Mein Körper! Meine Entscheidung! Gegen den 1000 Kreuze Marsch!

Als ich heute morgen beim Frühstück Radio hörte, kam eine Meldung, die mich erschreckte:

Ab Sommer wird es vorraussichtlich keinen Arzt mehr in Münster geben, der Abtreibungen durchführt.

Damit wird auch für die betroffenen Frauen unserer Region Realität, was in anderen Bereichen der Republik längst traurige Wahrheit ist. Eine Abtreibung in Wohnortnähe wird damit nicht mehr möglich sein und den Frauen, die diesen sowieso schon schweren und belastenden Weg gehen wollen oder müssen, wird zusätzlich ein weiterer Stein in den Weg gelegt.

Aber hey! Geht es hier nicht um Familie, Kinder, bedürfnisorientiert und so Zeug? Ganz genau. Und deshalb schreibe ich an dieser Stelle über dieses schwierige Thema. Weil ich zur letzten Generation gehöre, die die Auseinandersetzung um § 218 noch ganz aktuell wahrgenommen hat. Weil ich Frauen kenne, die damals über die Grenze in die Niederlande mussten, weil sie sich in einer für sie ausweglosen Situation befanden. Weil diese Frauen sich strafbar machten, als sie sich bedürfnisorientiert für ihr eigenes Leben, für ihre schon bestehende Familie und gegen ein weiteres Kind entschieden haben. Jahrzehnte (eigentlich Jahrtausende) lang haben Frauen um das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper kämpfen müssen, und müssen es auf moralischer Ebene noch immer. Für mich selbst wäre ein Schwangerschaftsabbruch nie in Frage gekommen. Jedes meiner Kinder ist sehnlichst gewünscht. Aber wer bin ich, meine Entscheidung über die Entscheidung einer anderen Frau zu stellen. Keine Frau trifft so eine Entscheidung leichtfällig, und jede Frau, die diesen Weg geht, muss ihr Leben lang mit den Konsequenzen leben. Als mündiger Mensch muss das das gute Recht einer jeden Frau sein und bleiben.

Noch immer ist Abtreibung nicht legal, sondern lediglich straffrei. Abtreibungsgegner imaginieren einen unkontrollierten Anstieg von Schwangerschaftsabbrüchen durch die aktuelle Gesetzeslage. Tatsächlich sind die Zahlen seit Jahrzehnten relativ konstant. Sie sind seit Einführung der Beratungspflicht sogar rückläufig (zumindest, wenn man den Zahlen glauben schenken kann, die ich auf die Schnelle ergoogeln konnte). Durch eine Rücknahme der Straffreiheit kann also kein Rückgang von Abbrüchen erwartet werden. Im Gegenteil. Wenn man der Statistik trauen kann, dann sorgt die derzeitige gesetzliche Regelung für einen größeren Schutz des ungeborenen Lebens, als ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen es tun würde. Es gab immer Gründe, warum eine Frau eine Schwangerschaft nicht austragen kann oder will, und es wird sie immer geben. Und diese Gründe sind stärker als ein Verbot und Strafen. Diese Gründe sind manchmal so stark, dass Frauen in der nicht allzu fernen Vergangenheit, und auch heutzutage, in nicht allzu fernen Ländern, ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, nur um ein Kind nicht austragen zu müssen. Es kann nicht sein, dass wir Frauen auch im 21. Jahrhundert noch immer bevormundet und gegängelt werden, wenn es um Entscheidungen geht, die wir im Zusammenhang mit unserem Körper, mit unserem Leben, treffen. Es kann nicht sein, dass Frauen unterstellt wird, sie würden ungeborenes Leben leichtfertig und aus Jux und Dollerei wegwerfen. Es kann nicht sein, dass Frauen, die sich entscheiden, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen, wenn man sie schon strafrechtlich nicht angehen kann, sie doch zumindest durch das unnötige Erschweren eines solchen Ganges, psychisch wie moralisch abstraft.

Am kommenden Samstag laufen ein paar ewig Gestrige durch diese Stadt, die genau das wollen. Menschen, die das von uns Frauen mühsam erkämpften Recht auf freiheitliche Selbstbestimmung, Mündigkeit und körperliche Integrität einschränken wollen. Menschen, denen es egal ist, dass Frauen bei nicht fachgerecht ausgeführten Schwangerschaftsabbrüchen ihr Leben aufs Spiel setzen. Menschen, die den Schutz des ungeborenen Lebens über den Schutz des Lebens der Frau stellen – um jeden Preis – und ihre Bewegung dabei „Pro Life“ – „Für das Leben“ nennen. An Zynismus und Menschenverachtung meiner Meinung nach kaum zu überbieten.

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Münster organisiert einen Gegenprotest am kommenden Samstag, den 17.März 2018, der um 13.30 Uhr mit einer Demo ab Hauptbahnhof startet und ab 14.30 Uhr auf dem Prinzipalmarkt weitergeht.

Wenn du nicht möchtest, dass der Drahtbügel wieder zum Symbol der Frauenbewegung wird: Sei dabei!

 

 

 

 

 

 

 

Aus den Federn, Vögelchen!

Gestern habe ich mich recht allgemein über die theoretische Kooperationswilligkeit unserer Kinder ausgelassen. Wie ich schon schrieb, klappt das bei uns immer fast immer nie so gut, wie wir uns das wünschen. Es gibt Situationen, da klappt es tatsächlich einfach gar nicht. Vor allem morgens ist das hier so eine Sache. Fast die ganze Familie bewegt sich zwischen ausgeprägtem Langschläfertum (der weibliche Teil der Gesellschaft) und morgenmuffelndem Frühaufsteherdasein (der Sohn – von mir hat er das nicht!), nur der Vater vons Janze ist eine regelrechte Lerche und springt schon morgens um sechs relativ beschwingt aus dem Bett, um als Erstes mal überall die Fenster aufzureißen.

Frischluft ist ja ungeheuer wichtig. Relativ betrachtet jedenfalls. Der Rest der Familie nimmt es eher nach dem Motto: „Es ist noch keiner erstunken, aber erfroren sind schon viele!“, was bei den Kindern dafür sorgt, dass sich die schlechte Laune entweder noch steigert, oder aber die Haltung in eine hartnäckige Weigerung das Bett zu verlassen übergeht. Inzwischen sind wir dazu übergegangen das Lüff noch im Bett anzuziehen und meine Andeutung dem Mann gegenüber, dass es vielleicht hilfreich wäre, die Fenster bis zum Vollzug des Anziehens geschlossen zu halten, um den Temperaturausgleich vom warmen Bett in die Morgenluft für die Kinder etwas angenehmer zu gestalten, hat den Rockstar doch tatsächlich auf die Idee gebracht, man könne den Temperaturausgleich doch auch andersherum gestalten. Kühlakkus unter die Bettdecke. Dann würden die Kinder sich an die Kälte der winterlichen Frischluftzufuhr gewöhnen und auch schneller aus den Betten kommen. Ich glaube, ich werde dieses Wochenende die Praktikabilität seines Vorschlages einmal testen und bin gespannt, ob er die Idee noch immer für gut befindet, wenn ich sie unter seiner Decke von der Theorie in die Praxis umsetze. Aber ich schweife mal wieder ab…

Wo war ich? Ach ja. Das Lüff und das Anziehen. Wenn es gar nicht klappt, darf sie auch mal im Schlafanzug in die Kita. Wenn diese Vorgehensweise auch dem Ordnungssinn des Rockstars sehr widerstrebt. Diskussion gestern früh in etwa: Ich zum Kind: „Dann gehst du halt im Schlafi in die Kita.“ Er zu mir: „Das geht aber nicht!“ Ich zu ihm: Warum nicht?“ Er: „Weil ich das nicht gut finde!“ Ich: „Und du findest das jetzt so blöd, dass du deshalb einen Kampf mit ihr austragen möchtest? Viel Spaß!“ Er: „…“ Ich: „Ich packe ihr schonmal Anziehsachen für die Kita in den Rucksack. Und heute Abend geht sie angezogen ins Bett.“ Diskussion beendet. Mal ehrlich: Solange das Kind nicht friert, ist es mir pupsegal, was es trägt. Der Lüff war es doch nicht so egal. Sie hat sich in der Kita dann doch als Erstes schnell umgezogen.

Beim Krieger ist es inzwischen etwas einfacher. Solange man unseren Großen morgens nicht unter Druck setzt („Beeil dich! In fünf Minuten müssen wir los!“), prüddelt er so vor sich hin. Manchmal vergisst er dabei leider das Anziehen, so dass das Druckmachen unsererseits leider nicht ausbleibt, was wüstes Gebrüll zur Folge hat. Mein mehrfach vorgebrachter Vorschlag, das Frühstück auf nach dem Anziehen zu verschieben, um die morgenlichen Abläufe etwas zu entspannen, schlug bisher bei meinen Männern auf wenig Gegenliebe. Pyjamajunkies!

Solange ich kein Kind anziehen muss, das dabei immer wegläuft oder rumhampelt, bin ich am Morgen jedenfalls die Liebenswürdigkeit in Person. Jetzt im Winter läuft es also ganz gut, weil der Rockstar die Kinder aus den Betten schmeißt. Ich sehne mich dahingehend nicht gerade nach dem Frühling, wenn er wieder längere Arbeitszeiten hat und das nicht mehr übernehmen kann. Noch kann ich mit dem Effchen zu Hause bleiben. Wenn ich dann mit drei Kindern allein aus dem Haus muss und davon noch zwei in Jacken und Schuhe zwängen, dann hört der Spaß für mich auf. Ich bewundere jeden Menschen, der dabei ruhig bleiben kann. Aber bis dahin habe ich ja noch ein bißchen Zeit…

 

Diese Wut ist doch echt zum Kotzen!

Gerade eben habe ich in der Gesichtsbuch-Timeline meines Mannes einen Post gelesen… Ich war versucht, in seinem Namen zu antworten. Kannste na klar nicht bringen. Und bei dem sicherlich lustig gemeinten Post jetzt einen bösen Kommentar drunter zu hauen, ist vielleicht auch nicht unbedingt angebracht. Vielleicht war ja auch alles ganz anders als ich es mir vorstelle. Da es aber meist ziemlich gleich abläuft, mache ich mir jetzt öffentlich Luft, in der Hoffnung, vielleicht den Ein oder Anderen zu erreichen.

Aber, worum geht es eigentlich? Darum:

Da ist also ein Kind in höchster emotionaler Not, in der es vermutlich allein gelassen wurde (was nicht sein muss, ich aber unterstelle, weil ein Kind, das emotional aufgefangen wird, keine halbe Stunde so schreit, bis es sich übergeben muss), und nicht nur, dass der Vater sich über das Verhalten seines Kindes mit so einem Post lustig macht, nein. Es folgen *haha*-Smileys als Reaktion und bissige Kommentare. In unserer Gesellschaft eine ziemlich normale Reaktion, oder? Das Kind schreit rum. Als Eltern versteht man den Grund nicht. Eigentlich interessiert er auch nicht so richtig. Kinder regen sich ja schnell mal auf. Und dann dieses Geschrei. Das nervt aber auch echt abartig. Und dann hört das Kind noch nichtmal, wenn man ihm sagt, es soll sich jetzt mal wieder einkriegen. Vermutlich haben wir dieses elterliche Verhalten alle mehr oder weniger in unserer Sozialisation so erlebt und sehen deshalb gar keine Alternative dazu, als dem Kind das Gefühl zu geben, es sei falsch mit seinem Gefühl der Wut.

Mir tut sowas weh. Und es macht mich wütend. Warum? Weil ich so ein Verhalten schrecklich empathielos finde. Weil es auch anders geht und gar nicht erst soweit kommen muss.

Stell dir einmal vor, du ärgerst dich grade furchtbar über irgendetwas. Vielleicht hast du dich mit deinem Partner gestritten. Oder du warst gerade mit etwas Schönem beschäftigt, und ein Freund reißt dir die Sachen, die du gerade hälst, aus der Hand. Vielleicht ein Buch, das du gerade gelesen hast. Oder dir wird gesagt, du müsstest das, was du tust sofort beenden, weil das, was dein Partner machen will, wichtiger wäre und du erkennst aber nicht, wieso es wichtiger sein soll. Egal was. Stell dir einfach dieses Gefühl vor, das dabei in deinem Bauch entsteht. Bestimmt fällt es dir in so einer Situation schwer, ruhig zu bleiben und nicht zu schreien. Dabei die richtigen Worte zu finden. Ich schätze, auch als Erwachsener fällt es dir schwer, deine Emotionen zu kontrollieren. Du wirst wütend. Aber so richtig. Wie lange brauchst du, bis die Wut nachlässt? 5 Minuten? 10? Vielleicht trägst du sogar deine Wut den halben Tag mit dir herum. Und nun stell dir vor, dein Gegenüber macht dazu noch blöde Bemerkungen, nach dem Motto „Nun stell dich mal nicht so an!“ oder „Was du schon wieder hast!“ oder noch besser: „Wenn du jetzt nicht endlich aufhörst, dann gibt es gleich richtig Ärger!“ Kommen dir diese Sprüche bekannt vor? Würden sie dir helfen? Oder würdest du respektiert werden wollen? Schließlich bist du ja ein erwachsener Mensch, der Respekt verdient hat.

Zu einem Erwachsenen würden wir so etwas kaum sagen. Wie leicht fällt es uns aber, unseren Kindern gegenüber solche Äußerungen zu treffen. Meist aus reiner Hilflosigkeit. Und aus Wut – über deren Wut. Aber nun stell dir einmal vor, du hättest noch nicht gelernt, deine Emotionen zu kontrollieren. Weil dieses Gefühl der Wut noch ziemlich neu für dich ist, und dich ganz unmittelbar trifft und du noch gar nicht weißt, wie du damit umgehen sollst. Kannst du dir vorstellen, wie wütend du sein müsstest, um so zu brüllen, dass du dich übergeben musst? Kannst du dir vorstellen, wie du dich da fühlen würdest? Vermutlich im wahrsten Sinne des Wortes „zum Kotzen“.

Was glaubst du, würde dir helfen aus dieser Wut heraus zu kommen? Ein Gegenüber, das dir sagt, oder wohlmöglich brüllt, du sollst endlich still sein? Jemand, der dich in deiner Verzweiflung, deiner seelischen Not, deiner Ohnmacht allein am Boden liegen lässt? Oder vielleicht eher jemand, der sich neben dich setzt, und dir das Gefühl gibt, dass er dich ernst nimmt?!

Du musst nicht wissen, warum dein Kind wütend ist. Oftmals ist es schwer, zu erkennen, was diese kleinen Wesen gerade so sehr bewegt. Aber es hilft, da zu sein. Dem Kind zu signalisieren: Ich bin bei dir. du bist nicht allein. Ich nehme dich ernst. Hilf deinem Kind dabei, das Gefühl zu benennen. „Du bist wütend, ich weiß. Vielleicht hilft es dir, wenn ich dich in den Arm nehme / vielleicht kannst du mir sagen, worüber du dich so ärgerst / vielleicht kann ich dir helfen, damit es dir besser geht?“ Warum fällt es uns eigentlich so schwer, unseren Kindern den Respekt entgegen zu bringen, den wir für uns selbst ganz selbstverständlich fordern? Warum machen wir uns im Gegenteil noch lustig? Seit wann ist aus Wut kotzen eine Phase?

Wir nennen das kindliche Verhalten eine „Phase“ – die Trotzphase. Was für ein schrecklicher, antiquierter Begriff! Allein damit zementieren wir schon unsere negative Haltung gegenüber dem Verhalten unserer Kinder. Ich finde das Wort Autonomiephase viel passender. Kleinkinder entdecken, dass sich ihre eigenen Wünsche von denen anderer unterscheiden. Sie müssen lernen, für ihre eigene Integrität einzustehen. Ihre Wünsche von denen anderer abzugrenzen. Lernen, Prioritäten zu setzen und Kompromisse zu schließen. Autonom zu werden. All das tun unsere Kinder für sich, aber niemals gegen uns. Unterstützen wir sie dabei!

Time to say Good bye!

Seit neuestem gibt es bei uns ein Lieblingswort. Also, nicht bei uns allen. Beim Effchen. Effchens Lieblingswort lautet „Kacka!“. „Kacka!“ begeistert sie enorm. „Kacka!“ dient der Bezeichnung fürs kleine und große Geschäft. „Kacka“ ist ihre Meldung für die volle Windel und für „Ich möchte aufs Töpfchen“. Außerdem ist „Kacka!“ so toll, dass es auch noch für alles andere herhalten muss. Gestern Abend saß sie zum Beispiel in der Schaukel und mühte sich mit dem Wort Schaukel ab. Was dann ungefähr so klang: “ ‚chaukel… kaukel… KACKA!“ Großes Gelächter folgte. Die Begeisterungsfähigkeit kleiner Menschen ist schon erstaunlich. Fast so toll wie „Kacka!“ ist der Gang aufs Töpfchen. Dazu nutzt sie jede Gelegenheit. Sobald jemand auf dem Klo sitzt, zerrt sie an ihrer eigenen Beinbekleidung und gibt energisch zu erkennen, dass man diese doch bitte so schnell wie möglich entfernen möge. Zeitgleich wird das Töpfchen aus der Ecke gezerrt. Wobei es aber nicht bleibt, denn sie zerrt dann lieber auch direkt den Toilettengänger vom entsprechenden Örtchen und schiebt diesem ihren Hocker über die Füße vor die Keramik. Reihenfolge variabel. Frei dem Motto: Platz da, jetzt komm ich! Mit „Kacka, da!“ wird dann noch die Sitzverkleinerung, die an der Wand hängt verlangt, und dann klettert das Effchen auf ihren Thron. Und wieder runter aufs Töpfchen. Und wieder aufs Klo. Sitzt da und freut sich und zerpflückt das Toilettenpapier. Deutet an, sich abzuwischen, schmeißt die Fitzel ins Klo, klettert – ansonsten unverrichteter Dinge – wieder runter und tappst mit hochgeklapptem Body zurück an den Ort, wo sie zuletzt gespielt hat. Manchmal hinterlässt sie dann noch hier und da ein Pfüzchen, wenn Mama nicht schnell genug hinterher kommt. Nun ist es also soweit. Das Kind will trocken werden. Das heißt für uns, mit Handtüchern bewaffnet hinter dem zumindest untenrum nackeligen Kind her zu sein, das Töpfchen anzubieten, jedes Pipi machen wohlwollend zu kommentieren (in etwa „Oh, schau mal, du hast Pipi gemacht. Vielleicht pieselst du ja beim nächsten Mal ins Töpfchen?“) und vor allem: Abschied von unseren geliebten Stoffwindeln.

Knapp daneben ist auch vorbei…

Wobei… leider sind wir seit einigen Wochen sowieso nur noch Teilzeitstoffwickler. Des Nächtens wurde Effchens bis dato eh schon schlechter Schlaf nämlich immer schlechter und schlechter, und irgendwann beschloss ich, einfach mal zu testen, ob es mit Wegwerfwindeln wohl besser gehen würde. Und was soll ich sagen? Ich mag es kaum laut aussprechen, aber tatsächlich hat es uns zumindest ein wenig Besserung gebracht. Offensichtlich ist das Effchen doch ein wenig empfindsamer als ihre Geschwister und wurde vom feuchten Klima in der Stoffwindeln immer wieder geweckt. Auch jetzt wacht sie vom Pinkeln auf, schläft aber mit den Wegwerfwindeln (die sich halt einfach schneller wieder trocken anfühlen, als jedes Trockenfleece in Stoffwindeln es ermöglicht) zum Glück schnell wieder ein. Falls du bisher darüber nachgedacht hast, Stoffwindeln zu verwenden, lass dich bitte, bitte von meinen Schilderungen nicht abschrecken! Unser Effchen ist wirklich extrem, was das angeht und ich kenne eine solche Empfindsamkeit von sonst keinem Kind. Da mein sowieso so geringer Nachtschlaf mir jedoch wichtiger ist, als dogmatisch auf die Nutzung von Stoffies zu bestehen, drücke ich beide Augen zu und hoffe, dass sie bald so gut schläft, dass sie doch wieder mit Stoffies schlafen kann. Denn ehrlich gesagt, sie sind schon ganz schön eklig, die Wegwerfwinkeln. Der Geruch ist einfach tausend mal schlimmer als der jeder schlecht gewaschenen Stoffwindel. Nach wie vor meldet sie sich ja immer noch nur nach dem Pinkeln, wodurch windelfrei leider nie eine Option für uns war. Obwohl ich das gerne probiert hätte. Aber wenn das so weiter geht, dann haben sich die Überlegungen zu diesem Thema wohl bald von selbst erledigt. Für unsere Stoffwindeln wird es auch Zeit. Nach vier Jahren im Dauereinsatz, zeitweise an zwei Kindern, sind die nämlich schon ziemlich abgerockt…

Müssen Kinder essen müssen?

Als ich Anfang der Woche den Krieger-Sohn von der Schule abholte, empfing mich ein gleichsam verstimmtes wie verstummtes Kind. Erster Schultag nach den Osterferien und gleich scheiße gelaufen – na, toll. Der Sohn faltete sich murrend zwischen seine Schwestern ins Lastenrad und gab, nachdem er seine Knie mit denen vom Lüff sortiert hatte, grimmig bekannt, am heutigen Tage schlechte Laune zu haben. Danach: Funkstille. Danke fürs Gespräch, mein Sohn. Aufklärung kam dann aber schnell über seine Freundin, die uns nach Hause begleitete: Erstens mal durfte er seine Geburtstagssüßigkeiten nicht verteilen, weil keine Zeit gewesen wäre. – Ja nu. Blöd gelaufen, aber morgen ist ja auch noch ein Tag, dachte ich mir. Aber dann. Dann folgte Zweitens auf dem Fuße: Der Krieger hätte keinen Nachtisch bekommen und würde deshalb schmollen. Wie jetzt? Naja, es hätte Burger zum selbst belegen gegeben (was ich, nebenbei bemerkt, ein tolles Schulessen finde), den der Krieger nicht aufgegessen hätte. Aber als er Vanillepudding wollte, hätte Frau L. gesagt, er müsse erst aufessen. Und das hätte dann so lange gedauert, dass für den Nachtisch keine Zeit mehr gewesen wäre. – Klar, da wäre ich auch sauer, sagte ich dem Krieger. Sogar mehr als das, dachte ich im Stillen und finde, dass man das Verhalten der Klassenbetreuerin mal wieder als typisch erzieherische Aktion von Erwachsenen sehen kann. Gut gemeint ist halt nicht immer gut gemacht.

Als ich dem Rockstar-Gatten am Abend davon berichtete, regte der sich furchtbar auf: Was der Frau einfallen würde?! Wenns ums Essen geht, würden immer noch die Eltern erziehen. Nicht die Schule. (Wir ja gerade auch nicht. Darum gehts doch, mein Schatz. 😉 ) „Du redest morgen mit der Klassenlehrerin!“ Ja, äh, nur wann? Zahnarzttermin in der Frühe… na, dann am Nachmittag, wenn ich sie noch erwische. Am nächsten morgen hatte Effchen mich dann dankenswerter Weise schon um fünf geweckt, und da das Thema mich umtrieb – zumal der Krieger auch noch das Abendessen verweigert hatte, weil er zu vollgefressen war – und ich sowieso nicht wieder in den Schlaf finden konnte, schrieb ich einen langen, langen Brief an Frau K. und Frau L., in dem ich meine Meinung über Bevormundung, körperliche Integrität, kindliche Autonomie und Fremdbestimmung durch autoritäre Erwachsene kundtat. So ganz allgemein und freundlich aber bestimmt, wie das so meine Art ist. Weil der Rockstar dann aber meinte, persönlich besprochen wäre das vielleicht doch besser, versuchte ich beim nachmittäglichen Abholen, leider erfolglos, noch einen der beiden Protagonisten zu erwischen.

Eingestellt auf eine beleidigte Lehrerschaft, überraschte mich des Kriegers Klassenlehrerin am Abend mit einem Anruf, bei dem sie sich tatsächlich für meinen Einsatz in Form dieses Briefes bedankte, weil sie jetzt endlich auch von Elternseite etwas in der Hand hätte, mit dem sie dieser Unsitte bei den Kollegen in der Klasse (Sozialpädagogen, Lehrern, BUT-Kräften und Co.) endlich einmal beikommen könnte. Sie berichtete mir noch von Diskussionen in der Vergangenheit, in der diese typischen Argumentationen kamen: Ich musste damals auch immer aufessen, etc. pp blabla. Und dass Frau L. ganz zerknirscht gewesen wäre, weil sie hätte ja gar nicht gesagt, der Krieger müsse aufessen. Sie hätte ja nur gesagt: „Na, wenn du satt bist, magst du ja sicher auch keinen Nachtisch mehr!“ *seufz*…ich spare mir an dieser Stelle Ausführungen über manipulatives Verhalten. Wem das nicht ins Auge springt, dem empfehle ich die verlinkten Seiten am Schluss. Auch für die, denen sich bei solchen Sätzen ebenfalls die Zehennägel kringeln, tolle und lohnenswerte Lektüre zum Thema essen müssen und Fremdbestimmung ganz allgemein.

Auf jeden Fall waren des Kriegers Klassenlehrerin und ich uns einig: Satt ist satt und Nachtisch geht immer!

Das und das sagt der Juul!

Geborgen wachsen hat auch einzwei schlaue Worte dazu.

Hier und dort etwas von Elternmorphose.

Und zu guter Letzt auch noch was richtig Wissenschaftliches.

 

 

 

 

 

 

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