurück ins Bett kroch, vor mich hinschniefen, -husten und -jammern konnte, ohne dass irgendjemand im fünfminuten Takt irgendwas von mir wollte und mich aus meiner Krankheits-Comfort-Zone aufscheuchte – hach, was waren das für Zeiten. Da konnte man seinen desolaten Zustand noch zelebrieren.

Heutzutage ist das ja eher so, dass ich verständnislose Blicke vom Rockstar ernte, als er beim Abendessen sagt, dass er dann nächste Woche bestimmt auch krank ist, wo wir doch jetzt bis auf ihn und den Krieger alle krank sind und ich ihm daraufhin versichere, er könne sich meines vollen Neides gewiss sein. „Warum denn, das?“, will er daraufhin wissen; aber sein Verstehen wird nicht größer, als ich antworte: „Weil du dich dann ins Bett legen und auskurieren kannst!“ Vielleicht sollte ich ihn im Fall der Fälle, wenn er dann zu Hause ist, mit den Kindern zu Hause allein lassen und ganz in Ruhe einkaufen gehen. Bestimmt versteht er dann.

Vater, Mutter, Kind

Münstermama schrieb kürzlich vom Traum oder Alptraum der „klassischen“ Rollenverteilung in der Familie und da juckte es mir direkt in den Fingern zu antworten, denn zur Zeit ist es das Modell, das wir mehr oder weniger in unserer Familie leben.

Die klassische Rollenverteilung – gar nicht so unemanzipiert

Warum weniger? Weil ich das Glück habe, dass der Rockstar ein sehr emanzipierter Mann ist und die klassische Rollenverteilung in der Realität hier gar nicht so anti-feministisch ist, wie die Theorie vermuten lässt, denn unser Alltag sieht doch schon etwas anders aus, als die arbeitenden Mamas sich das vorstellen und uns „Hausmütterchen“ gerne unterstellen. Wie oft liest man in Zeitschriften, Blogs oder Diskussionen in sozialen Medien den unterschwelligen Vorwurf, wer als Mutter zu Hause bei den Kindern bleibt, wäre unemanzipiert, nur zu faul, arbeiten zu gehen, würde sich vom Mann abhängig machen oder sich aushalten lassen oder gar der Gesellschaft auf der Tasche liegen.

Ganz ehrlich: Ich bin es so leid! Es ist nicht etwa so, dass ich das Gefühl hätte, mich für unser Lebensmodell rechtfertigen zu müssen (in meinem Freundeskreis erfahre ich hierzu keine Kritik und die Meinung fremder Menschen kratzt mich persönlich herzlich wenig), aber es gibt so viele Faktoren, die dazu führen, dass Familien sich für dieses Modell entscheiden und ich finde es gegenüber den unzähligen Frauen, die sich tagtäglich zu Hause ihren Allerwertesten aufreißen, unsagbar unfair, dass es Frauen (sic!) gibt, die sich auf ein hohes Ross schwingen, weil sie Erwerbsarbeit nachgehen und glauben, sie würden deshalb ein feministischeres, wertvolleres Leben führen, als diejenigen, die das nicht tun. Meiner Ansicht nach kann ein Lebensmodell, für das ich mich frei entscheide, gar nicht unemanzipiert sein. Oder anders formuliert, ich bin nicht automatisch unemanzipiert (wer mich kennt, weiß, dass das extreme Gegenteil der Fall ist), weil ich mich dafür entschieden habe, während meine Kinder klein sind, keiner Erwerbsarbeit nachzugehen. Unemanzipiert sind da, wenn man es genau nimmt, unsere Gesellschaft und die Arbeitgeber, die es verhindern, oder doch zumindest erschweren, dass Männer sich für ein Leben als Hausmann entscheiden – sei es, weil diese Rolle gesellschaftlich doch noch sehr verpöhnt ist; sei es, weil die Gender-Pay-Gap dazu führt, dass es für das finanzielle Auskommen der Familie von Nachteil ist, wenn sie statt auf das Vollzeiteinkommen der Frau auf das des Mannes verzichtet.

Im Gegensatz zu meinem Mann bin ich selbst wenig klassisch aufgewachsen. Als Baby und Kleinkind hatte mein Vater die Rolle des Hausmannes übernommen. Während er sich darin versuchte, seinen Traum vom Leben als freischaffender Künstler zu verwirklichen, ging meine Mutter arbeiten und war, unter der Woche oft auf Montage, meist nur am Wochenende anwesend. Mit Beginn der Schulzeit trat auch mein Vater wieder in die Erwerbsarbeit ein. Erst halbtags, recht schnell dann aber auch Vollzeit und ich wurde schon früh zum Schlüsselkind. Obwohl meine Großeltern in der Nähe wohnten, war ich als Einzelkind nach der Schule oft allein und habe mich nach einer „richtigen“ Familie gesehnt. Deshalb war es mir schon in meiner Kindheit klar, dass ich als Hausfrau bei meinen Kindern bleiben wollte, sollte ich denn einmal Mutter werden.

„Sei die Person, die du gebraucht hättest, als du noch jünger warst.“

Wir leben in unserer Familie bedürfnisorientiert. Das bedeutet, dass auf die Bedürfnisse aller Familienmitglieder Rücksicht genommen wird. Allein diese Tatsache verhindert unserer Ansicht nach, dass wir beide vollzeit bzw. im Augenblick ich auch nur teilzeit Erwerbstätig sind. Denn eine Abwesenheit beider Elternteile widerspräche zum jetzigen Zeitpunkt und Entwicklungsstand unserer jüngsten Kinder ihrem Bedürfniss nach Nähe zu wenigstens einer ihrer engsten Bezugspersonen. In dieses Lebensmodell sind wir mit jedem Kind nach und nach hineingewachsen. Der Krieger ging schon mit anderthalb Jahren zur Tagesmutter und kam mit drei in die KiTa. Auch weil ich damals das Gefühl hatte, ich müsse mich selbst verwirklichen (inwiefern das möglich ist, wenn man für jemand anderen die Arbeit tut, sei mal dahin gestellt) und dürfe mich von meinem Mann nicht abhängig machen. Als das Lüff ein paar Jahre später zu uns kam, war mir klar, dass ich das so nicht nochmal wollte, denn dem Krieger war schon anzumerken, dass er das ein oder andere Mal massiv darunter litt, nicht bei mir sein zu dürfen. Eigentlich wollten wir unser großes Mädchen erst mit drei in die KiTa schicken, aber das Lüff ist ein ganz anderes Kaliber als ihr großer Bruder und so geht sie nun auch schon seit fast einem Jahr meist mit Begeisterung in ihre KiTa. Aber es gibt sie halt die Tage, an denen sie zu Hause bleiben möchte, an denen sie meine Nähe braucht und da ist es gut und wichtig, dass sie nicht das Gefühl hat, abgeschoben zu werden und bleiben darf, bei ihrer Mama und dem Effchen.

Klassisches Familienmodell aus sozialem Zwang

Wie oben schon erwähnt, war auch die finanzielle Frage ausschlaggebend für unsere Entscheidung, dass ich zu Hause bleibe und nicht der Rockstar. Mein Mann war schon lange in einer Vollzeitstelle engagiert, während ich noch meinem Langzeitstudium nachhing und dieses durch einen Halbtagsjob in der selben Firma finanzierte, als ich mit dem Krieger schwanger wurde. Natürlich blieb ich dann in Elternzeit zu Hause. Bei aller Emanzipation ist so eine Entscheidung schlichtweg logisch. Nachdem ich nach der Elternzeit wieder in meinen Halbtagsjob zurück gegangen war, bot unser Chef mir nach einiger Zeit eine Stelle als Key Account Managerin in seiner anderen Firma. Leider entsorgte er mich mit meiner zweiten Schwangerschaft ganz elegant aus diesem Betrieb und durch die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit mit meinem Arbeitgeber machte, stand für mich fest, dass ich nach Möglichkeit nie wieder in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis stehen wollte. Für mich ist unsere Familie zum jetzigen Zeitpunkt also auch ein tolles Sprungbrett in die Selbstständigkeit, die ich derzeit noch hobbymäßig betreibe, aber für die Zukunft auf jeden Fall weiter ausbauen möchte.

Ich fühle mich nicht abhängig von meinem Mann. Wenn es auch einige Zeit gebraucht hat, bis ich es so sehen konnte, da war er viel schneller als ich: Wir sind eine Gemeinschaft und nur weil er das Glück hat, für seine Arbeit bezahlt zu werden, heißt das nicht, dass meine Arbeit weniger wert wäre. Er käme niemals auf die Idee mir den Geldhahn abzudrehen (Wehe ihm!) und unsere Entscheidungen treffen wir natürlich völlig gleichberechtigt. Denn wäre die Ausgangslage eine Andere gewesen, so wäre es für den Rockstar und mich auch vorstellbar gewesen ein ganz anderes Modell zu leben. Er als Hausmann etwa, oder wir beide in Teilzeit. Wir verzichten dadurch, dass nur einer von uns Erwerbstätig ist auf viel. Vor allem finanziell ist es eine große Einschränkung und nicht umsonst heißt es, dass Kinder ein Garant für Armut in unserem Land sind. So haben wir zum Beispiel seit vier Jahren keinen Urlaub mehr machen können. Aber das ist unser Luxus. Wir haben vielleicht wenig Geld – dafür haben wir Zeit.

Immer zu Hause und doch nie Zeit

Obwohl… Nein, Zeit hat man mit drei Kindern nie. Die Arbeit hört nie auf, fast täglich muss der Rockstar, wenn er von der Arbeit kommt, auch noch einen Teil der Hausarbeit übernehmen, weil ich vor lauter Wäsche waschen, aufräumen, Kinder kutschieren und co. doch mal wieder den Einkauf nicht geschafft habe oder die Bude noch gesaugt werden muss. Die Hausfrau, die in der blitzblank geputzten Küche ihre Nägel lackiert, ist ein herer Traum, aber eben nur das – ein Traum. Und so streiten auch wir darüber, wie die Handtücher gefaltet werden, weil ich die Wäscheberge eben nicht allein bezwingen muss, und wir können abends nicht ständig kuschelnd auf dem Sofa liegen (schön wär’s). Und langweilig wird es uns übrigens auch nie. Zum Einen habe auch ich noch viele Interessen neben Haus und Kindern. Meistens fehlt uns aber einfach die Zeit.